Europäische Zentralbank in Frankfurt am Main

Leitzins bleibt auf Rekordtief EZB fährt weiter Null-Kurs

Stand: 27.04.2017 15:10 Uhr

Anders als in den USA gibt es in Europa weiter keine Zinswende: Die Europäische Zentralbank belässt den Leitzins bei null Prozent. Damit befindet sich dieser seit gut einem Jahr auf dem Rekordtief. Ziel ist es weiter, die Inflation zu steigern.

Die Zinsen im Euroraum bleiben im Keller. Noch sieht die Europäische Zentralbank (EZB) keinen Grund, die Geldschleusen allmählich zu schließen. Der Rat der Notenbank hielt den Leitzins im Euroraum bei seiner Sitzung in Frankfurt wie erwartet auf dem Rekordtief von null Prozent. Volkswirte hatten nicht mit einer Änderung gerechnet - auch wegen der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich.

Die EZB hatte den zentralen Zinssatz im März 2016 auf den historisch niedrigen Wert von 0,0 Prozent gesenkt. Die Hüter des Euro pumpen Monat für Monat Milliarden in das Finanzsystem, um Banken dazu zu bewegen, statt in Anleihen stärker in Kredite an Firmen und Haushalte zu investieren und so die Inflation und auch die Konjunktur zu steigern. Der sogenannte Einlagensatz steht derzeit sogar bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht Geld bei der Notenbank parken.

Nachdem die Inflation in der Eurozone im Februar den höchsten Stand seit vier Jahren erreicht hatte, war die EZB unter Druck geraten, von ihrer Politik abzurücken. Im März ließen günstige Verbraucherpreise die Teuerungsrate aber wieder sinken.

Kein Kurswechsel in Sicht

Die Zentralbanker wollen an den historisch niedrigen Schlüsselzinsen noch länger festhalten. EZB-Präsident Mario Draghi sagte, zwar signalisierten die jüngsten Daten, dass die konjunkturelle Erholung zusehends solider werde: "Die Abwärtsrisiken sind gesunken." Dennoch sei weiterhin "ein sehr substanzieller Grad" an Konjunkturunterstützung nötig. Insbesondere bedürfe es sehr günstiger Finanzierungsbedingungen, um die Inflation in Richtung des Ziels von knapp zwei Prozent zu treiben.

Die EZB bekräftigte zudem, dass die in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe noch bis mindestens Ende 2017 fortgesetzt werden. Ab diesem April soll das monatliche Volumen auf 60 Milliarden Euro sinken. Sollten sich die wirtschaftlichen Aussichten verschlechtern, sei die EZB aber bereit, die Transaktionen hinsichtlich Umfang und/oder Dauer auszuweiten.

Über dieses Thema berichteten am 27. April 2017 NDR Info um 11:41 Uhr in der Wirtschaft sowie um 14:15 Uhr in den Nachrichten und tagesschau24 um 15:30 Uhr in der Wirtschaft.

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