Zur Haupt-Navigation der ARD.
Zum Inhalt.
Für die einen ist er ein Visonär, für die anderen ein skrupelloser Datensammler. Fest steht: Mark Zuckerberg verdient Milliarden mit Facebook. Doch wie funktioniert das Geschäftsmodell genau und welche Auswirkungen hat der geplante Börsengang? Eine gemeinsame Dokumentation von NDR und BBC blickt hinter die Kulissen des Internet-Giganten.
Von Nils Kinkel, NDR
[Bildunterschrift: Facebook-Gründer und Studienabbrecher: Zuckerberg. ]
Die Rechnung ist aufgegangen für Marc Zuckerberg. Endlich gibt es für Freundschaften einen Wert - einen Börsenwert: geschätzte 100 Milliarden Dollar. Rund ein Viertel der Anteile gehören dem 27-jährigen Studienabbrecher, der in einem Exklusivinterview des NDR die Geschäftsphilosophie aber nicht nur auf Zahlen reduziert. "Unser Erfolg ist es, wenn wir Menschen helfen, all das von sich preis zu geben, was sie möchten“, so Zuckerberg.
Der Internetpionier hat die bislang größte Unternehmensgeschichte im 21. Jahrhundert geschrieben. Die 17-jährige Franciska kann sich ein Leben ohne Facebook nicht mehr vorstellen: "Ich würde es schon eine kleine Sucht nennen. Es ist schon so, dass ich den Drang habe zu gucken. Wenn ich nicht gucke, dann weiß man nicht richtig, was eigentlich los ist. Dann hat man das Gefühl, oh nein, du verpasst etwas."
Mit diesen Gefühlen verdient der US-Konzern sein Geld und liefert maßgeschneiderte Werbung. Facebook weiß, was Franciska für Hobbys hat, welche Musik sie hört und welche Kleidung ihr gefällt. Ihr macht das wenig aus: "Alles was man jemals geschrieben hat, und auch die ganzen Bilder sind bei Facebook gespeichert. Aber man ist da relaxed, nur wenn man genauer darüber nachdenkt, weiß man, dass man eigentlich schon sein ganzes Leben postet."
Auch die 845 Millionen Nutzer weltweit stört dieser Gedanke offenbar nicht. Sie akzeptieren die Spielregeln, obwohl sie gegen deutsches Recht verstoßen. Thilo Weichert, dem Datenschutzbeauftragten des Landes Schleswig Holstein, bereitet das große Sorgen: "Die Betroffenen zahlen jetzt mit ihren Daten. Diese Daten werden für Werbezwecke genutzt. Und diese Werbung wird dann an Dritte weiterverkauft - und damit verdient Facebook sein Geld."
Wie Facebook die vielen Daten speichert, verknüpft und löscht, das bleibt das große Betriebsgeheimnis. Und auch eine Gefahr für den Börsengang. Staatliche Regulierung kann die Expansion schnell beenden und deshalb macht sich auch Marc Zuckerberg Sorgen: "Unser Ziel ist, das die Leute unser Angebot nutzen. Wir glauben daran, dass sie den zwischenmenschlichen Kontakt haben wollen und all die anderen Anwendungen. So kann unser Unternehmen wachsen. Wenn wir allerdings zu weit vorpreschen oder ihnen Dinge vorschreiben die sie nicht wollen, dann scheitern wir."
Viele Nutzer reagieren inzwischen verstört auf die Befehle von Facebook. Erst die automatische Gesichtserkennung, jetzt die Anweisung das Profil auf eine Timeline umzustellen. In der digitalen Chronik ist Platz für ein Geburtsfoto, ein Piercing oder auch eine schwere Krankheit.
Am Ende kann sich Franziska selber entscheiden, ob sie Facebook mit ihren privaten Daten füttert oder sich wieder abmeldet: "Ich würde Facebook immer behalten, ich muss es dann eben akzeptieren, wie es ist. Aber ich würde Facebook niemals löschen.“
Die Landesrundfunkanstalten der ARD: BR, HR, MDR, NDR, Radio Bremen, RBB, SR, SWR, WDR,
Weitere Einrichtungen und Kooperationen: ARD Digital, ARTE, PHOENIX, 3sat, KI.KA, DLF/ DKultur, DW