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Bis 2020 prognostizierte die Bundesregierung eine Million Elektroautos auf deutschen Straßen. Dieses Ziel wird wohl verfehlt. Doch die Zukunft gehört der Elektromobilität, sagen Technologie-Experten. Schon in 50 Jahren könnte jeder ein E-Auto in der Garage haben. Doch noch gibt es Schwachstellen.
Von Axel Weiß, SWR-Umweltredaktion
Auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt am Main ist ein Zehntel der Ausstellungsfläche dieses Jahr der Elektromobilität gewidmet. Viele nahezu geräuschlose Hybrid- und Elektroautos prägen auch das Bild auf den Teststrecken der IAA.
Das Ende der Verbrennungsmotoren ist damit freilich noch nicht wirklich in Sicht. Bis tatsächlich neunzig Prozent aller Fahrzeuge nicht mehr mit herkömmlichem Treibstoff wie Benzin sondern mit elektrischer Energie angetrieben werden, wird es wohl noch einige Jahrzehnte dauern. "Wir reden hier über eine Entwicklungszeit von 50 Jahren, bis jedermann ein Elektroauto in der Garage stehen hat", sagt Kosta Schinarakis vom Karlsruher Institut für Technologie.
[Bildunterschrift: Ein Elektro-Auto für jeden? 2050 könnte es soweit sein. ]
Im Jahr 2050 könnte es soweit sein. Das wäre dann schon erstaunlich schnell, schließlich hatten die Verbrennungsmotoren fast 150 Jahre Zeit für ihre Entwicklung. Wenn man auf der IAA die Stände in der Halle für Elektromobilität aufsucht und nach dem Haupthindernis für eine zügige Markteinführung von E-Mobilen fragt, heißt es immer wieder: die Kosten der Batterie und ihre Verlässlichkeit. Die Lithium-Ionen-Batterien der neuesten Bauart werden auch auf der IAA gern präsentiert, über die Kosten aber eher ungern gesprochen. Rund 8000 Euro sind für einen durchschnittlichen Akku zu berappen, der macht damit schnell 30 bis 40 Prozent der Herstellungskosten eines Elektroautos aus.
Unter 20.000 Euro ist daher bisher kaum ein brauchbares E-Auto zu haben. Viele kosten um die 35.000 Euro und sind damit eher nur für Besserverdiener erschwinglich. Auch für den elektrischen Smart, der im nächsten Jahr in Serie gehen soll, sind keine echten Kampfpreise gegenüber den konventionell angetriebenen Fahrzeugen zu erwarten, genauso wenig vom VW Up! auf Elektrobasis, der 2013 kommt oder der Mercedes B-Klasse ab 2014.
Die Preise für die Batterien müssen runter, darin sind sich alle einig. Aber die Batterien müssen auch ungefährlich sein: Probleme mit anschließenden Rückrufaktionen, wie immer wieder etwa bei den Akkus von Notebooks geschehen, kann sich die Autobranche angesichts der um ein Vielfaches höheren Leistungen der Akkus nicht leisten. Ein Auto darf nicht abbrennen. Die Batterien zu verbessern ist eine technische Herausforderung, an der bisher vor allem in Asien gearbeitet wird. Die deutsche Autoindustrie muss aufpassen, da nicht abgehängt zu werden. Diese Warnung ist auf der IAA immer wieder zu hören. Immerhin: Daimler hat sich bereits bei einem der wenigen Batterie-Hersteller eingekauft und baut mit Bosch in einem Joint-Venture eine Batteriefertigung auf.
Ein weiteres Problem ist die Reichweite: Wer ein Elektromobil kauft, kann damit keine weiten Strecken fahren. Auch nicht mit Hybriden: Bis zu 20 Kilometer schafft der Toyota Prius rein elektrisch, dann muss er nachladen. Der Opel Ampera schafft je nach Belastung 40 bis 80 Kilometer. Der auf der IAA vorgestellte neue Daimler F125 mit Brennstoffzelle und 1000 Kilometer Reichweite ist bisher eine Ausnahme: Reine Elektrofahrzeuge sind üblicherweise für Strecken bis zu 150 Kilometer einsetzbar.
Aber das reicht meist völlig: Normale Bürger fahren durchschnittlich höchstens 50 bis 60 Kilometer pro Tag. "Ich muss das Auto laden können, beim Arbeitgeber oder an öffentlichen Stationen. Das muss gewährleistet sein", meint Johannes Müller von der Akademie Deutsches Kraftfahrzeuggewerbe. Auch beim Erdgas gab es anfangs Versorgungsprobleme, erinnert er sich. Die seien aber schnell gelöst worden. "Binnen drei, vier Jahren ist ein gutes Netz entstanden. Man kann heute an fast jeder zweiten Tankstelle Gas tanken. Das könnte beim Strom auch so werden."
Tatsächlich: Auf der IAA sind schon eine Menge solcher Ladestationen zu sehen. 2000 Euro kostet eine Elektrozapfsäule für einen einzelnen Stellplatz, wenn sie etwa ein Betrieb aufstellen lässt. Siemens ist dabei, aber auch kleinere Anbieter wie Schneider electric. Sie sind überzeugt: Der Durchbruch für die Elektroautos ist inzwischen geschafft, auch wenn die Großserien noch fehlen. "Es ist ein Prozess in Gang gekommen", sagt Thomas Hammermeister von Schneider electric. "Das ist keine Utopie mehr, das wird konkret."
In Straßburg laufen erste Projekte, auch in Berlin oder im Rhein-Main-Gebiet mit Pedelec-Fahrrädern. Eine ganze Menge Elektrofahrräder sind auf dieser IAA zu sehen, auch Elektroroller: Die "electromobility" bleibt nicht beim Auto stehen, sondern integriert auch andere Lösungen zur Fortbewegung.
Nach einer am Montag veröffentlichten Studie wird das Ziel der Bundesregierung nicht erreicht werden, bis 2020 eine Million elektrisch getriebener Fahrzeuge auf hiesigen Straßen fahren zu lassen. Ohne gezielte Förderung dürfte der Anteil der Elektroautos bis 2020 gerade mal auf drei Prozent steigen. Aber auch wenn der Massenmarkt für Elektromobile noch weit entfernt scheint: In den nächsten zehn Jahren könnten bereits einzelne Firmenflotten wie etwa die von Siemens elektro-mobil ausgerüstet werden.
Letztlich kommt es auf die Gesamtrechnung an. Die höhere Lebensdauer der vergleichsweise wartungsarmen Elektromotoren könnte da durchaus eine wichtige Rolle spielen. Ein Verbrennungsmotor made in Germany hat 140 Einzelteile, ein Elektromotor nur noch 14.
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