In Norwegen boomt das Elektro-Auto Ein Land liebt die Elektro-Flitzer

Stand: 29.10.2013 04:03 Uhr

Den großzügigen Steuervergünstigungen sei Dank: Der Elektro-Sportwagen Tesla Model S hat in Norwegen den VW Golf von der Spitze der Zulassungslisten verdrängt. Die Nachfrage ist extrem, die Vorteile sind groß. Der Staat sorgt für finanzielle Anreize und Steuerprivilegien, für ausreichend Parkplätze, Gratis-Ladestationen und freie Fahrt auf den Busspuren der Städte. Das sorgt in Oslo sogar schon für Ärger.

Von Tim Krohn, ARD-Hörfunkstudio Stockholm

Sjur Stampe drückt aufs Gaspedal. Der Autohändler aus Oslo ist begeistert von den 416 PS unter der Haube. Den Mercedes da drüben, den könne sein Tesla locker abhängen, verspricht er stolz: "Hier, fühl das mal, das ist schon eine enorme Beschleunigung. Ich könnte meinen Führerschein verlieren, schon bevor ich vom Parkplatz runter bin. Das ist ein Auto zu einem Verkaufspreis, dem wirklich niemand Konkurrenz machen kann."

Ein Fahrzeug des Autobauers Tesla vom Typ "Model S" steht am 10.09.2013 beim Pressetag auf der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in Frankfurt (Hessen). (Bildquelle: dpa)
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Massive staatliche Vergünstigungen machen es möglich: Der Tesla S ist in Norwegen der Renner.

Da hat er Recht. Wer einen Tesla-ähnlichen Neuwagen als Benziner kaufen will, muss in Norwegen etwa doppelt so viel Geld ausgeben. Denn der Tesla S oder auch der Nissan Leaf kosten weder Mehrwertsteuer noch Zulassungsgebühr. Stampes Kunden müssen auf ihren Elektroflitzer inzwischen fünf Monate lang warten, so groß ist die Nachfrage.

Das Ziel: Mehr E-Cars als Benziner

Mehr als elftausend Elektrofahrzeuge sind mittlerweile auf Norwegens Straßen unterwegs. Prozentual gesehen sind es die meisten in ganz Europa. Das aber, verspricht Snorre Sletvold, der Chef des norwegischen Elektroauto-Verbandes, sei erst der Anfang: "Der Markt hat sich in nur einem Jahr verdoppelt. Alleine im letzten Monat konnten wir mehr als eintausend Elektroautos verkaufen. Und jetzt, im Oktober, ging es genauso weiter. Die Norweger haben wirklich das E-Car lieben gelernt. Mein Traum wäre es nun, dass wir es in vier oder fünf Jahren schaffen, bei den Neuwagen insgesamt mehr Elektrofahrzeuge als Benziner zu verkaufen."

Benzinfrei, günstig und schnell - Der Boom der Elektroautos in Norwegen
T. Krohn, ARD Stockholm
29.10.2013 01:46 Uhr

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Könnte sein, dass es klappt. Denn die Politik in Norwegen will es so: Die staatlichen Anreize zum Umsteigen sind enorm. Die Fahrer sparen nicht nur bei der Steuer. Auch die City-Maut fällt weg, die Parkgebühren entfallen, die viertausend öffentlichen Ladestationen im Land sind selbstverständlich kostenfrei. Und Stjur hat ein Kontrollschild auf seinem Tesla angebracht. Gut sichtbar "EL" steht darauf. Alle, die diese Plakette tragen, dürfen gerne mal rechts am Stau vorbei, über die Busspur, auch das ist erlaubt. Und nervt die Experten.

"Wir machen Autofahren zu billig"

"Das ist ein immer größeres Problem. Vor allem weil die Politik ja versprochen hat, dass man die Bus-Spur noch bis 2017 benutzen darf. Das sorgt dafür, dass die Busse nicht mehr schnell in die Stadt kommen", sagt Bjart Holstmark vom Statistikamt in Oslo - und rechnet vor, was seine Behörde zuletzt ermittelt hat: "Viele Haushalte hören auf, mit Bus oder Bahn zu fahren oder das Fahrrad zu benutzen. Sie nehmen lieber das billige Elektroauto. Aber das, was Großstädte wie Oslo eigentlich brauchen, sind weniger Autos. Unsere Politik erreicht genau das Gegenteil. Wir machen das Autofahren zu billig."

Alles nur Wohlfühl-Politik?

Nicht nur Oslos Busfahrer haben die Nase längst voll. Auch die Behörden fangen langsam an, zu zweifeln: "Wir machen diese Politik doch nur, um uns gut zu fühlen. In Wahrheit tun wir der Umwelt aber gar nichts Gutes“, meint Holstmark. Sjur Stampe, der Mann im Tesla, kann solche Einwände nicht verstehen. Den E-Cars gehöre doch die Zukunft, meint er und drückt nochmal kräftig aufs Gaspedal."Fossil! Alleine dieses Wort hat ja schon zwei Bedeutungen. Wir sprechen von fossilen Brenn-stoffen. Aber fossil heißt ja auch alt! Das steht für all die alten Leute, die mit der modernen Technik nicht mehr mitkommen."

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