Demonstranten in Athen | Bildquelle: REUTERS

Eurogruppe zu Griechenland Wenig Hoffnung trotz weiterer Kredite

Stand: 15.06.2017 06:22 Uhr

Die Eurogruppe will bei ihrer Sitzung in Luxemburg weitere Milliardenzahlungen an Griechenland freigeben. Bundesfinanzminister Schäuble glaubt an einen Kompromiss. Doch die meisten Griechen haben wenig Hoffnung, dass sich ihre Lage bald bessert.

Von Michael Lehmann, ARD-Studio Istanbul, zzt. Athen

"Warum zögert Europa so lange mit seiner Hilfe, wo wir doch seit langem brav sparen?" - das fragen sich viele Griechen derzeit. Sie können nicht verstehen, warum sie beim Reformprogramm ihres Landes seit Jahren die Zähne zusammenbeißen müssen, die Eurogruppe aber erst nach vielen Sitzungen neue Hilfsgelder bewilligt und auch das nur wahrscheinlich. "Ich glaube der Regierung nichts mehr", sagt Maria, eine ältere Athenerin, "ich habe keine Hoffnung, weil sie nichts bringen außer Lügen. Die Politik kann uns schon lange nicht mehr helfen, wir müssen selbst schauen, wo wir bleiben."

Euro-Finanzminister beraten über Hilfskredite für Griechenland
tagesschau 20:00 Uhr, 15.06.2017, Markus Preiß, ARD Brüssel, zzt. Luxemburg

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Ich-AG in Notzeiten

Das ist vor allem für junge Griechen zum traurigen Lebensmotto geworden. Valia, eine gut ausgebildete Architektin, vertreibt sich in ihrem kleinen Laden im Athener Stadtteil Pangrati mehr recht als schlecht die Zeit. Um nicht wie 50 Prozent aller jungen Griechen arbeitslos zu sein, verkauft sie selbstgemachte Kleidung oder Geschenkartikel. Ihre Mutter ist Geschäftspartnern ohne festen Lohn - eine Ich-AG in Notzeiten.

Valia lächelt trotzdem: "Wenn Du Deine Rechnungen bezahlen willst, und nichts mit Schwarzgeld vorhast und auch keine dunklen Geschäfte willst, dann ist es im Moment ein Albtraum für alle, die normal arbeiten." Denn niemand habe richtig Geld, um es auszugeben für irgendetwas anderes als Essen - nur Essen sei lebenswichtig, klagt sie.

Eine Frau sucht nach Lebensmitteln im Müll | Bildquelle: AFP
galerie

Viele Griechen sind durch die Sparmaßnahmen in die Armut abgerutscht. Hier sucht eine ältere Frau zwischen Abfällen nach Lebensmitteln.

"Gerade sind wir ein Nichts"

Besonders drastisch von der Hand in den Mund lebt Dimitris, ein Straßenkünstler, der an der Kreuzung vor der nur halbfertig gebauten neuen Nationalgalerie bei roten Ampeln vor die Autos springt und in Sekundenschnelle eine perfekte Jongliershow mitten im Abgasdunst liefert. "Das ist eine europäische Frage, die ihr Deutschen eigentlich besser beantworten könnt. Früher ging es uns mal besser, jetzt gerade sind wir eigentlich ein Nichts."

Warum sie nun schon im achten Krisenjahr leben müssen, kann ihnen auch ihr Regierungschef nicht erklären. Alexis Tsipras muss es auch in diesen Tagen bei der immer gleichen Forderung an die Geldgeber belassen: "Jetzt sind unsere Kreditgeber und Partner an der Reihe, alles zu tun, was sie tun können. Wir haben ein Anrecht auf die Unterstützung, so ist das in unserem Schuldenabkommen festgehalten. Niemand kann uns verwehren, dass wir wieder aus eigener Kraft lebensfähig sein wollen."

Es fehlt die Hoffnung

Auch wenn viele Griechen spüren, dass Europa sie nicht allein lassen will in Zeiten von Brexit und wackeligen Beziehungen zur Türkei: Es fehlt die Hoffnung, dass in Griechenland aus dem schwachen Wirtschaftswachstum wirklich bald mehr werden könnte. Zwar boomt der Tourismus, auch die Transportbranche atmet auf, und in der Landwirtschaft wird angepackt - aber damit allein ist der Staatshaushalt nicht zu sanieren. Valia, die Architektin, besinnt sich auf das, was viele junge Griechen zu bieten haben: Eine hervorragende Ausbildung und ein starkes Selbstvertrauen.

Griechenland wartet auf Entscheidung der Eurogruppe
M. Lehmann, SWR, zzt. Athen
15.06.2017 08:40 Uhr

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Über dieses Thema berichtete am 15. Juni 2017 Deutschlandfunk Kultur um 06:15 Uhr und die tagesschau um 06:30 Uhr.

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