Elektroauto

Gipfel zur E-Mobilität "Staat"hilfe für Elektroautos

Stand: 15.06.2015 18:10 Uhr

Derzeit fahren auf deutschen Straßen rund 25.000 Elektroautos. Bis 2020 sollen es eine Million sein. So will es die Bundesregierung. Jetzt sollen Subventionen helfen, die Ladenhüter zu verkaufen. Denn eigentlich spricht vieles für die E-Autos.

Von Martin Gent, WDR

Sofern wir in Zukunft noch Auto fahren, tun wir das irgendwann sicherlich ohne Verbrennungsmotor. Tanzende Kolben unter der Motorhaube, die Kupplung treten, das Rühren am Schalthebel - all das könnte uns einmal ähnlich anachronistisch vorkommen wie die Schreibmaschine im Smartphone-Zeitalter.

Der Elektroantrieb hat entscheidende Vorteile. Anders als beim Verbrennungsmotor wird die eingespeiste Energie nahezu vollständig in Vortrieb umgesetzt. Der Wirkungsgrad eines Elektromotors liegt bei 90 Prozent. Otto- und Dieselantriebe schaffen nur 20 bis 40 Prozent, vergeuden also den Großteil der Kraftstoffenergie als Abwärme. Trotzdem kann der Elektroantrieb seine Umweltvorteile derzeit nicht wirklich ausspielen, weil die Rahmenbedingungen nicht passen.

Umstrittene Ökobilanz

Noch sind die Umweltvorteile von E-Autos durchaus bescheiden. Das liegt vor allem daran, dass man bei einem fairen Vergleich - wie beispielsweise beim ADAC - nur mit dem deutschen Strommix rechnen kann. Dann ist im Ladestrom für die E-Autos so viel dreckiger Braunkohlestrom drin, dass sich die Umweltvorteile des E-Motors verflüchtigen. Auch bei der Herstellung der Batterien für E-Autos fällt ein hoher Energieverbrauch an: Er entspricht etwa 50.000 gefahrenen Kilometern mit einem Benziner.

Wunderautos - auf dem Papier

Von all dem will die Bundesregierung wenig wissen, obwohl sie entsprechende Studien zum Teil selbst in Auftrag gegeben hat. Wer die Internetseiten von Verkehrs-, Forschungs-, Umwelt- und Wirtschaftsministerium aufschlägt, findet allein Lobeshymnen aufs Elektroauto - als könne allein die Umstellung der Antriebstechnik die Verkehrsprobleme lösen.

Bei den offiziellen Angaben für den CO2-Ausstoß werden die Emissionen bei der Stromproduktion nicht berücksichtigt. Alle Steckdosen-Autos, also reine E-Fahrzeuge sowie Plug-In-Hybride, haben deshalb sensationell niedrige CO2-Werte. Mit denen versuchen die Autohersteller, ihre CO2-Flottenbilanz zu schönen. Damit der Effekt größer ist, gelang es der Industrie, mit Unterstützung von Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brüssel einen weiteren Elektrobonus durchzusetzen. Über so genannte "Supercredits" soll die vermeintliche Emissionsfreiheit der Elektroautos bei den Flottenemissionen mehrfach berücksichtigt werden.

Nur 25.000 E-Autos fahren in Deutschland

Dazu müssen die Autos aber auch verkauft werden, denn die Flottenemissionen errechnen sich nach den konkreten Zulassungszahlen. Zuerst waren in Deutschland E-Autos nur bei den Importeuren zu haben, inzwischen bieten sie auch viele deutsche Hersteller an. So kann man inzwischen unter rund 30 Modellen wählen, das größere Angebot hat den Absatz aber kaum beflügelt.

Zu Jahresbeginn fuhren gerade mal 25.000 Steckdosenautos auf deutschen Straßen, bei einem Gesamtbestand von 44,4 Millionen Pkw kaum der Rede wert. 14 Milliarden Euro soll die deutsche Autoindustrie in den letzten vier Jahren in E-Fahrzeuge investiert haben. Jetzt will sie die teuer entwickelten Autos auch verkaufen und ruft nach staatlicher Unterstützung.

Bisherige Subventionen und Förderungen für Elektroautos

- E-Autos, die in diesem Jahr zugelassen werden, sind für zehn Jahre von der Kfz-Steuer befreit. Der durchschnittliche Steuersatz für vergleichbarer Pkw mit Verbrennungsmotor dürfte bei etwa 100 Euro im Jahr liegen.

- Für Ladestrom fallen die kraftstofftypischen Energiesteuern ("Mineralölsteuer") so nicht an. Die Steuermindereinnahmen dürften sich - bezogen auf Durchschnittswerte für Verbrauch und Fahrleistung - auf rund 400 Euro pro E-Fahrzeug und Jahr belaufen.

- Über Förderprogramme (z.B. Schaufenster, Leuchttürme, Forschung) soll der Bund in den letzten Jahren rund 1,5 Milliarden Euro in die Elektromobilität investiert haben.

- Gründung der Nationalen Plattform Elektromobilität (NPE), einer Allianz aus Politik, Industrie und Forschung und der Gemeinsamen Geschäftsstelle Elektromobilität der Bundesregierung (GGEMO)

- Beschluss eines Nationalen Entwicklungsplans Elektromobilität (2009)

- Gesetz zur "Bevorrechtigung der Verwendung elektrisch betriebener Fahrzeuge (Elektromobilitätsgesetz) vom 5. Juni 2015

Das Ziel: Eine Million E-Autos bis 2020

Dabei hat die Regierung in der Vergangenheit schon allerhand getan. Besonders wirksam war diese Form der Förderung offenbar nicht. Vom nach wie vor proklamierten Ziel, dass bis 2020 mindestens eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen fahren sollen, ist man meilenweit entfernt. Kurt Sigl, Präsident des Bundesverbandes eMobilität, vermisst in einem offenen Brief an die Kanzlerin "ambitioniertes Handeln" und kritisiert die Schaufensterprojekte als zu akademisch.

Die Berliner Konferenz soll nun endlich den Durchbruch bringen und der Elektromobilität den entscheidenden Impuls geben. Von einem "Elektrogipfel" ist die Rede, offiziell ist es eine "Nationale Konferenz der Bundesregierung".

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Alles was in Politik und Industrie Rang und Namen hat, ist in Berlin vertreten. Beobachter halten es für möglich, dass Merkel ein milliardenschweres Subventionsprogramm in der Tasche hat und damit der Industrie-Forderung nach weiterer finanzieller Unterstützung nachkommt.

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