e.on-Säule vor einem Kernkraftwerk | Bildquelle: picture alliance / dpa

Energiekonzern spaltet sich auf Uniper erbt E.ONs Altlasten

Stand: 27.04.2015 21:08 Uhr

Altes Geschäft - neuer Name: Uniper soll künftig der Teil von E.ON heißen, in dem die konventionelle Stromerzeugung des Energiekonzerns zusammengefasst wird. Der grüne Rest von E.ON soll umziehen - zurück ins Ruhrgebiet.

Von Jörg Marksteiner, WDR

Es ist eine Art Kernspaltung im eigenen Haus. Kein anderer Energieversorger reagiert  auf die Folgen der Energiewende so radikal wie E.ON: Deutschlands größter Energieversorger zerschlägt sich quasi selbst: in eine grüne Zukunfts-E.ON mit Ökostrom, kleinteiligen Kundenlösungen und Stromnetzen auf der einen Seite und den unter Gewinneinbrüchen leidenden Kohle, Gas und Atomkraftwerken auf der anderen. Kurz: in eine neue und eine alte Energiewelt.

Beide Welten hätten sich bereits so weit voneinander entfernt, dass sie "jeweils eigentständige unternehmerische Ansätze erfordern", begründete E.ON-Chef Johannes Teyssen die Aufspaltung. Das sei "wie Fußball und Handball: Es dreht sich alles um den Ball. Aber nicht einmal Bayern München hätte in der Handball-Bundesliga eine Chance."

Zentrale zieht ins Ruhrgebiet

Für Teyssen heißt es bald umziehen: von der bisherigen Zentrale in Düsseldorf nach Essen. Denn dort wird die neue, grüne E.ON mit ihren 40.000 Mitarbeitern ihren Sitz haben, die von dem 55-Jährigen geleitet wird.

Am bisherigen Eon-Hauptquartier in Düsseldorf wird dagegen ab dem kommenden Jahr an den Gebäuden ein neuer Name prangen: "Uniper" - so heißt die neue Kraftwerksparte. Uniper, das ist ein Kunstwort, vorgeschlagen von einem Mitarbeiter und ausgewählt unter 3000 Vorschlägen. Es stehe für "Unique Performance", also einzigartige Leistungsfähigkeit, teilte E.ON nach einer Aufsichtsratssitzung mit.

Eon-Gebäude in Essen | Bildquelle: AFP
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In Essen arbeiten bereits 2000 E.ON-Mitarbeiter - bald werden es deutlich mehr.

Von On ins Off?

Intern hatten Mitarbeiter allerdings auch deutlich abschätziger von E.OFF gesprochen. Geleitet wird die 20.000 Beschäftigten starke Sparte vom bisherigen Finanzchef Klaus Schäfer. Und: Es soll keine Kündigungen oder Arbeitsplatzabbau durch diesen strategischen Schritt geben, hatte Noch-Gesamt-E.ON-Chef Teyssen erst vor wenigen Wochen betont.

Bei E.ON läuft bereits ein Personal-Abbau-Programm: 1500 Mitarbeiter müssen in diesem Jahr gehen; zusätzlich zu den anderen 10.500, deren Stellen seit 2011 schon gestrichen wurden. Mindestens 100 Millionen Euro kostet die Aufspaltung. Kosten, die wegen des Wettbewerbs natürlich nicht auf die Strompreise umgelegt würden.

Ganz solide Unternehmen?

Die jetzt anstehende Aufspaltung sehen nicht alle positiv. Kritiker hatten E.ON vorgeworfen, der Konzern wolle sich mit der Aufteilung möglicherweise auch aus der Verantwortung und der Haftung stehlen, etwa für die milliardenschweren Kosten durch Rückbau der Atomkraftwerke. Das sei Unsinn, findet Teyssen. Die abgetrennte Sparte sei keine Resterampe und auch keine Bad Bank. Die hätten schließlich keine solide Bilanz und würden nur Verluste ansammeln. "Das ist alles hier nicht der Fall, sondern das sind solide finanzierte Unternehmen."

Die Kraftwerkssparte starte komplett schuldenfrei und erhalte auch die kompletten Atomrückstellungen des Konzerns in Höhe von rund 14,5 Milliarden Euro. Anfang 2016 soll Uniper die Arbeit aufnehmen. E.ON wird seinen Anteil später mehrheitlich über die Börse verkaufen. Unklar ist aber noch, was mit der Adresse der künftigen Uniper-Zentrale im bisherigen E.ON-Hauptquartier passiert: Denn das Gebäude steht ausgerechnet am Eon-Platz Nr.1

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