Ein Elektroauto an einer Ladestation | Bildquelle: dpa

Kaum E-Autos in Fuhrparks der Regierung Elektroautos? Nein Danke!

Stand: 04.03.2016 11:50 Uhr

Es ist eine ambitionierte Quote, die sich die Bundesregierung auferlegt hat: Zehn Prozent der neu angeschafften Dienstfahrzeuge der Bundesministerien sollen Elektro- oder Hybridautos sein. Die Realität sieht allerdings ganz anders aus

Von Ivo Marusczyk, ARD-Hauptstadtstudio

Große, schwere, schwarze Limousinen - rund um das Reichstagsgebäude scheinen besonders viele Spritschlucker unterwegs zu sein. Von Umweltbewusstsein ist im Berliner Regierungsviertel nur wenig zu sehen.

Und der Eindruck täuscht nicht. Die Bundesregierung hat sich zwar schon lange vorgenommen, auf Elektroautos und Hybride zu setzen. Aber die Regierung nimmt ihre eigenen Ziele nicht ernst, sagt der Grünen-Abgeordnete Stephan Kühn. Im "Regierungsprogramm Elektromobilität" hat die Bundesregierung beschlossen, dass ab 2013 zehn Prozent der neu angeschafften Ministerienfahrzeuge Autos sein sollen, die 50 Gramm CO2 oder weniger verbrauchen - also entweder Hybride oder reine Elektrofahrzeuge. "Doch man muss einfach sagen, dass die Bundesregierung ihrer Vorreiter-Rolle nicht gerecht wird", kritisiert Kühn.

Regelmäßig fragt er, ob die Ministerien die eigenen Vorgaben einhalten. Die aktuellen Zahlen liegen der ARD exklusiv vor und die Antwort lautet wieder einmal: "Nein". Die Bundesregierung verfehlt ihr selbst gestecktes Ziel.

Gerade mal ein Elektroauto im Familienministerium

Schon 2011 wurde beschlossen, dass zehn Prozent der neu angeschafften Fahrzeuge in den Ministerien ihre Kraft aus der Steckdose ziehen sollen. Vor drei Jahren trat die Regel in Kraft. Trotzdem steht in der Garage des Familienministeriums gerade einmal ein einziges Elektroauto - 1,3 Prozent des gesamten Fuhrparks. Im Finanzministerium liegt die Stromauto-Quote bei 2,2 Prozent, im Bundeskanzleramt bei fünf Prozent und im Fuhrpark des Justizministeriums surrt kein einziger Elektromotor.

Die Quote bezieht sich zwar streng genommen nur auf die Neuanschaffungen und nicht auf den ganzen Fuhrpark. Doch bei Behörden werden Autos üblicherweise nur für wenige Jahre gekauft oder geleast. Der Anteil müsste also inzwischen auch in etwa dieser Quoote entsprechen. "In vielen Ministerien ist die Neuanschaffung von Elektrofahrzeugen nicht messbar", sagt Kühn dazu. "Es sind nur wenige Häuser, wie das Verkehrsministerium, die das Ziel gerade so erreichen."

Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt steigt am 18.06.2014 aus einem Dienstwagen, einem Elektroauto | Bildquelle: dpa
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Er mag sein bayerisches Elektroauto: Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt

Dobrindt ist die Ausnahme

Denn Verkehrsminister Alexander Dobrindt fällt in Berlin nicht nur mit karierten Anzügen auf: Als einziger Minister klettert er tatsächlich öfter aus einem leise heransurrenden Elektroauto. Natürlich, das muss wohl so sein, ist es ein bayerisches Modell. "Ich bin begeistert von dieser Technologie! Das ist ein tolles Fahrzeug!", schwärmt der Verkehrsminister. Erstklassig sei es, sowohl was den Antrieb als auch den Rest der Technik beträfe und es sei gerade für die Stadt erstklassig geeignet. "Wir haben die Fahrzeuge der deutschen Hersteller zur Verfügung, wir sind Leit-Hersteller bei den Fahrzeugen, wir sind nur noch nicht Leit-Markt und jetzt geht es darum, diese Fahrzeuge auch auf die Straße zu bringen", so Dobrindt.

Auch für Umweltministerin Barbara Hendricks stehen Elektroautos parat. Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel erreicht die Quote nur, weil der Fuhrpark seines Ministeriums verkleinert wurde, sagt Kühn. Insgesamt erreichen nur sechs von 17 Ressorts der Bundesregierung das selbst gesteckte Ziel.

Bei Fahrern und Beamten sind Elekroautos verhasst

Bei den Fahrern und auch bei den Beamten sind die Elektroautos regelrecht verhasst: Ihnen fehlt der Komfort der großen Limousinen, außerdem haben sie Angst, mit leerer Batterie liegen zu blieben.

Auch die Linkspartei prangert an, dass die Bundesregierung Elektroautos fördern will, aber nicht einmal ihre eigenen Vorgaben erfüllt. Die Bilanz sei schlecht, findet die stellvertetende Vorsitzende Gesine Lötzsch. "Die Bundesregierung hält sich nicht an ihre eigene Verpflichtung und tut da viel zu wenig."

Umweltbundesamt: kein einziges E-Auto

Ohne Quote sähe es vermutlich noch schlechter aus, wie sich an den nachgeordneten Behörden ablesen lässt: Viele haben gar keine Elektroautos oder sie werden selten genutzt. Ausgerechnet das Umweltbundesamt hat gar keinen elektrischen Dienstwagen. Zur Begründung verweist die Behörde darauf, dass ihr Hauptsitz in Dessau liegt. Die 130 Kilometer nach Berlin sind zu weit für die Akkus der gängigen Elektro-Modelle.

Für den Bundestag gelten solche Ausreden allerdings nicht: Die Abgeordneten fahren nur innerhalb der Hauptstadt. Trotzdem hat der Fahrdienst nur Autos mit Benzin- oder Dieselmotor. Änderungen sind zwar schon geplant, aber klar wird auch: Der Widerstand gegen Elektroautos ist und bleibt hoch, die selbst gesteckten Ziele werden nicht oder nur selten erfüllt. Und das liegt wahrscheinlich nicht ausschließlich an den Leistungsdaten der heutigen Elektroautos. Es gibt auch emotionale Vorbehalte - das Auto ist eben nach wie vor ein Statussymbol.

Bundesregierung hält eigene Ziele bei Elektroautos nicht ein
I. Marusczyk, ARD Berlin
04.03.2016 10:42 Uhr

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