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Fragen und Antworten
Streit um Ökostrom
EEG-Umlage - Wieso, wie hoch, warum?
Die Ökostromumlage ist Anfang des Jahres von 3,6 auf 5,3 Cent gestiegen. Die Kilowattstunde verteuerte sich um 1,7 Cent. Eine vierköpfige Familie zahlt somit inzwischen durchschnittlich 186 Euro jährlich - nur für die EEG-Umlage. Doch warum ist das so? tagesschau.de beantwortet die wichtigsten Fragen.
Von Thorsten Wiese, tagesschau.de
Was ist die Ökostromumlage?
Ob Windparkbetreiber oder Privathaushalt mit Solarzellen auf dem Dach: Wer Strom aus erneuerbarer Energie produziert und ins Netz einspeist, wird gefördert. Das soll dafür sorgen, dass der Anteil von Strom aus Wind, Wasserkraft, Sonne, Erdwärme oder Biomasse sukzessive steigt. Die Regierung hat zum Ziel, bis 2020 insgesamt 35 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien zu erzeugen - derzeit sind es 25 Prozent. Um Anreize zu schaffen, sind Anlagebetreibern die Vergütungssätze ab dem Zeitpunkt der Inbetriebnahme im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) staatlich für 20 Jahre garantiert - sie sind also nicht Angebot und Nachfrage überlassen.
Wie errechnet sich die Höhe der Umlage?
Die Höhe der Umlage wird von den vier Betreibern der Übertragungsnetze in Deutschland festgelegt. Sie verwalten das Konto, über das die Vergütungszahlungen abgewickelt werden. Dieses ist im Minus, denn Ökostrom lässt sich auf dem freien Markt - an den Strombörsen - nicht zu dem Preis verkaufen, zu dem er von den Anlagebetreibern - gesetzlich festgelegt - eingekauft wird. Denn sogenannter konventioneller Strom - zum Beispiel aus Atomkraftwerken - ist deutlich günstiger und drückt die Preise. Weil immer mehr Ökostrom auf den Markt kommt, sinkt der erzielbare Preis sogar. Aus der Differenz zwischen Vergütung und Marktpreis ergibt sich die Höhe der Umlage - sie steigt also sogar umso mehr, je günstiger der Strom an den Börsen gehandelt wird.
Die Betreiber der Übertragungsnetze veröffentlichen jeweils am 15. Oktober eines Jahres, wie viel Geld für das Schließen der Lücke notwendig sein wird. Sie geben an diesem Tag also die Höhe der EEG-Umlage für das Folgejahr bekannt.
Wie hängen Strompreis und Umlage zusammen?
Die privaten und gewerblichen Verbraucher zahlen die Umlage über die Stromrechnung. Je verbrauchter Kilowattstunde (kWh) flossen 2012 3,6 Cent auf das Umlagekonto. Damit machte die Umlage etwa ein Siebtel des durchschnittlichen Haushaltsstrompreises von 25,5 Cent pro kWh aus. Eine vierköpfige Familie mit einem Verbrauch von 3500 kWh pro Jahr zahlte also allein 126 Euro pro Jahr für die Umlage - ohne Mehrwertsteuer. Durch die Erhöhung der Umlage auf 5,28 Cent pro Kilowattstunde in diesem Jahr kommt auf die Familie eine jährliche Mehrbelastung von etwa 60 Euro zu. Auch hier sind Steuern noch nicht inbegriffen.
Welche Ausnahmen gibt es?
Mit der Begründung, sie international wettbewerbsfähig zu halten, sind viele Unternehmen in sogenannten energieintensiven Industrien von der Umlage freigestellt - laut dem Wirtschaftswissenschaftler Uwe Leprich aus Saarbrücken mittlerweile die Hälfte der deutschen Industriebetriebe. Die Grünen kritisieren, dass die Ausnahmeregelungen von der schwarz-gelben Bundesregierung auf immer mehr Betriebe ausgeweitet wurden - auch auf solche, die gar nicht "energieintensiv" seien und somit nicht in den Genuss dieser Ausnahmeregelung kommen dürften.
Warum gibt es Streit um die Umlage?
Im Zentrum der Kritik stehen die Ausnahmeregelungen, die das umweltpolitische Vorhaben - mehr Strom aus erneuerbaren Energien - für Verbraucher teuer machen. Ohne die Ausnahmeregeln müssten Privatkunden deutlich weniger EEG-Umlage zahlen. Der Bundesverband erneuerbare Energien (BEE) hat errechnet, dass die eigentlichen Förderkosten ohne Ausnahmeregeln nur 2,3 Cent je kWh betragen müssten.
Verbraucherschützer und Wohlfahrtsverbände laufen deshalb Sturm gegen die gesetzlich festgelegten Ausnahmen für Unternehmen, denn diese bedeuten Mehrbelastungen für die Haushalte. Die Verbände führen ins Feld, dass vor allem Bürger mit wenig Geld eine weitere Anhebung der Umlage im Portemonnaie spüren - Strom würde für arme Haushalte zunehmend zum Luxusgut.
Stand: 13.02.2013 13:02 Uhr
