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Experte zur Zukunft der Autoindustrie

"Deutschland wird nicht unter den Top 5 bleiben"

Normalerweise werden in Europa 15,5 Millionen Autos im Jahr verkauft. Derzeit sind es zwölf Millionen - ein klares Anzeichen für eine Krise. Es gibt aber auch Gewinner, sagt Autoexperte Dudenhöffer im tagesschau-Interview. Denn die Autoindustrie werde weiter wachsen - das Wachstum finde aber nicht in Europa statt.

tagesschau.de: Wie beurteilen Sie die Aussichten für die europäischen Autohersteller im neuen Jahr?

Ferdinand Dudenhöffer: Gemischt. In Europa stehen fast zwölf normale Autowerke still. Die andere Seite der Medaille sind Amerika sowie China und Indien. Der Markt in den USA bewegt sich weiter nach oben, wenn auch langsamer. Und in China und Indien ist man im Wachstum. Alle, die in diese Wachstumsländern liefern, haben bessere Karten als diejenigen, die sehr stark auf Europa konzentriert sind - wie etwa Renault.

Zur Person

Ferdinand Dudenhöffer ist Professor für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen. Er wurde 1951 in Karlsruhe geboren und studierte von 1972 bis 1977 Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim, wo er später auch promovierte. In den Jahren 1985 bis 1996 war er im Marketing verschiedener Autohersteller tätig.

tagesschau.de: Was ist der Grund für die Kaufzurückhaltung der Kunden in Europa?

Dudenhöffer: Die Schuldenkrise. In Europa werden derzeit im Jahr knapp zwölf Millionen Fahrzeuge verkauft. Normal sind es im Jahr um die 15,5 Millionen. In Südeuropa herrscht hohe Arbeitslosigkeit, das Sozialprodukt geht sehr stark nach unten, das heißt die Menschen dort können sich derzeit kaum neue Autos leisten. Und diese Kaufzurückhaltung in Südeuropa führt dazu, dass auch in Deutschland der Automarkt schwieriger wird, denn Fahrzeuge, die dort verkauft werden könnten, fehlen in den Verkaufsstatistiken der Autobauer.

"Peugeot und Citroën kämpfen ums Überleben"

tagesschau: Gibt es denn auch Krisengewinner bei den Autokonzernen?

Dudenhöffer: Krisengewinner sind alle die, die global aufgestellt sind: VW oder Premiumhersteller wie BMW. Die Schwachen sind diejenigen, die in Frankreich oder Italien sitzen. Peugeot und Citroën kämpfen ums Überleben. Fiat ist in einer sehr schwierigen Situation, Renault muss balancieren. Alle, die in Südeuropa ihre Märkte haben, sind sehr stark unter Druck. Die anderen - wie VW - werden in der Zukunft durch die Krise zu Gewinnern werden.

Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer zu den Aussichten für 2013
tagesschau24 13:30 Uhr, 03.01.2013

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tagesschau: Deutschland gehört im Moment noch zu den "Top 5" der größten Automärkte der Welt. Wird es diese Stellung halten können?

Dudenhöffer: Nein, diese Stellung hält Deutschland nicht. In zwei oder drei Jahren wird Indien an Deutschland vorbei ziehen. Dann geht Deutschland in seiner Bedeutung für die Automobilindustrie weiter zurück. Wir müssen uns damit anfreunden, dass die Automobilindustrie zwar eine Wachstumsindustrie ist, aber das Wachstum findet in Asien, Osteuropa und zum Teil in Südamerika statt. Bei uns in Europa bleibt der Automobilmarkt, wie er ist. Die Zuwächse kommen aus den neuen Märkten.

Das Interview führte Ina Böttcher, tagesschau24

Stand: 03.01.2013 15:42 Uhr

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