Energiewende: Ausbau der Windparks geht die Puste aus

Umsetzung der Energiewende

Windanlagen kommen nicht in Schwung

Die Energiewende zählt - neben der Euro-Rettung - zu den zentralen Projekten der Bundesregierung. Zentraler Pfeiler der Energiewende ist der Ausbau der Offshore-Windenergie. Doch die Windanlagen kommen nur langsam in Schwung: Es hakt bei Finanzierung, Netzausbau und Haftungsfragen. Heute treffen sich Wirtschaftsminister Rösler, Vertreter der norddeutschen Bundesländer und Netzbetreiber erneut zu Beratungen.

Von Sylvie Ahrens, HR, ARD-Hauptstadtstudio Berlin

Wenn es vor Deutschlands Küsten ordentlich weht, dann dürfte das Bürger und Politik freuen. Denn die Windkraft soll einen entscheidenden Beitrag zur Energiewende leisten. Doch der Ausbau der Offshore-Anlagen, also der Windräder, die weit draußen im Meer stehen, kommt nicht recht voran. Verkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) ist trotzdem zuversichtlich: "Wir haben uns zum Ziel gesetzt, bis zum Jahr 2030 bei der Offshore-Windenergie eine elektrische Leistung von rund 30.000 Megawatt zu installieren. Nach dem heute vorliegenden Antragszahlen dürfte es ohne große Probleme möglich sein."

In Ramsauers Bereich fallen die Genehmigungen für die Offshore-Anlagen. Dem Bau von 28 Windparks wurde bisher zugestimmt, aber nur zwei liefern überhaupt Strom. Das liegt zum einen an technischen Schwierigkeiten, zum anderen an den Vorschriften. Bisher mussten Kabel verlegt werden, jedes Mal wenn ein Windpark zugelassen wurde. Der Bau kommt dabei aber nicht hinterher.

Energiewende-Treffen zum Thema Offshore
Sylvie Ahrens, ARD Berlin
08.08.2012 00:02 Uhr

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Wer bezahlt die teuren Kabel?

Umweltminister Peter Altmaier (CDU) macht sich deshalb für einen Paradigmenwechsel stark: In einem verbindlichen "Offshore-Netz-Plan" sollen Prioritäten festgelegt werden. "Dann wird verbindlich entschieden, wo die Kabel installiert werden und dann werden sich die Windparks im Bereich dieser Kabel ansiedeln. Das heißt, wir schaffen damit die gleiche Kapazität an Offshore-Windparks, aber wir benötigen weniger Übertragungskapazitäten."

Wer die teuren Kabel bezahlen soll, ist noch offen. Die Netzbetreiber scheuen die Kosten. Ein Vorschlag ist, eine Netzgesellschaft zu gründen, an der sich auch der Bund beteiligt. Wirtschaftsminister Philipp Rösler (FDP) will Großinvestoren gewinnen. "Wir haben natürlich ein Interesse daran, dass diese neuen Netze auch gebaut und finanziert werden. Wir reden über Größenordnungen von 20, 30 vielleicht sogar 40 Milliarden Euro. Gut wäre, wenn man auf europäischer Ebene die Möglichkeit dafür schaffen könnte, dass auch solche Anleger künftig in Energieinfrastruktur, in Netze investieren können."

Oliver Mayer-Rüth (ARD) zu offenen Haftungsfragen
tagesschau24 12:30 Uhr, 08.08.2012

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Ungeklärte Haftungsfrage schreckt Investoren ab

Bleibt die Frage der Haftung. Wer steht dafür gerade, wenn ein Windpark längere Zeit nicht am Netz ist? Weil die Rechtslage unklar erscheint, halten sich Investoren zurück. Gerade erst hat RWE den Bau einer Offshore-Anlage in der Nordsee verschoben.

Umwelt- und Wirtschaftsministerium wollen künftig die Netzbetreiber stärker in die Pflicht nehmen. Die könnten das auf die Verbraucher umlegen. Trotzdem soll Strom nicht viel teurer werden. "Ich habe nie gesagt, dass die Preise nicht steigen. Das hat auch niemand anderes gesagt. Aber ich möchte, dass sie so wenig steigen wie möglich. Das ist mein Ziel", unterstreicht Umweltminister Altmaier.

Dass sich die zuständigen Ministerien, die betroffenen Bundesländer und die Netzbetreiber sehr bald einigen, ist eher unwahrscheinlich.

Stand: 08.08.2012 03:34 Uhr

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