Ein Facebook-Logo spiegelt sich auf einem Monitor. | Bildquelle: AFP

Datenmissbrauch Facebook sieht sich selbst als Opfer

Stand: 21.03.2018 18:24 Uhr

Im Datenskandal um Cambridge Analytica steigt der Druck auf Facebook weiter. Obwohl das Unternehmen erklärt, selbst betrogen worden zu sein, reichten Aktionäre wegen des dramatischen Kurseinbruchs Klage ein.

Facebook sieht sich im Datenskandal um die britische Analysefirma Cambridge Analytica selbst als Betrogenen. "Das gesamte Unternehmen ist entsetzt darüber, dass wir hintergangen wurden", teilte Facebook mit.

Das Unternehmen werde alles tun, um seine Richtlinien durchzusetzen und die Informationen der Nutzer zu schützen. Firmenchef Mark Zuckerberg und alle Verantwortlichen seien sich des Ernstes der Lage bewusst.

Mark Zuckerberg | Bildquelle: dpa
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Zuckerberg soll erklären, wie die Datenpanne entstehen konnte.

Börsenkurs sackt ab - Aktionäre klagen

Nach Bekanntwerden des Skandals gab der Kurs der Facebook-Aktie am Montag um sieben Prozent nach, was rund 35 Milliarden Dollar Börsenwert vernichtete. Am Dienstag sackte er erneut um 2,6 Prozent ab. Damit schnitt die Aktie so schlecht ab wie seit zwei Jahren nicht mehr.

Aktionäre reichten daraufhin Klage gegen das soziale Netzwerk ein. Facebook habe "sachlich falsche und irreführende Aussagen" zur Firmenpolitik gemacht, heißt es in der Klageschrift, die bei einem Bundesgericht in San Francisco eingereicht wurde, wie CNN und weitere US-Medien berichteten.

Facebook hätte mitteilen müssen, dass es Dritten Zugriff auf Daten von Millionen Nutzern ohne deren Zustimmung gewährt habe, argumentieren die Kläger. Da das Unternehmen das nicht getan habe, hätten sie große Verluste erlitten.

Den Berichten zufolge reichte der Facebook-Aktionär Fan Yuan die Klage stellvertretend für eine ungenannte Zahl weiterer Investoren ein, die zwischen dem 3. Februar und dem 19. März Facebook-Aktien gekauft hätten. Das Unternehmen wollte sich auf Anfrage von CNN zunächst nicht zu der Klage äußern.

Andere Social-Media-Firmen in den USA schlossen den Handelstag angesichts der Sorge vor neuen Regulierungsgesetzen für die Branche ebenfalls schwächer ab. Die Börsen in Asien reagierten verhalten auf den Datenskandal.

Ermittlungen wegen Verletzung des Datenschutzes

Ärger droht Facebook auch mit der US-Verbraucherschutzbehörde FTC, die nach Informationen der "Washington Post" eine offizielle Untersuchung zu dem Fall eingeleitet hat. Sollte sie eine Verletzung der Datenschutzregeln feststellen, könnte sie hohe Strafen verhängen.

Im Kern geht es demnach bei den Ermittlungen um die Frage, ob das weltgrößte Internetnetzwerk der Datenanalysefirma Cambridge Analytica erlaubt hat, an Nutzerinformationen zu gelangen, obwohl dies gegen die Richtlinien verstoße. 2011 hatte Facebook mit der FTC eine Vereinbarung geschlossen und sich zur Einhaltung bestimmter Datenschutzregeln verpflichtet. Die FTC ermittelte damals wegen einer Änderung der Datenschutz-Regeln im Jahr 2009.

Facebook-Logo
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Der Vorwurf steht im Raum, dass Facebook die Nutzung privater Daten für politische Zwecke nicht unterbunden hat.

Facebook-Nutzer beschweren sich

Cambridge Analytica soll illegal an Daten von bis zu 50 Millionen Facebook-Nutzern gekommen sein. Diese soll das Unternehmen - das US-Präsident Donald Trump im Wahlkampf 2016 unterstützte - genutzt haben, um personalisierter Facebook-Werbung zu schalten und so Wahlentscheidungen zu beeinflussen. Die britische Datenschutzbehörde nahm deswegen Ermittlungen gegen Cambridge Analytica auf. Sie beantragte einen Durchsuchungsbefehl für die Londoner Zentrale.

In einer Petition, die von der Mozilla-Stiftung gestartet wurde, beklagten Tausende Unterzeichner darüber, dass die Daten ohne ihr Wissen oder ihre Zustimmung genutzt worden seien. "Dies war kein Datenleck, niemand hat sich bei Facebook eingehackt oder Passwörter gestohlen", heißt es in der Petition. "Der Grund war, dass Facebook-Apps nicht nur Zugang zu sensiblen Daten von Menschen gestattet hätten, die diese Programme nutzen - sondern auch zu den Daten von deren Freunden."

Zwar habe Facebook inzwischen angekündigt, Schritte zu unternehmen, um den Zugriff von Entwicklern auf detaillierte Freundesdaten einzuschränken, die aktuellen Standardeinstellungen ließen jedoch viele Fragen offen und viele Daten ungeschützt. Facebook müsse mehr tun und seine Nutzer respektieren.

Erstmals äußerte sich auch der britische Wissenschaftler, der die Anwendung "This is Your Digital Life" entwickelt haben soll, die es Cambridge Analytica erst ermöglichte, die Facebook-Daten anzuzapfen. Er sei von Facebook und der Analysefirma zum "Sündenbock" gemacht worden, sagte Aleksandr Kogan. Er sei davon ausgegangen, etwas getan zu haben, das "wirklich normal" ist. Cambridge Analytica habe ihm versichert, dass alles den Bestimmungen entsprochen habe. Etwa 270.000 Menschen hatten die Anwendung laut Facebook runtergeladen, die dann sowohl auf ihre Daten als auch auf die ihrer Freunde Zugriff hatte.

Jörg Schieb, Computerexperte und Fachjournalist, kritisiert die fehlende Datenkontrolle
tagesthemen 22:15 Uhr, 20.03.2018

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Vorladungen in Washington, Brüssel und London

Ranghohe Demokraten im US-Senat wollen Facebook-Chef Mark Zuckerberg vorladen. Er solle dem Justizausschuss der Kammer versichern, dass sich sein Unternehmen um den Schutz der Privatsphäre seiner Kunden kümmert. Sollte Facebook dazu nicht in der Lage sein, müsse wohl der Kongress einschreiten, forderte Senatorin Dianne Feinstein. Ohnehin sei es womöglich an der Zeit, über eine Regulierung von Social-Media-Diensten nachzudenken.

Auch vor dem EU-Parlament soll sich Zuckerberg erklären. EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani schrieb auf Twitter, das Parlament habe Zuckerberg "eingeladen". Der Vorsitzende des britischen Parlamentsausschusses für Digitales und Medien, Damian Collins, forderte ebenfalls Zuckerberg auf, sich Fragen von Abgeordneten zu stellen. Auch das Weiße Haus in Washington erklärte, man begrüße die Untersuchung in dem Fall.

Deutsche Behörden schalten sich ein

Bundesjustizministerin Katarina Barley erklärte, Facebook müsse sich an geltendes Datenschutzrecht halten. Zudem solle das Unternehmen erklären, wie es künftig die Daten seiner Nutzer besser schützen will.

Auch die in Deutschland für Facebook zuständige Hamburger Datenschutzbehörde verlangt Auskunft, ob deutsche Nutzer von solchem Datenmissbrauch bedroht sind.

Digital-Staatsministerin Dorothee Bär warnte Facebook davor, Fehler wie in den USA in Europa zu wiederholen. "Ich kann den Verantwortlichen nur raten, in Europa nicht einen weiteren Konflikt zu schüren", sagte Bär der "Welt". Sie setzte dabei Hoffnungen auf die europäische Datenschutzgrundverordnung, die in zwei Monaten in Kraft treten soll: "Europa hat künftig einen längeren Hebel", sagte sie. Facebook müsse außerdem realisieren, dass "sein wichtigstes Kapital nicht die Werbeeinnahmen sind, sondern das Vertrauen seiner Nutzerinnen und Nutzer".

Wer ist Cambridge Analytica?
Stephanie Pieper, ARD London
21.03.2018 12:31 Uhr

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Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 21. März 2018 um 09:00 Uhr.

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