Zuckerberg auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 | Bildquelle: AP

Entwicklerkonferenz Flirten mit Facebook

Stand: 01.05.2018 21:31 Uhr

Facebook verarbeitet noch den Datenskandal - das war auf der Entwicklerkonferenz zu spüren. Zuckerberg kündigte eine neue Löschfunktion für Nutzerdaten an. Und man will in die Partnersuche einsteigen.

Von Marcus Schuler, ARD-Studio Los Angeles, zzt. San José

Mark Zuckerberg gab sich ganz staatsmännisch. Was früher bei der F8 kein Thema war, stand nun plötzlich im Mittelpunkt: Man habe zu spät erkannt, dass Russland versucht habe, mit gefälschten Konten und Falschnachrichten den US-Wahlkampf zu beeinflussen.

Für Zuckerberg ist es ein schwieriger Spagat: Vor ihm sitzen 5000 Entwickler, die Apps auf der Plattform des sozialen Netzwerks entwickeln. Genau denen hat Facebook nach dem Skandal um Cambridge Analytica den Zufluss an Daten abgedreht. Er wisse, dass die meisten Entwickler nichts Böses im Schilde führten und verantwortungsvoll mit Nutzerdaten umgingen. Für die Entwickler seien die vergangenen Monaten nicht leicht gewesen, sagte Zuckerberg.

Löschen und flirten

Applaus erhielt der 31-Jährige für seine Ankündigung, dass man nun wieder neue Apps für die Plattform zulassen werde. Zuckerberg stellte gleich zu Beginn eine neue Funktion vor, die es in ähnlicher Form in den Web-Browsern gibt. Mit einem neuen "Clear History Button" kann der Nutzer besuchte Seiten und Anzeigen löschen, die man angeklickt hat. Diese Funktion bezieht sich allerdings nur auf Internetseiten, die man außerhalb von Facebook besuchte und die zum Beispiel einen Facebook-Like-Button auf ihrer Website anzeigen.

Zuckerberg auf der Facebook-Entwicklerkonferenz F8 | Bildquelle: dpa
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Mark Zuckerberg bei der hauseigenen Entwicklerkonferenz F8

Die einzig wirkliche Überraschung war, dass Facebook nun auch in die Partnersuche einsteigen will. Mit dieser Ankündigung stößt das Unternehmen in einen Bereich vor, in dem es vorher nicht unterwegs war: Vor allem der Dating-App Tinder, die auch Facebook nutzt, dürfte der neue Dienst große Konkurrenz machen. Die Aktie des Tinder-Mutterunternehmens Match.com zeigte nach der Rede von Zuckerberg nach unten. Mehrmals betonte der Facebook-Gründer, dass man peinlich genau die Privatsphäre seiner Nutzer schützen werde. Das spezielle Dating-Profil werde unter anderem dafür sorgen, dass nur Personen außerhalb des eigenen Facebook-Freundeskreises vorgeschlagen werden.

Neue Funktionen wie Live-Video-Chats spendierte das Unternehmen seiner Foto-App Instagram und seinem Messenger WhatsApp. Außerdem bietet es ab sofort seine angekündigte "Oculus Go"-VR-Brille an. Sie kostet in Europa 219 Euro. Die VR-Brille muss nicht mehr an einen PC angeschlossen werden. Das Gerät hat ein eigenes Display und soll interessierten Nutzer den Einstieg in die VR-Welt ermöglichen.

Zuckerberg zeigt sich überzeugt, dass virtuelle Realität, bei der Nutzer in künstliche digitale Welten eintauchen können, ein großes Potenzial hat. Neben Spielen sieht er Bildung und zum Beispiel den Verkauf von Reisen oder das Immobiliengeschäft als mögliche Anwendungen. Außerdem hofft er, mit Oculus die Kommunikation der Zukunft mitzuprägen.

Hugo Barra, Facebooks Vizechef im Bereich Virtuelle Realität, präsentiert eine "Oculus"-Brille | Bildquelle: REUTERS
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Hugo Barra, Facebooks Vizechef im Bereich Virtuelle Realität, präsentiert eine "Oculus"-Brille

Eine Kündigung trübt die Laune

Für Aufsehen hatte am Vorabend der WhatsApp-Co-Gründer gesorgt. Jan Koum machte via Facebook-Post seine Kündigung öffentlich. Er werde künftig an seinen Porsche-Fahrzeugen zuhause basteln und sich aus dem Unternehmen zurückziehen. Die "Washington Post" berichtete, Koum sei im Zwist gegangen. Als Zuckerberg 2014 die Messenger-App für 22 Milliarden Dollar gekauft hatte, sei Koum versichert worden, er könne WhatsApp autonom weiterführen. In den vergangenen zwei Jahren ist nach Angaben der "Washington Post" der Druck auf Koum gewachsen. So begann Facebook die Telefonnummern seiner Nutzer mit denen von WhatsApp abzugleichen. Angeblich um besser gegen Spam vorzugehen.

Beobachter meinen, dass Koum vor der wichtigsten Unternehmensveranstaltung des Jahres seinen Rückzug ankündigte, sei absichtlich geschehen. WhatsApp-Co Gründer Brian Acton war bereits im Herbst gegangen. Im Zuge des Skandals um Cambridge Analytica hatte er sogar dazu aufgerufen, das Facebook-Konto zu löschen.

Flirten mit Facebook
Marcus Schuler, ARD Los Angeles, zzt. San José
02.05.2018 06:06 Uhr

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Über dieses Thema berichteten MDR aktuell am 01. Mai 2018 um 10:47 Uhr und am 02. Mai 2018 um 10:50 Uhr.

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