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Fiat in der Krise

Schlusslicht statt "Fabbrica Italia"

Es ist von Kürzungen und Entlassungen die Rede, dazu droht die Schließung von bis zu fünf Werken - Italiens Autokonzern Fiat steckt tief in der Krise. Auch Ministerpräsident Monti schaltet sich jetzt ein. Denn zurzeit hält Fiat sich nur mit Mühe über Wasser.

Von Tilmann Kleinjung, ARD-Hörfunkstudio Rom

Der Konzern sei um Jahrzehnte zurückgefallen, sagt Automobilexperte Ernesto Auci: "Fiat ist heute aufgrund des fehlenden italienischen Marktes auf dem Niveau von vor 40 Jahren. Mit anderen Worten: Die Situation ist sehr kritisch." Auf dem Automarkt in Europa sind die Italiener Schlusslicht. Um 18 Prozent ist der Absatz allein im letzten Monat in Europa eingebrochen, was vor allem an den Italienern liegt. Sie spüren die Finanzkrise besonders und haben kein Geld mehr übrig haben für Fiats, Lancias oder Maserattis. Und deshalb ist nicht von mehr von Investitionen die Rede, sondern von Kürzungen, Schließungen, Entlassungen.

Fiat-Chef Sergio Marchionne
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Fiat-Chef Sergio Marchionne. "Er ist nicht mehr glaubwürdig", sagt ein Arbeiter über ihn.

Die Arbeiter des Werks im süditalienischen Pomigliano gehen auf die Straße. Die meisten von ihnen sind ohnehin schon in Kurzarbeit. Nun läuten nach der Ankündigung von Fiat-Chef Sergio Marchionne, das Investitionsprogramm zu überprüfen, die Alarmglocken.

"Marchionne ist nicht mehr glaubwürdig als Fiat-Chef", sagt ein Arbeiter. "Es ist unmöglich, dass eine Regierung tatenlos zusieht, wie eine Fabrik geschlossen wird." Ein anderer sagt: "Wir können die Autos auch ohne ihn produzieren, wir können das sogar besser". Außerdem wollten die Arbeiter ökologische Autos herstellen, die dann einen neuen Markt öffnen.

Der Krisengipfel soll die Wende bringen

Fiat ist mehr als eine x-beliebige Automarke - Fiat ist Italien. Und deshalb ist der Automobilkonzern Chefsache: Ministerpräsident Mario Monti trifft sich am Samstag in Rom mit Marchionne und Fiat-Aufsichtsratschef John Elkann, um zu erfahren, was der Autokonzern tatsächlich plant. Elkann versicherte bereits im Vorfeld: "Wir investieren in Italien", sagt er. "Wir haben 700 Millionen Euro in Pomigliano investiert, wir sind gerade dabei in Turin eine Miliarde Euro für den neuen Maserati zu investieren. Das ist Fakt."

Arbeiter in der hellblauen Werksuniform protestieren vor dem Standort Termini Imerese auf Sizilien
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Seit Jahren protestieren Fiat-Arbeiter immer wieder gegen Kürzungen.

In Pomigliano bei Neapel wird der neue Fiat Panda produziert. Der beste Panda aller Zeiten, sagt Marchionne, der mit dem neuen Werk und dem neuen Wagen den Markt aufrollen wollte. Doch dieser Plan ging nicht auf. Dazu kommt: Wenn Marchionne vor Jahren nicht die Marke Chrysler gekauft hätte, stünde Fiat heute miserabel da. Bei den italienischen Gewerkschaften weckt das alte Ängste - will Marchionne aus Fiat einen amerikanischen Konzern machen?

"Jedes Mal wird hier eine Art Russisches Roulette gespielt", sagt Michele de Palma von der Metallgewerkschaft FIOM. "Nämlich: Welches Werk ist jetzt dran mit der Schließung? Ein tödliches Spiel für die Arbeiter. Es muss endlich darüber gesprochen werden, dass in Italien die Autoproduktion zu den Fundamenten der Industrie zählt."

Das Verhältnis zwischen Marchionne und den Gewerkschaften ist zerrüttet. Der Italo-Kanadier sieht in den verkrusteten Strukturen und den seiner Meinung nach überbordenden Arbeitnehmerrechten den Hauptgrund dafür, dass Fiat nicht vom Fleck kommt. Keine gute Voraussetzung, um eine Krise gemeinsam zu überstehen.

Stand: 21.09.2012 15:01 Uhr

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