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Drei Monate nach Börsengang
"Hundstage" für Facebook-Aktien starten
Drei Monate nach dem Börsengang haben Facebook-Aktien rund die Hälfte ihres Wertes verloren. Und nun beginnen auch noch die "Hundstage": die Sperrfrist für von Insidern gehaltenen Aktien endet. Ein massenhafter Verkauf könnte den Kurs noch weiter drücken. Analysten fürchten die "Stunde der Wahrheit".
Von Thomas Schmidt, WDR-Hörfunkstudio New York
Der Facebook-Frühling ist vorüber, jetzt beginnen - wie immer im August - die Hundstage: Drei Monate nach dem spektakulären Börsengang und einem Kursturz von fast 50 Prozent können Insider, wenn sie wollen, ab heute erstmals ihre Aktien auf den Markt bringen. Viele sehen darin die Stunde der Wahrheit - schließlich geht es um nicht weniger als rund 270 Millionen Anteilsscheine, erklärt Analyst Scott Kessler von der Rating-Agentur Standard & Poor’s: "Auch wenn es sich so anhört - es handelt sich um einen kleinen Prozentsatz im Vergleich zu den Aktienzahlen, die in den kommenden Monaten auf den Markt kommen könnten."
Weitere Kursverluste bei Facebook-Aktie?
T. Schmidt, ARD New York
15.08.2012 23:49 Uhr
Weitere Sperrfrist für 1,3 Milliarden Papiere
Die Zahlen, die Kessler hier anspricht, sind in der Tat gewaltig: Bei weiteren 1,3 Milliarden Facebook-Aktien endet zwischen Oktober 2012 und Mai 2013 die Sperrfrist, innerhalb derer bestimmte Aktien nach dem Börsenstart nicht in den Handel gelangen dürfen. Bei den Insidern, die diese Aktien halten, handelt es sich unter anderem um Altinvestoren, die ihr Geld bereits bei Facebook anlegten, bevor das Unternehmen an die Börse ging.
Darunter sind auch eine ganze Reihe von Facebook-Mitarbeitern. Für sie gilt - in verschiedenen zeitlichen Abstufungen - die sogenannte "lock-up period" oder Mindesthaltefrist: "Damit will man einmal, zum Schutz der übrigen Aktionäre, die Anzahl der Aktien begrenzen und zum anderen die Insider mit den übrigen Aktionäre für einen gewissen Zeitraum auf eine Linie bringen", erklärt Kessler.
Aktien-Flut würde Kurs drücken
Viele Börsenbeobachter befürchten nun, dass der Markt mit dem Ende der Sperrfrist mit Facebook-Aktien überflutet werden könnte und der Kurs damit schon in dieser Woche weiter deutlich abrutscht. Nach ihrer Bewertung wissen besonders die Facebook-Mitarbeiter besser als alle anderen, wie es um Facebook und die Zukunft des sozialen Netzwerks steht - und welche Konsequenzen daraus für ihre persönliche Investition zu ziehen sind.
Aber auch Aktionäre mit geringerem Insider-Wissen könnten erleichtert von der Möglichkeit Gebrauch machen, endlich ein Papier loszuwerden, das sich in den vergangenen Monaten als riesengroße Enttäuschung erwies. Bei Standard & Poor’s ist man allerdings nicht ganz so pessimistisch. Scott Kessler glaubt nicht, dass es mit dem Ende der Sperrfrist zu einer Verkaufsflut kommt. Bei vielen Investoren stünden generell weniger kurzfristig monetäre als langfristig strategische Überlegungen im Vordergrund. Deshalb würden sie sich nicht von ihren Aktienpaketen trennen, jedenfalls nicht bei der ersten Verkaufsmöglichkeit in dieser Woche.
Zocker-Paradies Wall Street
Weil die Wall Street aber schon immer nicht nur ein Orakel, sondern auch ein Zocker-Paradies war, könnte es auch ganz anders kommen. Wenn Investoren schon im August massenhaft Facebook-Aktien auf dem Markt werfen, würde damit wohl eine Lawine ausgelöst, die den Kurs endgültig dramatisch in die Tiefe stürzen könnte. Das, darin sich sich Analysten einig, wäre der Beweis dafür, dass selbst Insider nicht mehr an einen Erfolg von Facebook glauben - nicht als Anlagepapier, und als Unternehmen mit einer milliardenschweren Zukunft wohl auch nicht mehr.
Stand: 15.08.2012 23:56 Uhr
