Prototypen von Erdkabeln | Bildquelle: dpa

Der Preis der Energiewende Kabinett beschließt teure Erdverkabelung

Stand: 07.10.2015 14:30 Uhr

Der Ausbau der Energienetze in Deutschland wird deutlich teurer als bislang geplant. Aus Rücksicht auf Bürgerproteste hat das Bundeskabinett der kostenintensiven Erdverkabelung zugestimmt. Experten rechnen mit bis zu acht Milliarden Euro Mehrkosten.

Der Kompromiss war notwendig, weil sich gegen die oberirdische Trassenführung vom Norden in den Süden der Republik massiver Widerstand in verschiedenen Kommunen gebildet hatte . Zahlreiche Bürgerinitiativen protestierten gegen die Errichtung von Stromautobahnen, den sogenannten Monstertrassen. Der jetzt im Kabinett beschlossene Kompromiss kommt auch auf Druck der bayerischen Landesregierung zustande.

Bundeskabinett beschließt Stromtransport in Erdkabeln
tagesschau 12:00 Uhr, 07.10.2015, Karin Dohr, ARD Berlin

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Privatkunden und Industrie müssen zahlen

Damit erhalten Erdkabel Vorrang beim bislang umstrittenen Ausbau der großen Energietrassen. Wie das Bundeswirtschaftsministerium mitteilte, dürften die zusätzlichen Kosten für die Erdverkabelung geschätzt zwischen drei und acht Milliarden Euro liegen. Das müssen die Privatkunden, aber auch die Industrie über höhere Netzentgelte bezahlen. 

Kosteneinsparung durch raschen Leitungsausbau

Umgekehrt dürfte aber auch viel Geld eingespart werden, wenn durch einen raschen Leitungsausbau künftig Engpässe im Stromnetz beseitigt werden. Denn um das Netz bei schwankendem Wind- und Sonnenstrom stabil zu halten, werden für diese Eingriffe (Redispatch) derzeit hohe Ausgaben fällig. Der Netzbetreiber 50Hertz geht für das laufende Jahr bundesweit von 500 Millionen Euro aus.

Einigung der Koalitionsspitzen

Anfang Juli hatten sich CDU-Chefin Angela Merkel, Bundeswirtschaftsminister Gabriel und der CSU-Vorsitzende Horst Seehofer nach monatelangem Streit um neue Überland-Trassen beim Ausbau der Stromnetze geeinigt. Um Bayerns Ministerpräsident Seehofer entgegenzukommen, sollen nun bei den großen neuen Nord-Süd-Stromautobahnen bereits bestehende Trassen mehr genutzt sowie vorrangig Erdkabel verlegt werden. Mit dem heutigen Kabinettsbeschluss ist ein weiterer Teil der Energiewende auf den Weg gebracht, der durch die Abschaltung zahlreicher Atomkraftwerke notwendig geworden war.

Seehofer verteidigt Beschlüsse

Der bayerische Ministerpräsident Seehofer verteidigte in einer ersten Stellungnahme die Beschlüsse, die er für "epochal" hält. Die Energieversorgung bleibe gesichert, so Seehofer, "aber weder die Menschen noch die Natur sind belastet". Die zusätzlichen Kosten hält er für verkraftbar und sprach von einem Aufschlag von 0,1 Cent pro Kilowattstunde. "Das sollten uns die Menschen und die Natur wert sein.", so Seehofer.

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