Ein Messschlauch eines Gerätes zur Abgasuntersuchung für Dieselmotoren steckt im Auspuffrohr eines VW Golf 2.0 TDI.

Diesel-Nachrüstungen Lieber billig als nachhaltig

Stand: 02.08.2017 05:11 Uhr

Die Fahrzeuge sollen sauberer werden - dieses Ziel steht im Mittelpunkt des Diesel-Gipfels. Dabei wollen Politik und Hersteller offenbar auf die Software-Lösung setzen. Die ist zwar billig, aber nicht so effektiv wie eine technische Umrüstung.

Von Ingrid Bertram, WDR

Es gab schon eine Reihe von Überraschungen im Diesel-Skandal. Der Rückruf des Porsche Cayenne in der vergangenen Woche war trotzdem noch mal ein Paukenschlag. 21.500 Fahrzeuge ließ Verkehrsminister Alexander Dobrindt amtlich verpflichtend zurückrufen, 6000 davon allein in Deutschland. Zudem sollen noch nicht verkaufte Autos des Modells gar nicht erst zugelassen werden. Das gilt konkret für den Cayenne mit Drei-Liter-Motor der Emissionsklasse Euro-6 aus den Baujahren 2014 bis 2017. Darin befindet sich die Betrugssoftware, die Abgaswerte illegal absenkt. Ab Herbst 2017 startet der Rückruf der bereits verkauften Porsche, bei dem die Fahrzeuge eine neue Software aufgespielt bekommen sollen.

Verkehrsminister Alexander Dobrindt | Bildquelle: dpa
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Verkehrminister Alexander Dobrindt lässt europaweit 21.500 Porsche Cayenne zurückrufen.

Das ist nur das jüngste Beispiel aus einer langen Liste von Rückrufen und Nachrüstungen im Diesel-Skandal. Hier ein Überblick: 

Audi bot schon vor Porsche freiwillig einen Rückruf der weltweit 850.000 Fahrzeuge mit Sechs- und Achtzylindermotoren der Euro-5- und Euro-6-Abgasnorm an, um eine neue Software aufzuspielen. Der Motor ist baugleich zu dem des Porsche Cayenne.

Bei Volkswagen sind es mittlerweile rund vier Millionen Fahrzeuge, die ein Software-Update bekommen sollen. Schon vor zwei Jahren ordnete das Kraftfahrtbundesamt einen verpflichtenden Rückruf von weltweit 2,4 Millionen VW-Autos der Euro-5-Norm an. Vor allem die Motoren des Typs VW EA 189 sind von der manipulierten Software betroffen. Jetzt legte VW nach und kündigte zusätzlich den freiwilligen Rückruf von rund 1,5 Millionen Diesel an, um mögliche Fahrverbote zu verhindern. Darin enthalten sind auch die Rückrufe von Audi.

Daimler will mehr als drei Millionen Dieselautos nachrüsten. Auch hier handelt es sich laut einem Sprecher um die Fahrzeuge der Euro-5- und Euro-6-Abgasnorm, die in den vergangenen fünf bis sechs Jahren gebaut wurden.

BMW hat angekündigt, die Hälfte seiner Euro-5-Flotte in Deutschland freiwillig und auf eigene Kosten nachrüsten zu lassen. Ein Konzernsprecher betonte, dass es bei BMW keine Betrugssoftware gebe. Trotzdem wolle man 350.000 Autos der Euro-5-Norm nachrüsten, um den Stickoxidausstoß zu reduzieren.

Worum es beim Diesel-Gipfel geht
tagesschau24 11:00 Uhr, 02.08.2017, Ralf Kühn, ARD-aktuell

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Software-Update umstritten

Die neue Software soll die illegale Abschaltautomatik für den reinigenden Harnstoff abstellen und somit die Stickoxidemissionen innerhalb der vorgeschriebenen Norm niedrig halten. Ob das gelingt, ist aber umstritten. Laut Auto-Experten muss, um einen geringeren Stickoxidwert zu erreichen, im Motor weniger Sauerstoff und dafür mehr Kraftstoff zugeführt werden.

Positive Erfahrungen machte der ADAC, als er Ende vergangenen Jahres an drei VW-Modellen den Kraftstoffverbrauch nach den Software-Updates testete. Laut ADAC-Sprecher Alexander Machowitz änderte sich der Verbrauch kaum. Die Stickoxidwerte sanken aber trotzdem um 20 Prozent, beim VW Polo sogar um 60 Prozent. Dennoch ist der ADAC skeptisch, da dies nur die Werte sind, die direkt am Auspuff gemessen wurden. An den Messstationen in den Städten ist die Wirkung dagegen verhältnismäßig gering, dort würden sich die Werte nur um knapp zehn Prozent reduzieren.

Hardware umrüsten wäre effektiver

VW-Skandal | Bildquelle: picture alliance / dpa
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Bei Volkswagen sind es mittlerweile vier Millionen-Fahrzeuge, die ein Software-Update bekommen sollen.

Die Hersteller setzen also auf ein Software-Update, das immer nach demselben Prinzip funktionieren soll. Effektiver wäre es aber, nicht nur ein Software-Update aufzuspielen, glaubt der ADAC, sondern auch die Hardware umzurüsten, also den Harnsäuretank. Das Update kostet die Hersteller pro Fahrzeug nur rund 70 Euro, die Umrüstung des Motors mit Systemteilen allerdings 1500 Euro allein an Materialkosten. Hinzu kämen auch noch Lohnkosten. Den Herstellern ist das womöglich zu teuer - für die Umwelt wäre es ein Gewinn: Beim Prototyp des ADAC hat ein solcher Umbau die Stickoxidwerte um 90 Prozent reduziert.

Gipfel soll Wähler beruhigen

Ein großer Durchbruch beim Diesel-Gipfel ist daher kaum zu erwarten. "Im Wesentlichen sollen die Autofahrer vor der Bundestagswahl beruhigt werden, dass sie auch weiterhin in den Städten fahren können", meint Automobil-Experte Ferdinand Dudenhöffer von der Uni Duisburg-Essen. Was fehle, sei ein Ausstiegsszenario aus der Automobilität mit Verbrennungsmotoren, wie es das in Frankreich, England oder Holland bereits gäbe. Denkbar wäre, dass der Diesel gleich hoch besteuert werde wie Benziner und Elektrofahrzeuge gefördert werden, indem sie zum Beispiel verstärkt im Öffentlichen Verkehr eingesetzt werden müssten.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 02. August 2017 um 09:00 Uhr.

Korrespondentin

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Ingrid Bertram, WDR

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