EU-Gipfel: Schulz droht Veto gegen Etatplan an
EU-Haushaltsgipfel ringt um Kompromiss
Schulz droht Veto gegen Etatplan an
Bevor die Details des Brüsseler Haushaltsgipfels überhaupt geklärt sind, droht der Kompromiss zu scheitern: EU-Parlamentspräsident Martin Schulz kündigte ein Veto gegen den Vorschlag von Ratspräsident Herman Van Rompuy an.
Von den nun vorgesehenen Ausgaben in Höhe von 960 Milliarden Euro sollten nur 908 Milliarden Euro an konkreten Geldern zur Verfügung gestellt werden, sagte Schulz im ZDF-Morgenmagazin. Dies bedeute ein 52-Milliarden-Euro-Defizit. "Verantwortungsvolle Parlamentarier" würden diese "Defizit-Union" nicht mittragen. Und er fügte hinzu: Wenn ein Parlament einen Haushalt zurückweist, dann ist er abgelehnt. "Wir beschließen gerade ein Defizit, und das ist juristisch in Brüssel verboten." Das sei keine seriöse Politik, meinte Schulz.
Ein Kompromiss, der lange auf sich warten ließ
Die 27 Staats- und Regierungschefs hatten die ganze Nacht in kleinen und großen Gesprächsrunden um einen Kompromiss für den Finanzrahmen der kommenden sieben Jahre gerungen. Erst in den frühen Morgenstunden legte Van Rompuy dann seinen Vorschlag vor - geplant hatte er das schon am Abend zuvor. Die sogenannten Verpflichtungsermächtigungen liegen demnach bei 960 Milliarden Euro. Das sind rund 12 Milliarden weniger, als beim gescheiterten ersten Haushaltsgipfel im November diskutiert worden waren. Verpflichtungsermächtigungen sind über mehrere Jahre laufende Zahlungsversprechen. Für tatsächliche Auszahlungen sieht das Papier rund 908 Milliarden Euro vor.
Marion von Haaren (ARD) zum aktuellen Stand des EU-Haushaltsgipfels
tagesschau24 10:15 Uhr, 08.02.2013
Unklar ist noch, wie und vom wem die Haushaltstöpfe genau gefüllt werden. Nach Angaben von ARD-Korrespondentin Marion von Haaren werden bis auf Italien alle bisherigen Nettozahler zur Kasse gebeten. Deutschland würde jährlich 1,2 bis 1,3 Milliarden Euro mehr bezahlen.
Ein neuer Anlauf wäre möglich
Ein erster Anlauf, den EU-Finanzrahmen von 2014 bis 2020 zu vereinbaren, war im November gescheitert. Strittig waren dabei neben der Gesamthöhe auch die Verwendung des Geldes zwischen den verschiedenen Etatposten wie Landwirtschaft oder Forschung sowie eine faire Lastenverteilung unter den Nettozahlerländern.
Wenn der Kompromiss vom Parlament kassiert wird, haben die EU-Staaten noch bis zum Jahresende Zeit, einen neuen Finanzplan aufzustellen. Aber je später eine Einigung kommt, desto unwahrscheinlicher ist es, dass die Beschlüsse im Haushalt 2014 - dem ersten des neuen Finanzrahmens - berücksichtigt werden können.
Stand: 08.02.2013 09:46 Uhr
