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Gipfel im Kanzleramt
Der lange Weg zu einer Million Elektroautos
Trotz des schleppenden Absatzes glaubt die Bundesregierung weiterhin an eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen im Jahr 2020. Nach dem Spitzengespräch mit Vertretern aus Politik und Industrie räumte Kanzlerin Merkel allerdings ein, dass es bis dahin "ein langer Marsch" sei. Wirtschaftsminister Rösler spricht sich gegen Kaufprämien aus.
Von Anja Günther, NDR, ARD-Hauptstadtstudio
Dem großen Wirbel um Elektroautos folgt nun das Tal der Tränen. So beschreibt es die Bundesregierung. Und dass das so ist, hält Bundeskanzlerin Angela Merkel für gar nicht so ungewöhnlich. Der Elektroautomarkt sei nun mal dynamisch und Deutschland hier zum weltweiten Vorreiter zu machen, eine große Herausforderung.
"Das Ziel, eine Million Autos im Jahre 2020 auf den Straßen zu haben, wird man nicht ganz einfach erreichen. Auf der anderen Seite waren wir uns darüber einig, dass es auch falsch ist, jetzt die Ziele aufzugeben, weil wir in anderen technischen Bereichen auch gesehen haben, dass sich die Dinge oft sehr sprunghaft entwickeln, dass das nicht unbedingt kontinuierlich sein muss", erklärte die Kanzlerin nach dem Gipfel zur Elektromobilität.
Regierung hält am Ziel von 1. Million Elektroautos bis 2020 fest
tagesschau 20:00 Uhr, 01.10.2012, Matthias Deiß, ARD Berlin
Kagermann: Kräfte bündeln ohne Seitenstiche
Merkel und die beiden Bundesminister Rösler und Ramsauer waren sich nach dem Treffen mit Vertretern aus Industrie, Verbänden und Wissenschaft einig: Um die ehrgeizigen Ziele zu erreichen, müssen alle Kräfte gebündelt werden.
Henning Kagermann, Leiter der nationalen Plattform Elektromobilität, will da nicht schwarz malen: "Wir haben immer gesagt: Das ist ein Marathon, und wir wissen das, und wir sind angetreten, den erfolgreich zu beenden. Man sollte nicht anfangen, schon nach den ersten 100 Metern über Seitenstiche zu klagen. Die haben wir nicht, und wir werden das durchhalten", betonte Kagermann.
2012 nur 4500 Elektroautos in Deutschland
Zum Jahresanfang waren in Deutschland etwa 4500 Elektroautos zugelassen. Dass es 2020 eine Million sein werden, glaubt kaum noch jemand. Die Automobilbranche peilt mal vorsichtig 600.000 zugelassene E-Autos an. Damit diese Marke erreicht wird, will die Bundesregierung in Forschung und Entwicklung gut eine Milliarde Euro investieren und für potenzielle Käufer Anreize schaffen.
Angela Merkel verweist auf zwei Beschlüsse des Kabinetts: "Die entsprechenden Gesetze liegen jetzt im Deutschen Bundestag und werden dort beraten, einmal bezüglich der Befreiung von der Kfz-Steuer für Elektromobile und die Andersbehandlung bei der Dienstwagenbesteuerung", gab sich Merkel optimistisch.
Christoph Stürmer (IHS) zu den Plänen der Bundesregierung
tagesschau24 15:30 Uhr, 01.10.2012
Rösler: Statt Kaufprämien mehr Forschung
Von staatlichen Kaufprämien für Elektroautos hält die Bundesregierung bisher nichts. Wirtschaftsminister Philipp Rösler begründet, warum:
"Solch eine Marktausgestaltung, die kann man sich nicht einfach kaufen, durch eine Kaufprämie, sondern da muss man hart daran, und genau das haben wir uns vorgenommen, im Bereich Forschung und Entwicklung. Die Produktionskapazitäten müssen da sein, und ebenso brauchen wir dazu die Ausbildungskapazität, und das ist der deutlich bessere Weg, als kurzfristig eine Prämie anzukündigen, aber am Ende doch ohne Markt dazustehen."
Dass das Elektroauto noch kein Verkaufsschlager ist, liegt vor allem an der Batterie: Sie hat eine zu geringe Reichweite, ist zu teuer und zu schwer, und es dauert zu lange, sie aufzuladen. Deshalb setzen Politik und Wirtschaft nun vor allem auf die Batterie-Weiterentwicklung. Allein das Bundesforschungsministerium stellt dafür 130 Millionen Euro zur Verfügung. Die Industrie hat für die Weiterentwicklung der E-Autos bis 2014 insgesamt Investitionen in Höhe von 17 Milliarden Euro versprochen.
Stand: 01.10.2012 15:55 Uhr
