o2 e-plus (Bildquelle: REUTERS)

O2-Mutter holt sich E-Plus Neuer Riese am Mobilfunkmarkt

Stand: 23.07.2013 15:28 Uhr

Die Nummer vier auf dem deutschen Mobilfunkmarkt greift nach der Nummer drei: Der niederländische Mobilfunkkonzern KPN teilte mit, seine deutsche Tochter E-Plus an den spanischen Wettbewerber Telefónica mit seiner deutschen Marke O2 verkaufen zu wollen.

Für den Verkauf von E-Plus erhält KPN fünf Milliarden Euro in bar und Anteile von 17,6 Prozent an Telefónica Deutschland, wie aus einer Mitteilung des niederländischen Konzerns hervorging. An der Börse sorgte die Nachricht zumeist für Kursgewinne.

Fusion genau unter der Lupe

Konzernzentrale der E-Plus-Gruppe (Bildquelle: dapd)
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E-Plus soll bald zum Telefónica-Konzern gehören - sofern die Kartellbehörden zustimmen.

Die Wettbewerbsbehörden müssen dem Geschäft aber noch zustimmen. Der geplante Megadeal auf dem deutschen Mobilfunkmarkt dürfte zunächst von der EU-Kommission unter die Lupe genommen werden. Eine Fusion von E-Plus mit der Telefónica-Deutschland-Tochter O2 werde zunächst in Brüssel angemeldet und danach möglicherweise an die deutsche Behörde verwiesen, sagte ein Kartellamtssprecher. Ein Sprecher der Bundesnetzagenur erklärte, seine Behörde werde die Auswirkungen der Fusion prüfen. KPN äußerte sich zuversichtlich, die Genehmigung der Wettbewerbsbehörden zu erhalten.

Durch den Zukauf von E-Plus werde die Telefónica "zu einem führenden Telekommunikationsunternehmen in Deutschland", teilte Telefónica Deutschland mit. Das neue gemeinsame Geschäft habe insgesamt 43 Millionen Kunden und umfasse ein Umsatzvolumen, das sich Ende 2012 auf 8,6 Milliarden Euro belaufen habe.

Telefónica will Übernahme von Konkurrent E-Plus bis 2014 abschließen
tagesthemen 22:15 Uhr, 23.07.2013, Gudrun Engel, WDR

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Telekom dann nur noch auf Platz zwei

Die geplante Übernahme - sollte sie so kommen - könnte dann die Rangfolge der Anbieter auf den Kopf stellen. Die neu Fusionierten würde den bisherigen Marktführer Telekom auf den zweiten Platz verweisen. Bisher buhlen hierzulande vier Anbieter mit eigenen Netzen um Kunden. Dazu kommen etliche kleinere Unternehmen, die über die Netze der großen Vier eigene Angebote vertreiben.

Branchenprimus ist die Telekom, laut Bundesnetzagentur mit 37 Millionen Verträgen, bei Vodafone sind es 32,4 Millionen Verträge. E-Plus zählte Ende Juni 24,4 Millionen Verträge, wie die Gruppe mitteilte. O2 kommt auf 19,3 Millionen.

Übernahme soll Mitte 2014 abgeschlossen sein

Die Führung von KPN empfehle ihren Anteilseignern, die Transaktion zu genehmigen, teilte das niederländische Unternehmen mit. Eine außerordentliche Aktionärsversammlung solle in den kommenden Wochen einberufen werden. KPN-Chef Eelco Blok erklärte, der Nutzen durch einen Zusammenschluss von E-Plus und O2 sei "eindeutig und überzeugend". KPN werde sich nach dem Verkauf auf seine Kernmärkte konzentrieren.

Wie die Telefónica Deutschland mitteilte, wird mit einem Abschluss der Übernahme von E-Plus Mitte 2014 gerechnet. Auch die Aktionäre von Telefónica Deutschland müssten noch zustimmen.

Bleibt es bei den Marken 02 und E-Plus?

Ob künftig sämtliche Marken der beiden Unternehmen weitergeführt werden, ist noch offen, wie Firmensprecher sagten. Eine Entscheidung werde nach Zustimmung der Wettbewerbsbehörden zu dem Verkauf getroffen. "Beide Unternehmen verfügen aber über etablierte Marken, die unterschiedliche Kundenbedürfnisse ansprechen", sagte ein Telefónica-Sprecher. Die E-Plus-Gruppe ist in Deutschland unter anderem auch mit den Marken Simyo und Base aktiv.

E-Plus: Kundenverträge bleiben bestehen

Für die Verträge von Kunden ändert sich nach Angaben von Verbraucherschützern und von E-Plus nichts. Die Verträge blieben bestehen - auch mit allen Verpflichtungen für Kunden, sagte ein E-Plus-Sprecher. Jedoch haben Kunden im Gegenzug auch einen Anspruch darauf, dass ihr Vertrag voll erfüllt wird, wie Telekommunikationsexperte Thomas Bradler von der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen sagte. Änderungen bei Vertragsbedingungen bedürften der Zustimmung von Kunden.

Der Zusammenschluss spart Milliarden

Hauptantrieb für den Deal sind wohl die hohen Einsparungen: Die Fusion soll die Kosten der Unternehmen um bis zu 5,5 Milliarden Euro drücken. Möglich ist das vor allem, weil nur noch eines statt bisher zwei Mobilfunknetze betrieben werden müssen. Der Unterhalt der Netze ist sehr teuer.

E-Plus und Telefónica hatten in den vergangenen Jahren immer wieder über ein Zusammengehen gesprochen. Der jüngste Anlauf vor einem Jahr scheiterte in letzter Minute. Knackpunkt für eine Fusion waren lange Zeit die Funkfrequenzen. Sie sind Basis des gesamten Geschäfts und dementsprechend teuer.

Stichwort: E-Plus - Tochter des niederländischen KPN-Konzerns

Gemessen an den Kundenzahlen ist die E-Plus Gruppe der drittgrößte Mobilfunknetzbetreiber in Deutschland. Laut Bundesnetzagentur hatte E-Plus im ersten Quartal 2013 23,9 Millionen Kunden. Seit 2002 ist die Gruppe eine hundertprozentige Tochtergesellschaft des niederländischen Telekommunikationskonzerns KPN.

1993 hatte das Unternehmen als erster E-Netzbetreiber eine Mobilfunklizenz erhalten. Gründungsgesellschafter waren der damalige Veba-Konzern (Eon), RWE sowie Thyssen und BellSouth. E-Plus verbuchte 2012 einen Gesamtumsatz von 3,4 Milliarden Euro und beschäftigte 4500 Mitarbeiter.

Infobox: Telefónica Deutschland mit O2

Telefónica Deutschland nimmt mit der Kernmarke O2 - gemessen an Kundenzahlen - Platz vier auf dem deutschen Mobilfunkmarkt ein. Die deutsche Tochter der spanischen Telefónica verbuchte laut Bundesnetzagentur im ersten Quartal 2013 rund 19,3 Millionen Teilnehmer.

1995 wurde das Unternehmen mit dem Namen Viag Interkom von der Viag AG und der BT Group gegründet und hieß später O2 Germany. 2012 erwirtschaftete Telefónica Deutschland einen Umsatz von 5,2 Milliarden Euro. 5000 Mitarbeiter beschäftigt der Konzern.

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