BMW i3 an einer Ladestation in London

Prämien, Steuererleichterungen, Ladestationen Wie andere Staaten Elektroautos fördern

Stand: 26.04.2016 14:45 Uhr

Prämien helfen beim Verkauf von Elektroautos - das ist die Erfahrung in vielen Staaten. Allerdings fallen sie häufig üppiger aus - und werden durch zusätzliche Maßnahmen unterstützt. Ein Blick nach Frankreich, Großbritannien, Norwegen und in die USA.

Frankreich: Satte Zuwachsraten

In Frankreich ist es wie so oft der Staat, der den Elektroautos den nötigen Schub gibt. Denn weil die Regierung E-Autos massiv subventioniert, werden auch viele davon verkauft: Im Jahr 2015 zum Beispiel hatten über 17.200 der französischen Neuwagen einen Elektromotor, das waren satte 64 Prozent mehr als im Jahr davor.

Ein Grund dafür ist die Prämie, die der Staat denjenigen zahlt, die ihren alten Diesel gegen ein neues Elektroauto tauschen: Dafür gibt es bis zu 10.000 Euro. Jeder Haushalt, der eine Ladestation bei sich aufstellt, bekommt darüber hinaus eine Steuergutschrift von 30 Prozent. Natürlich ist der Marktanteil der E-Autos noch reichlich niedrig. Er liegt derzeit bei 1,3 Prozent, aber: Er wächst. Denn auch in diesem Jahr wurden bis jetzt bereits 6000 Elektroautos angemeldet, doppelt so viele wie im Vorjahreszeitraum.

Das Problem der Reichweite stellt sich in Frankreich, einem Flächenland, natürlich auch. Immerhin gibt es bislang 12.000 Ladestationen, mit Schwerpunkt Paris. Angestrebt werden doppelt so viele bis zum Jahr 2018. Bei den französischen Auto-Herstellern gehören die E-Autos mittlerweile zum Standard. Marktführer Renault hat von seinem Kleinwagen Zoé bereits 50.000 Stück gebaut, Peugeot und Citroen setzten ebenfalls große Hoffnungen in ihre elektrischen Stadtflitzer. Das kommt an und zwar nicht zuletzt deswegen: Vor allem in der chronisch verstopften Hauptstadt sind die den Elektroautos vorbehaltenen Ladestationen oft die letzte Rettung bei der Parkplatzsuche. Barbara Kostolnik, ARD-Studio Paris

BMW i3 an einer Ladestation in London
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Der innerstädtische Verkehr in London ist teuer - das macht E-Autos attraktiv.

Großbritannien: Attraktiv in Ballungsräumen

In Großbritannien sind inzwischen etwa 60.000 Elektroautos unterwegs - vor zwei Jahren waren es erst knapp 4000. Anreiz zum Kauf sind vor allem die Zuschüsse der britischen Regierung, die seit 2011 bei der Anschaffung je nach Modell bis zu umgerechnet 11.000 Euro beisteuerte. Im März wurde die Zahlung dieser staatlichen Plug-In-Grants bis 2018 verlängert, allerdings gibt es jetzt nur noch maximal 6000 Euro Zuschuss.

Zum Strom tanken gibt es inzwischen fast 4000 Steckdosen landesweit, vor allem natürlich in Ballungsräumen. In Nordengland, Wales und Schottland findet man noch viele weiße Flecken auf der Landkarte der Ladestationen. Elektroautos fahren steuerfrei und sind in London von der kostspieligen Congestion Charge, der Staugebühr, befreit. Allerdings muss man für die Nutzung der öffentlichen Ladestationen eine Jahresgebühr zahlen. Den Einbau einer speziellen Elektroauto-Steckdose in der heimischen Garage fördert der Staat. Etwa dreißig verschiedene Elektroauto-Modelle sind derzeit im Vereinigten Königreich erhältlich, in Preisklassen zwischen umgerechnet 9000 und 90.000 Euro. Gabi Biesinger, ARD-Studio London

Norwegen: Erfolgreicher als erwartet

Busspuren benutzen, keine Parkgebühr zahlen, kostenlose Batterieladung, keine Steuer, keine Zulassungsgebühren: Kein Wunder, dass in Norwegen mit über 22 Prozent Anteil am nationalen Fuhrpark die meisten Elektroautos fahren. Der Staat hatte 2012 ein Förderprogramm aufgelegt in der Hoffnung, bis 2018 50.000 Fahrzeuge mit Elektroantrieb auf den Straßen zu haben. Es sind schon jetzt mehr als 70.000 und der Trend hält an, vor allem bei Zweitwagen für Kurzstrecken in den Städten.

Also wird staatlicherseits sogar auf die Bremse getreten: Ab 2018 sollen E-Autohalter wieder Steuern zahlen, erst die Hälfte, ab 2020 dann den vollen Satz. Über alle anderen Privilegien entscheiden die Kommunen. Das ist eine Reaktion auf Kritik im Land, die in diesen Privilegien einen - falschen - Anreiz für noch mehr Individualverkehr sieht und noch verstopftere Straßen in den Städten fürchtet. Es sieht aber nicht nach einer grundsätzlichen Wende der Verkehrspolitik aus. Allerdings könnte aus dem "Kann" bald ein "Muss" werden, was Elektroautos angeht. Im Parlament wird zurzeit ein Plan diskutiert, nach dem der Verkauf von Privatwagen mit Benzin- oder Dieselmotoren spätestens in zehn Jahren verboten werden und bei Bussen und Lkws eine strenge Quote gelten soll. Carsten Schmiester, ARD-Studio Stockholm

Tesla-Käufer in Kalifornien
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Als Tesla im März die Einführung eines kleinere Modells ankündigte, ließen sich Tausende als Käufer registrieren - und zahlten dafür.

USA: Der Boom geht zu Ende

Der Hype um Elektroautos in den USA scheint schon wieder vorüber. Im vergangen Jahr wurde rund 100.000 Autos mit Batterie in den Vereinigten Staaten verkauft, 17 Prozent weniger als ein Jahr zuvor. "Warum soll man ein Elektroauto kaufen, wenn Benzin so billig ist?", fragt der Chef von BMW in den USA, Ludwig Willisch. Der Benzinpreis hat sich in den vergangen Jahren fast halbiert. Heute zahlt man an einer amerikanischen Tankstelle umgerechnet 50 Euro Cent für den Liter.

Die US-Autoindustrie fordert deshalb auch Anreize: spezielle Parkplätze, Nutzung von Sonderstraßen oder Steuererleichterungen. Diese gibt es in einigen Bundesstaaten schon. So bietet Kalifornien 2500 Dollar Steuergutschrift für ein Elektroauto, in Texas gibt es dagegen nichts.

Doch abseits des günstigen Benzinpreises gibt es auch noch Widerstände bei den Käufern. Dazu gehört die sogenannte "Reichweitenangst", die in den großen USA noch stärker ausgeprägt ist. Auch die Langlebigkeit der Batterie ist ein Thema. Tesla, der nur Elektroautos herstellt, will in diesem Jahr doppelt so viele Autos verkaufen wie 2015, leidet aber unter Produktionsschwierigkeiten. Rechnet man reine Elektroautos und sogenannte Hybrids, die mit Strom und Benzin fahren, zusammen, beträgt ihr Marktanteil weniger als ein Prozent auf dem größten Automarkt der Welt. Und damit deutlich weniger, als sich Präsident Barack Obama erhofft hat. Sabrina Fritz, ARD-Studio Washington

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