Eieranalyse in einem Veterinäruntersuchungsamt | Bildquelle: dpa

Agrarminister zum Eierskandal Unzufrieden mit Belgien und Niederlanden

Stand: 08.08.2017 05:11 Uhr

Deutschland sei zu spät und zu wenig umfangreich über die mit Fipronil belasteten Eier informiert worden, kritisiert Landwirtschaftsminister Schmidt die Niederlande und Belgien. Nun wollen die Länder besser kooperieren: Verbindungsbeamte sollen entsandt werden.

Im Skandal um die mit dem Insektengift Fipronil belasteten Eier hat Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt das Krisenmanagement der Niederlande und Belgiens in mehreren Interviews kritisiert. "Die Geschwindigkeit und der Umfang der Informationen seitens Belgien und der Niederlande ist zu optimieren", sagte Schmidt der "Neuen Osnabrücker Zeitung". In Telefonaten mit seinen Kollegen aus den Beneluxstaaten habe er "unmissverständlich" zum Ausdruck gebracht, dass er "schnelle Informationen und Transparenz" erwarte. Der Informationsfluss zwischen den EU-Staaten müsse besser werden.

Jetzt kommt der Informationsaustausch

Deutschland und Belgien vereinbarten nach Angaben des belgischen Agrarministers Denis Ducarme nun einen engen Informationsaustausch. Dazu sollen Verbindungsbeamte eingesetzt werden, wie Ducarme nach einem Telefonat mit Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt dem ARD-Studio Brüssel sagte. Auch Schmidt bestätigte die Entsendung der Beamten in die jeweiligen Länder. "Alle Informationen werden mitgeteilt", versprach Ducarme. Ducarme kündigte ein weiteres Telefonat mit Schmidt für heute an.

In Belgien war eine heftige Debatte über das Krisenmanagement ausgebrochen, nachdem die Lebensmittelsicherheitsbehörde FASNK am Wochenende mitgeteilt hatte, schon Anfang Juni über einen ersten Verdachtsfall in der Geflügelbranche informiert gewesen zu sein. Andere EU-Staaten waren erst am 20. Juli in Kenntnis gesetzt worden. Ducarme erwartet nun einen detaillierten Bericht der FASNK. "Ich möchte die Deutschen überzeugen von unserem Willen, ernsthafte, gründliche Arbeit zu machen, die die Lebensmittelsicherheit garantiert." Die Lebensmittelsicherheitsbehörde wurde laut Ducarme am 2. Juni zum ersten Mal von einem eierverarbeitenden Betrieb über Fipronil informiert worden.

Auch verarbeitete Produkte werden geprüft

Bundeslandwirtschaftsminister Schmidt sieht die Probleme insgesamt noch nicht gelöst: Er könne "keine Entwarnung geben, dass wir alle Kontaminierungen und Lieferwege der belasteten Eier lückenlos aufgeklärt haben". Wie Schmidt am Abend dem Sender Antenne Bayern sagte, arbeiteten die deutschen Überwachungsbehörden mit Hochdruck. Mit Blick auf die Herkunft der belasteten Eier sagte Schmidt dem ZDF: "Im Augenblick sprudeln aus den Niederlanden die Informationen, die wir eigentlich schon in den vergangenen Wochen gern gehabt hätten." Diese würden nun überprüft. Jetzt gehe es darum, auch verarbeitete Produkte wie Nudeln, Mayonnaise und Eiersalat zu untersuchen. Dafür habe er "ein Monitoring für diese Produkte angeordnet". Erst wenn dies erfolgt sei, könne die Krise für beendet erklärt werden.

Ermittlungen gegen niedersächsische Landwirte

Der Eier-Skandal beschäftigt zudem nun auch die Justiz in Deutschland. Die Staatsanwaltschaft Oldenburg leitete gegen niedersächsische Landwirte ein Ermittlungsverfahren ein, wie eine Sprecherin sagte. Es bestehe der Verdacht, gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz verstoßen zu haben. Betroffen seien die Verantwortlichen niedersächsischer Eierbetriebe, in denen Eier positiv auf Fipronil getestet wurden. Bislang gab es Ermittlungsverfahren in Belgien und den Niederlanden. Zudem wurde bekannt, dass auch im Saarland mit Fipronil belastete Eier in den Handel gelangt sind. Damit sind mittlerweile alle Bundesländer - mit Ausnahme Sachsens - betroffen.

Die Verwendung von Fipronil bei Tieren, die Lebensmittel liefern, ist in der EU verboten. Derzeit wird angenommen, dass ein belgischer Hersteller einem gängigen Reinigungsmittel Fipronil beimengte und es an Betriebe in Belgien, den Niederlanden und Deutschland verkaufte. Das Insektizid soll Tiere vor Flöhen, Läusen und Zecken schützen. Die bisher bekannten mit Fipronil belasteten Chargen stammen aus den Niederlanden. Verbraucher sollten belastete Eier dem Handel zurückgeben oder im Restmüll entsorgen, empfiehlt das Ministerium.

Zwar sind die von Fipronil-Eiern und -Produkten ausgehenden Gefahren für Verbraucher aus Expertensicht bei den bisher gemessenen Konzentrationen überschaubar. In hohen Dosen kann Fipronil für Menschen aber gefährlich sein - in Experimenten mit Ratten schädigte die Substanz nach Angaben des Bundesinstituts für Risikobewertung (BfR) das Nervensystem und die Leber.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 08. August 2017 um 04:43 Uhr.

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