Energy Drinks erobern den afghanischen Markt

Energy Drinks finden reißenden Absatz

"Flüssig-Viagra" erobert Afghanistan

"Lass die Bestie in Dir frei" - mit solch markigen Botschaften werben die Hersteller von Energy Drinks in Afghanistan um Kunden. Die Verkaufszahlen steigen stetig. Zum Erfolg der Getränke tragen Gerüchte über deren angeblich potenzsteigernde Wirkung bei. Auch die Taliban greifen zu.

Von Kai Küstner, ARD-Hörfunkstudio Neu-Delhi

Werbetafel für Energy Drinks in Kabul
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Die Hersteller von Energy Drinks werben in Afghanistan großflächig um die Gunst der Kunden.

"Feel the Power!" - fühl die Kraft! Fast könnte man meinen, die Erfinder der Werbesprüche hätten unter dem Einfluss diverser Liter der von ihnen angepriesenen Energy-Drinks gestanden. So markig und kraftstrotzend kommen sie daher. Aber die Slogans scheinen zu wirken.

Die Nachfrage - gerade von Jugendlichen, von Studenten und Sportlern - steige praktisch mit jedem Tag, berichtet stolz der Vermarkter Ghulan Nikbeen, der in Kabul den Bekanntheitsgrad von "Big Bear" zu steigern versucht. So heißt der Wachmacher einer Firma, die in Deutschland, in Köln, angesiedelt ist. Deren "Großer Bär" kämpft derzeit wie wild mit gut einem Dutzend anderer Anbieter um die Gunst der Afghanen.

Afghanistan im Koffeinrausch
K. Küstner, ARD Neu-Delhi
30.11.2012 15:13 Uhr

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Bedenken der Muslime ausgeräumt

Ortswechsel: Ein Turnier der in Afghanistan sehr beliebten Kampfsportart Taekwondo, mitten in Kabul. Der Hauptsponsor ist ein Energie-Getränke-Hersteller. Wer Kraft braucht, öffnet unsere Dosen, so die Botschaft. Wobei der Siegeszug des Flüssig-Kraftstoffs um ein Haar jäh gestoppt worden wäre. Im gefährlichen Kandahar, wo sonst.

"Als wir 'Big Bear' in Kandahar vor zwei Jahren einführten, beschwerten sich die Leute, dass das Getränk unislamisch sei", erzählt Nikbeen. Allen Ernstes dachten die Afghanen dort, in der Dose mit der Aufschrift "Big Bear" befinde sich Bären-Extrakt. Und das große braune Pelztier zu verspeisen, sei nun mal für einen Muslim "haram", nicht erlaubt, meinten die Menschen.

Die Getränke-Firma informierte dann die Bewohner Kandahars darüber, dass die Flüssigkeit keineswegs vom Bären stamme, sie aber einen Menschen sehr wohl so stark mache wie einen Bären. Jetzt ist Kandahar zu einem der wichtigsten Märkte geworden.

Auch Taliban lieben die Energy Drinks

Auch die Taliban scheinen keine Einwände zu haben, wie einer der Kommandeure der Aufständischen per Telefon auf Nachfrage bestätigte. "Wir selber trinken oft Energy-Drinks wie 'Carabao', 'Effect' oder andere, deren Namen ich jetzt vergessen habe", sagte Mullah Wali. Die seien doch sehr gut, wenn man Durst habe. Also gebe es auch keinen Anlass von Taliban-Seite, den Verkauf in irgendeiner Weise zu stoppen. "Meiner Meinung nach lässt der Islam die Getränke zu", sagt Mullah Wali. "Da ist ja kein Alkohol drin. Und unsere Feinde haben auch keinen Vorteil davon, wenn wir sie trinken."

"Red Bull", "Big Bear", "Shark" und so weiter - es sind vor allem die wilden und starken Vertreter aus dem Tierreich, die bei der Namensgebung Pate standen. Es sei doch verständlich, dass ein Land, das nach drei Jahrzehnten Krieg ermüdet sei, nach Energie, nach Kraft geradezu lechze, so drückt es ein Afghane aus. Und dieser Student aus Kundus gibt zu: "Meine Klassenkameraden und ich sind von dem vielen Lernen oft müde, wir brauchen die Energie-Drinks nach dem Unterricht."

Werbetafel für Energy Drinks in Kabul
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Mit Slogans wie "Bring out the Beast" - "Lass die Bestie in Dir frei" bedienen die Hersteller auch den Ruf der Getränke als Flüssig-Viagra.

"Lass die Bestie in Dir frei"

Ein Einwohner Kabuls verrät: In Afghanistan herrsche der Glaube vor, mit Hilfe der klebrig-süßlichen Koffein-Hammer würden Männer im Bett zu Höchstform auflaufen. Diese Gerüchte, es handle sich im Grunde um Flüssig-Viagra, versuchen die Hersteller mit ihren Werbebotschaften auch nicht gerade zu zerstreuen: "Bring out the Beast" - "Lass die Bestie in Dir frei", lautet eine davon.

Dieser Beitrag lief am 29. November 2012 um 22:55 Uhr bei Deutschlandradio Kultur.

Stand: 30.11.2012 16:26 Uhr

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