Eier in der Legefarm Doornenburg in den Niederlanden | Bildquelle: AFP

Skandal um Fipronil-Eier Niederlande weisen belgische Vorwürfe zurück

Stand: 09.08.2017 21:17 Uhr

Wer hat wann über die mit dem Insektizid Fipronil verseuchten Eier gewusst und hätte frühzeitig warnen können? Belgien und die Niederlande schieben sich gegenseitig die Verantwortung zu. Auch die EU-Kommission hat früher Informationen erhalten, als sie zunächst mitgeteilt hatte.

Im Skandal um die mit dem Insektenschutzmittel Fipronil verseuchten Eier hat die niederländische Behörde für Lebensmittelsicherheit (NVWA) Vorwürfe aus Belgien zurückgewiesen, schon seit Ende 2016 informiert gewesen zu sein. "Der Vorwurf, wir hätten im November 2016 von Fipronil in Eiern gewusst, trifft nicht zu", heißt es in einer Erklärung von NVWA-Chef Rob van Lint.

Zuvor hatte Belgiens Agrarminister Denis Ducarme entsprechende Vorwürfe erhoben. Seinem niederländischen Kollegen liege ein Bericht vor, wonach schon im November 2016 bei Eiern im Land Fipronil gemessen wurde, sagte Ducarme in Brüssel bei einer Sondersitzung der zuständigen Ausschüsse im belgischen Parlament.

Belgien erhebt nach Fipronil-Skandal Vorwürfe gegen die Niederlande
tagesschau 20:00 Uhr, 09.08.2017, Markus Preiß, ARD Brüssel

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Anonymer Hinweis

Allerdings habe es einen anonymen Hinweis gegeben, dass das Insektengift bei der Reinigung von Ställen zur Bekämpfung der Blutlaus eingesetzt worden sei. "Die NVWA bekommt jedes Jahr Hunderte von Tipps über vermutete Unregelmäßigkeiten", erklärte van Lint.

Ein solcher Hinweis sei auch im November 2016 hinsichtlich der Stallreinigung eingegangen. "Zu diesem Zeitpunkt gab es keine Hinweise darauf, dass es ein akutes Risiko für die Lebensmittelsicherheit geben könnte. Es gab keinen einzigen Hinweis darauf, dass Fipronil sich auch in Eiern befinden könnte."

EU wusste früh Bescheid

Auch die EU-Kommission erhielt früher als zunächst angegeben Informationen zu Fipronil-Eiern. Dies geht aus dem Bericht der belgischen Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK hervor, der der Nachrichtenagentur dpa vorliegt. Die EU-Kommission bestätigte der dpa den Austausch am 6. Juli zwischen Belgien und den Niederlanden über eine EU-Plattform.

Belgiens Agrarminister Ducarme während der Sondersitzung | Bildquelle: dpa
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Greift die Behörden im Nachbarland scharf an: Belgiens Agrarminister Ducarme während der Sondersitzung.

Eine Sprecherin der EU-Kommission hatte noch am Dienstag jegliche Kenntnis von Fipronil-Eiern in Belgien vor dem 20. Juli verneint. Belgien hatte laut FASNK-Bericht am 6. Juli eine offizielle Anfrage zur Zusammenarbeit der Justizbehörden an die Niederlande gestellt und dazu eine Plattform der EU-Kommission genutzt.

Die belgischen Behörden drängten auf Informationen aus den Niederlanden, um die Verbreitung des Insektengifts im Geflügelsektor nachzuvollziehen. Erst am 20. Juli hatten die belgischen Behörden eine offizielle Risikomeldung zu Fipronil in Eiern an das Schnellwarnsystem zur Lebensmittelsicherheit geschickt. Ein Sprecher der EU-Kommission sagte: "Die Kommission überwacht den Austausch im Administrativen Unterstützungs- und Kooperationssystem nicht aktiv wie es beim Schnellwarnsystem für Lebens- und Futtermittel der Fall ist."

Insektizid nur durch Zufall entdeckt

Derweil wird deutlich, dass Fipronil in Belgien nur durch Zufall entdeckt wurde. Die belgische Lebensmittelsicherheitsbehörde habe von einem internen niederländischen Bericht nur über gute Kontakte in die Niederlande erfahren, sagte Ducarme.

"Es gab über diesen Bericht keinerlei offizielle Kommunikation der Niederlande", beklagte der Minister. Außerdem hätten die belgischen Behörden mehr als einen Monat auf Informationen der niederländischen Kollegen warten müssen, die erlaubt hätten, die Verbreitung Fipronil-belasteter Eier nachzuvollziehen und Gegenmaßnahmen einzuleiten.

Ursprung in Belgien

Der Skandal um Millionen mit dem Insektengift belastete Eier hatte nach bisherigen Erkenntnissen seinen Ursprung in Belgien. Dort wurde offenbar ein für die Nutztierhaltung zugelassenes rein pflanzliches Desinfektionsmittel mit dem für die Nutztierhaltung verbotenen Fipronil gemischt. Dadurch gelangten Millionen verseuchte Eier aus den Niederlanden nach Deutschland, die Schweiz und Schweden. Alle Bundesländer - mit Ausnahme Sachsens - waren betroffen. Millionen Eier wurden aus den Regalen von Supermärkten genommen und vernichtet.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt forderte von den Niederlanden und Belgien Aufklärung. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" sagte der CSU-Politiker: "In dieser trüben Suppe muss endlich Klarheit geschaffen werden." Sollte der Vorwurf Belgiens an die Niederlande stimmen, wäre er "sehr enttäuscht". Er erwarte, dass genau rekonstruiert werde, wer wann welche Eier geliefert habe und ob Deutschland betroffen war.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 09. August 2017 um 20:00 Uhr.

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