Ex-Außenminister unterzeichnet Vertrag Fischer wird Lobbyist für Nabucco-Pipeline

Stand: 06.07.2009 13:44 Uhr

Ex-Außenminister Joschka Fischer | Bildquelle: picture-alliance/ dpa
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Ex-Außenminister Joschka Fischer unterschrieb einen Beratervertrag bis Ende 2010.

Der frührere Bundesaußenminister Joschka Fischer treibt künftig als politischer Berater den Bau der geplanten Nabucco-Gaspipeline voran. Der Grünen-Politiker habe mit den Energieversorgern RWE und OMV einen Vertrag abgeschlossen, teilte RWE in Essen mit. "Fischer wird seine langjährige außen- und energiepolitische Erfahrung dafür einsetzen, die politische Unterstützung für das Projekt zu vertiefen und entsprechende Initiativen zu koordinieren", hieß es in der Erklärung.

Fischers Hauptaugenmerk soll den Angaben zufolge auf der Kontaktpflege und dem Dialog mit der politischen Führungsebene der beteiligten Länder liegen. Der Vertrag sei zunächst bis Ende 2010 befristet. Laut einem unbestätigten Bericht des "Manager Magazins" soll Fischer für seine Lobbyarbeit eine sechsstellige Summe erhalten.

Gasversorgung unabhängiger von Russland machen

Das Nabucco-Projekt sieht die Versorgung Europas mit Erdgas über eine rund 3300 Kilometer lange Leitung vom Kaspischen Meer unter anderem durch die Türkei, Rumänien und Bulgarien vor. Die Pipeline endet in Österreich. Das Vorhaben ist politisch brisant, weil es Europa vom russischen Gas unabhängiger machen soll.

Projekt: Nabucco-Pipeline
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In Rot eingezeichnet: geplanter Verlauf der Nabucco-Pipeline

In der vergangenen Woche hatte die EU-Kommission angekündigt, dass die Transitländer am 13. Juli das Abkommen über die Nabucco-Pipeline unterzeichnen wollen. Nach Angaben des rumänischen Wirtschaftsministers Adriean Videanu war zuvor der Streit über den Anspruch der Türkei auf große Mengen des Pipeline-Gases beigelegt worden. Die "15-Prozent-Frage" sei offenbar gelöst, hatte Videanu erklärte. Diese Menge hatte bislang die Türkei für sich und seinen Export beansprucht und damit für Unmut gesorgt. Die anderen Transitländer Bulgarien, Rumänien, Österreich und Ungarn hatten die Sorge, dass Nabucco dadurch unrentabel wird.

Gesamtinvestitionen von 7,9 Milliarden Euro

Das Nabucco-Konsortium umfasst neben RWE und OMV die Unternehmen Botas (Türkei), Bulgarian Energy Holding (Bulgarien), Transgaz (Rumänien) und Mol (Ungarn). Die Investitionssumme für das Projekt beläuft sich nach RWE-Angaben auf rund 7,9 Milliarden Euro.

Fischer ist das zweite Mitglied der ehemaligen rot-grünen Bundesregierung, das bei einem Pipeline-Projekt arbeitet. Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) ist Aufsichtsratschef der Betreibergesellschaft der im Bau befindlichen Ostsee-Pipeline zwischen Russland und Deutschland.

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