Facebook übernimmt WhatsApp | Bildquelle: AP

Ein Jahr nach der Übernahme WhatsApp und Facebook - unabhängig?

Stand: 19.02.2015 12:10 Uhr

Es war ein Mega-Deal: 22 Milliarden Dollar legte Facebook vor einem Jahr für den Kauf von WhatsApp auf den Tisch. Damit sicherte sich der Konzern den führenden Messaging-Dienst. Das Versprechen: Daten werden nicht ausgetauscht. Wie unabhängig ist WhatsApp heute?

Auf den Tag genau jährt sich der Kauf vom Messaging-Dienst WhatsApp durch Facebook zum ersten Mal. Das weltgrößte soziale Netzwerk Facebook kaufte den Rivalen WhatsApp - für unglaubliche 22 Milliarden Euro. Damals sagte Facebook-Chef Mark Zuckerberg: "Unsere Kommunikationsprodukte wie Messenger und Chat werden für die Unterhaltung innerhalb des Facebook-Freundeskreises benutzt und oft für Nachrichten, bei denen es nicht um Echtzeit-Kommunikation geht. WhatsApp und Facebook sind also zwei verschiedene Anwendungsfälle und wir werden nun in beide investieren."

Er versprach außerdem, die Daten der mittlerweile 700 Millionen Nutzer nicht auszuwerten. Schon vor einem Jahr sahen Datenschützer dies skeptisch: Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Johannes Caspar sagte beispielsweise, man könne "wegen des hohen Kaufpreises davon ausgehen, dass eine Kapitalisierung über die personenbezogenen Daten der Nutzer erfolgen muss".

Immer mehr User

Viele User waren ebenfalls skeptisch. Einige wechselten zu Konkurrenten wie Threema, doch der Hype für die Konkurrenz ebbte schnell ab. Und auch für die, die WhatsApp treu geblieben sind, hat sich im vergangenen Jahr kaum etwas geändert. Die Nutzerzahlen von WhatsApp sind sogar weiter gestiegen: 500 Millionen im April 2014, 600 Millionen im August, 700 Millionen im Januar 2015.

Apps von Facebook und WhatsApp auf einem iPhone. | Bildquelle: AFP
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Vor einem Jahr waren viele User entsetzt, als Facebook verkündete, WhatsApp zu übernehmen.

Und die Daten? Bislang gilt das Versprechen, die Daten der beiden Dienste nicht zusammenzuführen. Noch im Januar wiederholte ein Facebook-Manager: "Wir haben keine Pläne, die beiden Dienste zusammenzuführen."

Ende Januar aktualisierte Facebook seine Datenschutzrichtlinien. Das Versprechen, dass die Daten der beiden Dienste getrennt bleiben, findet sich in dem Dokument nicht. Grundsätzlich schreibt Facebook dort nur, dass Daten zwischen verschiedenen Angeboten aus dem Hause Facebook fließen könnten.

Daten für die Werbepartner

Prompt reagieren die Datenschützer: Der Hamburger Datenschutzbeauftragte Caspar vermutet weiterhin, dass Daten künftig "in großem Maßstab" auch zwischen Facebook und WhatsApp ausgetauscht werden könnten. Während Facebook davon lebt, gezielt Daten für Werbepartner zu sammeln, betont WhatsApp jedoch immer wieder, möglichst wenig Daten zu sammeln.

Trotzdem könnten die beiden Dienste voneinander profitieren, auch ohne Nutzerdaten zu verschmelzen, sagt Facebook. Strategien würden abgesprochen, neue Funktionen von Facebook auch bei WhatsApp integriert, so ein Manager.

Das Logo der Smartphone-App Snapchat | Bildquelle: dpa
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Die App "Snapchat" soll 19 Milliarden US-Dollar wert sein.

Ein Jahr nach dem Mega-Deal erscheinen die 22 Milliarden Dollar gar nicht mehr so schockierend. Schaut man beispielsweise auf die Fotoplattform "Snapchat". Mit ihr können User Fotos an Freunde verschicken, die nach wenigen Sekunden wieder gelöscht werden.

Facebook wollte die Plattform 2013 für drei Milliarden Dollar kaufen, doch Snapchat gab Facebook einen Korb. Heute wird Snapchat mit einem Wert von bis zu 19 Milliarden Dollar gehandelt. Diese Summe wollte Facebook ursprünglich für WhatsApp zahlen, bevor der Aktienkurs den Preis auf 22 Milliarden Dollar in die Höhe trieb.

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