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Niederländer arbeiten an "Fairphone"

Das Handy für das gute Gewissen

Die großen Smartphone-Produzenten scheffeln Milliarden. Von diesen Traumgewinnen sehen die Arbeiter nichts, die in Minen für Hungerlöhne ihr Leben riskieren, um die Rohstoffe für Handys zu fördern. Die niederländische Antwort auf diese Ausbeutung heißt "Fairphone".

Von Ludger Kazmierczak, ARD-Hörfunkstudio Den Haag

Logo von "Fairphone"
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Die Delegation von "Fairphone" fühlt sich nicht willkommen, wenn sie die Produktionsbedingungen im Kongo prüft.

Eine Delegation der niederländischen Initiative "Fairphone" besucht die Provinz Katanga im äußersten Süden des Kongo. In stickigen, engen Minen, die nicht selten einsturzgefährdet sind, werden Kupfer und Kobalt abgebaut. Diese Rohstoffe werden für die Produktion von Handys benötigt.

Bibi Bleekemolen hat den Eindruck, dass sie und ihr Team aus Amsterdam nicht wirklich willkommen sind in der Region. "Wir stehen hier vor einer der früheren staatlichen Minen. Überall hocken hier Menschen, die in großen braunen Wasserpfützen Kupfer und Kobalt waschen - auch kleine Kinder", sagt sie. "Sobald wir uns ihnen mit der Kamera nähern, werden sie von den Erwachsenen weggeschickt. Sie sollen lieber nicht ins Bild."

Niederländer bauen erstes Fairphone der Welt
L. Kazmierczak, ARD Den Haag
21.01.2013 12:57 Uhr

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Hohe Belastung durch Giftstoffe

Für einen armseligen Lohn riskieren die Männer, Frauen und Kinder ihr Leben. Die Erde und die Luft sind durch Giftstoffe stark belastet. Viele Babys in der Region kommen bereits schwer krank zu Welt.

Die Demokratische Republik Kongo sei einer der Hauptlieferanten für die meisten der insgesamt rund 30 Metalle und Mineralien, die in Mobiltelefonen und Smartphones stecken, erklärt Bas van den Abel. Noch in diesem Jahr wollen er und seine Mitarbeiter ein Handy auf den Markt bringen, das frei von Ausbeutung oder Umweltsünden ist - ein Fairphone eben.

"Vor mir liegt ein Handy, das wir auseinander geschraubt haben", erläutert van den Abel. "Sie sehen hier sehr viele winzig kleine Bestandteile. Darin stecken sogenannte Blutmineralien wie Coltan. Der Herstellungsprozess ist so wenig transparent, dass selbst die Handyhersteller nicht wissen, wo genau diese Grundstoffe herkommen."

Rückkehr zu größeren Mobiltelefonen

Screenshot mit einer Studie des geplanten Fairphones
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Das erste "Fairphone" soll zwischen 250 und 300 Euro kosten (Screenshot www.fairphone.com)

Für die Produktion der ersten Fairphones hat van den Abel seine Mineralien daher nur von Minenarbeitern gekauft, die nicht von Warlords ausgebeutet und kontrolliert werden und die einen fairen Preis für ihre harte Arbeit erhalten. Auf die Verwendung einiger Bodenschätze wollen die Niederländer sogar ganz verzichten, was sich allerdings auf das Design der Geräte auswirken wird. "Ich gehe davon aus, dass wir wieder zu größeren Telefonen zurückkehren", sagt van den Abel. "Denn viele der Mineralien werden nur gebraucht, um die Handys kleiner zu machen. Dabei geht es um seltene Grundstoffe, die meist auf unehrliche Weise gewonnen werden."

Ein zu hundert Prozent fair produziertes Smartphone wird es nicht geben, weiß auch er. Ihm geht es darum, neue Denkanstöße zu geben, Allianzen zu schmieden und die großen Handy-Hersteller mit ins Boot zu holen. Die ersten Fairphones sollen in diesem Herbst auf den Markt kommen: für 250 bis 300 Euro. In den Geräten stecke keine neue Technologie, sagt van den Abel, aber auch kein Dollar, mit dem in Afrika ein Bürgerkrieg finanziert wird.

Dieser Beitrag lief am 21. Januar 2013 um 15:41 Uhr auf NDR Info.

Stand: 21.01.2013 11:42 Uhr

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