Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt (CSU)  | Bildquelle: dpa

Schmidt weist Kritik zurück "Unverzüglich eingeschaltet"

Stand: 05.08.2017 09:21 Uhr

Sein Ministerium habe sich "unverzüglich" in die Aufarbeitung des Fipronil-Skandals eingeschaltet. So hat sich Landwirtschaftsminister Schmidt gegen Kritik an seinem Krisenmanagement gewehrt. Derweil wurden erstmals Salatprodukte zurückgerufen.

Bundeslandwirtschaftsminister Christian Schmidt hat Kritik an seinem Krisenmanagement im Fipronil-Skandal zurückgewiesen. "Die Lebensmittelüberwachung ist Aufgabe der Bundesländer. Trotzdem hat sich mein Haus unverzüglich eingeschaltet und befindet sich im engen Austausch mit den Behörden der Länder", sagte Schmidt dem Redaktionsnetzwerk Deutschland. Der Handel habe genauso wie die Hersteller dafür Sorge zu tragen, dass Produkte "verkehrsfähig und gesundheitlich unbedenklich sind", sagte der Minister weiter.

Die Experten seines Hauses und der nachgeordneten Behörden seien "seit Tagen nahezu rund um die Uhr im Einsatz, um weitere Kenntnisse über den Sachverhalt zu erlangen", so der CSU-Politiker zur "Passauer Neuen Presse".

Grünen-Fraktionschefin Katrin Göring-Eckardt hatte Schmidt zuvor vorgeworfen, tagelang in der Versenkung zu verschwinden, während die Verbraucher verunsichert seien.

Zum Vorwurf, dass es nicht genügend Lebensmittelkontrolleure gebe, sagte Schmidt: "Es waren doch gerade die amtlichen Kontrollen, die den Vorgang aufgedeckt haben. Zur Wahrheit gehört jedoch auch, dass Lebensmittelbetrug und kriminelle Energie nie zu 100 Prozent ausgeschlossen werden können."

Bauernverband fordert Schadenersatz

Hennen betrachten ein Ei. | Bildquelle: dpa
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Der Bauernverband fordert Schadenersatz für betroffene Höfe.

Unterdessen forderte der Deutsche Bauernverband (DBV) Schadenersatz für alle deutschen Hühnerbetriebe, die von dem illegalen Einsatz des Insektizids Fipronil betroffen sind. "Die betroffenen Landwirte dürfen nicht auf ihren Schäden sitzen bleiben und müssen entschädigt werden", sagte der stellvertretende DBV-Generalsekretär Udo Hemmerling den Zeitungen der Funke-Mediengruppe. Es handele sich "um ein klares Fehlverhalten eines Dienstleisters, der dieses Insektizid illegal einem legalen Desinfektionsmittel untergemischt hat", betonte Hemmerling. Er forderte von Bund und Ländern eine schnelle Aufklärung des Falls.

Bundesweit wurden bisher vier Betriebe wegen Fipronil-Funden gesperrt, weitere werden überprüft. "Einem typischen gesperrten Betrieb entsteht täglich ein Schaden von rund 4000 Euro an Umsatzverlust. Der Verursacher muss diesen finanziellen Schaden begleichen", forderte Hemmerling.

Vermutlich wurde das Fipronil von einem belgischen Hersteller beigemischt. Bei dem Insektizid handelt es sich um ein Kontaktgift, das gegen Hautparasiten wirkt. Die Anwendung bei lebensmittelliefernden Tieren ist nicht erlaubt. In hohen Dosen kann Fipronil auch für Menschen gefährlich sein. Wie genau es auf Menschen wirkt, ist nicht bekannt.

Salatprodukte zurückgerufen

Mit Fipronil belastete Eier oder daraus erzeugte Produkte wurden laut www.lebensmittelwarnung.de, dem Informationsportal von Bund und Ländern, in allen Bundesländern gefunden. Am Freitagabend wurden erstmals verarbeitete Produkte zurückgerufen. Das Unternehmen Neue Mayo Feinkost in Lübeck rief sechs Salatprodukte zurück, für die Fipronil-Eier verarbeitet worden sein sollen. Betroffen sind hier Berlin, Hamburg, Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein.

"Andere Proben werden zurückgestellt"

Wegen der Fipronil-Funde will Nordrhein-Westfalen seine Untersuchungskapazitäten ausweiten. Ab kommender Woche werden Proben auch von den Spezialisten im Chemischen und Veterinäruntersuchungsamt in Krefeld untersucht. Bislang wurden die Proben ausschließlich in Münster analysiert. Der Leiter des Krefelder Amts, Detlef Horn, sagte, dass dort pro Tag etwa 40 Eier untersucht werden können. Bis Ergebnisse vorliegen, werde es zwei bis drei Tage dauern. Die Analyse der Eier soll in Krefeld Vorrang haben. "Andere Proben werden zurückgestellt", sagte Horn.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 05. August 2017 um 09:00 Uhr in den Nachrichten.

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