Konkurrenz für Lufthansa Erstmals innerdeutsche Flüge von Easyjet

Stand: 05.01.2018 08:21 Uhr

Auf den lukrativen innerdeutschen Flügen nach Berlin-Tegel muss die Lufthansa ab heute mit einem neuen Konkurrenten rechnen. Dabei ist nicht die Deutsche Bahn gemeint.

Zwar will die Bahn mit ihrer neuen Schnellfahrstrecke zwischen Berlin und München Fluggäste zum Umsteigen auf den Zug bewegen. Doch das hindert die britische Fluggesellschaft Easyjet nicht daran, an diesem Freitag (10:30 Uhr) erstmals innerdeutsche Flüge ausgerechnet mit einem Flug von Tegel nach München anzubieten.

Von kommendem Montag an sollen von Tegel aus 19 Ziele in Europa angeflogen werden, davon vier in Deutschland. So sind zwischen Berlin und Düsseldorf je Richtung 40 Flüge wöchentlich geplant, wie das Unternehmen ankündigte.

Tegel zweitgrößter Standort

Bislang hatte Easyjet in Berlin-Schönefeld zwölf Maschinen stationiert. Bis zum Sommer will die Fluggesellschaft nun in Tegel alle 25 Maschinen einsetzen, die sie von der insolventen Air Berlin übernommen hat. Seit Jahresbeginn werden diese Maschinen sukzessive in die eigene Flotte integriert, entsprechend wird der Flugplan in Deutschland ausgeweitet. Neben Düsseldorf und München hat Easyjet auch Slots für die besonders nachfragestarke Strecke zwischen Berlin und Frankfurt ausgehandelt.

Tegel wird damit nach London-Gatwick der zweitgrößte Standort des Unternehmens. Easyjet verstärkt mit den zusätzlichen Maschinen auch den Wettbewerb mit der Lufthansa-Tochter Eurowings. Mit den Start- und Landerechten von Air Berlin rechnet Easyjet ab diesem Jahr mit 16 Millionen Passagieren in Tegel, nach sechs Millionen im vergangenen Jahr.

Flugpreise gesunken

Erste Auswirkungen hat das neue Angebot bereits jetzt. Laut dem Verbraucherportal Mydealz sind die innerdeutschen Flugpreise zuletzt wieder gesunken, nachdem sie Ende Oktober nach Einstellung des Betriebs von Air Berlin teilweise explodiert waren. Gegenüber dem Durchschnittspreis vom vergangenen November – unmittelbar nach dem endgültigen Aus für Air Berlin – beträgt das Minus sogar 29 Prozent.

Wichtigster Konkurrent von Easyjet ist aber die irische Ryanair. Sie sorgt in Deutschland regelmäßig für Schlagzeilen, zuletzt wegen eines Pilotenstreiks gegen die miserablen Arbeitsbedingungen. Noch ist der Konflikt nicht ausgestanden, sicher ist, dass schon heute neue Gespräche mit der Piloten-Gewerkschaft vorgesehen sind. Ryanair habe für Freitag die von der Gewerkschaft benannte Delegation akzeptiert, sagte ein Sprecher der Piloten-Gewerkschaft VC.

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Ryanair will mitmischen

Beim Zugang zum Flughafen Tegel gibt sich Ryanair nicht geschlagen. Die Iren stellen in Aussicht, neun Flugzeuge am größten Flughafen der Hauptstadt zu stationieren, und haben nach eigenen Angaben die Start- und Landerechte für den Sommerflugplan 2018 beantragt. Ryanair hält schon neun Flugzeuge am Flughafen Schönefeld. Ob und inwieweit das Unternehmen auch in Tegel zum Zug kommt, ist offen, denn der innenstadtnahe Flughafen arbeitet an seiner Kapazitätsgrenze. Auch hat Ryanair die Strecke von Berlin nach Köln zuletzt eingestellt.

Tatsächlich leiden die Iren unter massiven operativen Problemen. Weil bei der Urlaubsplanung für die Piloten ein gravierender Fehler gemacht wurde, stehen zu wenig Flugzeugführer zur Verfügung. Deshalb hat die Airline bis zum März tausende Verbindungen gestrichen.

Unterschiedliche Aktienkurse

Ganz anders bei Easyjet. Von gestrichenen Verbindungen ist bei den Briten bisher nichts bekannt. Auch hat die Airline den Ruf, ihre Piloten vernünftig zu entlohnen. So berichteten Piloten von Air Berlin, dass die Easyjet-Löhne über denen liegen, die die Lufthansa-Tochter Eurowings zahlt.

Die unterschiedliche Performance der beiden sogenannten Billigflieger spiegelt sich auch in der Entwicklung der Aktienkurse wider. So sind die Ryanair-Papiere seit ihrem Jahreshoch im August um gut 20 Prozent gefallen. Dagegen kann Easyjet in der gleichen Zeit ein Plus von fast 30 Prozent vermelden.

lg

Quelle: boerse.ard.de
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