Zentrale von E.ON Ruhrgas in Essen | Bildquelle: dpa

Energiekonzern verkündet Neuausrichtung E.ON bald ohne Kohle- und Atomstrom

Stand: 01.12.2014 08:38 Uhr

Der hoch verschuldete Energiekonzern E.ON trennt sich von dem Bereich, der einmal die Keimzelle des Unternehmens war: Das bisherige Kerngeschäft mit konventioneller Energieerzeugung aus Kohle, Öl, Gas und Atomkraft soll abgegeben werden. Diese Geschäftsfelder werden abgespalten und in eine neue eigenständige Gesellschaft überführt. Dann sollten sie über einen Börsengang an die Aktionäre übertragen werden, heißt es in einer Pressemitteilung. Die verbleibenden Minderheitsanteile würden mittelfristig über die Börse verkauft werden.

Die neue Strategie solle aber "kein Programm zum Abbau von Arbeitsplätzen" sein, sagte der Vorstandsvorsitzende Johannes Teyssen. Die Details sollen am Vormittag in einer Pressekonferenz erläutert werden.

Neue Gesellschaft soll in NRW bleiben

Sämtliche Kapitalmarktverbindlichkeiten des bisherigen Konzerns verbleiben bei E.ON. Dadurch und durch eine "solide Finanzausstattung" der neuen Gesellschaft werde diese finanziell sehr robust sein, hieß es. Auch ein Großteil der Beschäftigten wird künftig für die neue Gesellschaft arbeiten, die ihren Sitz in NRW erhalten soll. Die Grundlagen für die Börsennotierung des neuen Unternehmens sollen im kommenden Jahr geschaffen werden. Nach der Zustimmung der Hauptversammlung soll die Abspaltung dann im Geschäftsjahr 2016 durchgeführt werden.

Ein Grund für die Neuausrichtung dürfte der Preisverfall bei den Großhandelspreisen für konventionellen Strom sein. Diese sind wegen der Überkapazitäten an Kraftwerken und dem Ausbau des Ökostroms allein seit Anfang 2013 um mehr als ein Viertel gefallen. "Das bisherige breite Geschäftsmodell von E.ON wird den neuen Herausforderungen nicht mehr gerecht", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen.

E.ON-Vorstandschef Johannes Teyssen | Bildquelle: picture alliance / dpa
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E.ON-Chef Johannes Teyssen versprach, es sollten kein Arbeitsplätze abgebaut werden.

Konzentration auf erneuerbare Energien

Stattdessen wolle sich das Unternehmen auf erneuerbare Energien, Energienetze und Kundenlösungen konzentrieren, hieß es in der Mitteilung. Dies habe der Aufsichtsrat beschlossen. "Die drastischen Veränderungen der globalen Energiemärkte, technische Innovationen und wachsende, individuellere Kundenerwartungen erfordern einen mutigen Neuanfang", so Aufsichtsratschef Wenning.

E.ON ist neben RWE, EnBW und Vattenfall eines der größten Energieunternehmen des Landes. Derzeit erzeugt der Konzern an mehr als 15 Standorten Strom aus konventionellen Energieträgern. Das Dax-gelistete Unternehmen hat etwa 60.000 Mitarbeiter und erzielte einen Umsatz von 122 Milliarden Euro. Zuletzt musste E.ON unter anderem wegen schlechter Geschäfte in Südeuropa rund 4,5 Milliarden Euro abschreiben. Es wird erwartet, dass E.ON das Geschäftsjahr mit roten zahlen abschließt.

Im Zuge des Atomausstiegs, den die Bundesregierung 2011 beschlossen hatte, fordert E.ON Schadensersatz in Höhe von 380 Millionen Euro.

E.ON plant Aufspaltung des Konzerns
J. Döschner, WDR
01.12.2014 08:34 Uhr

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