Leitzinssenkung der EZB | Bildquelle: picture alliance / dpa

Studie zu Folgen der Griechenland-Krise Deutschland ist der Krisengewinner

Stand: 10.08.2015 21:51 Uhr

Selbst im Falle eines Totalausfalls aller Griechenland-Kredite profitiert Deutschland von der Krise - so das Ergebnis einer Studie. Dank stark gesunkener Zinsen sparte der Bund seit 2010 etwa 100 Milliarden Euro. Doch die Studie erzeugt auch Widerspruch.

Deutschland profitiert einer Studie zufolge finanziell stark von der Krise in Griechenland und anderen Euro-Staaten. Dank stark gesunkener Zinsen auf deutsche Staatspapiere habe der Bund seit 2010 insgesamt etwa 100 Milliarden Euro gespart, schrieb das Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung Halle (IWH). Diese Summe lasse sich zumindest zum Teil direkt auf die Krise zurückführen.

Reint E. Gropp, Institut für Wirtschaftsforschung, über die Studie
tagesschau24 16:00 Uhr , 10.08.2015

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"Deutschland profitiert von Griechenland-Krise"

"Diese Einsparungen übertreffen die Kosten der Krise - selbst dann, wenn Griechenland seine Schulden komplett nicht bedienen würde", schreiben die Forscher in ihrer Studie. Der deutsche Anteil an den Hilfsprogrammen für Griechenland liege bei etwa 90 Milliarden Euro. "Deutschland hat also in jedem Fall von der Griechenland-Krise profitiert."

Der positive Zinseffekt für Deutschland lässt sich bereits seit Jahren beobachten. In Zeiten, in denen sich die Schuldenkrise in Euro-Staaten verschärfte, stieg die Nachfrage der Investoren nach Staatspapieren, die als sicher gelten. Die Anleger investierten ihr Geld daher vorzugsweise in Anleihen von Ländern, die von den drei großen US-Ratingagenturen die Top-Bonitätsnote AAA erhielten. Das gilt in Europa neben Deutschland nur noch für Luxemburg. Wegen der großen Nachfrage nach deutschen Staatspapieren sanken die Zinsen im Laufe der vergangenen Jahre so stark, dass Anleger teilweise sogar auf eine Verzinsung verzichteten. In einigen Fällen verdiente der Bund mit dem Schuldenmachen sogar Geld.

Zinsen wegen Krise drei Prozentpunkte niedriger

"Jedes Mal, wenn es für die Finanzmärkte in den letzten Jahren negative Neuigkeiten zum Thema Griechenland gab, fielen die Zinsen auf deutsche Staatsanleihen", schrieben die IWH-Forscher. So seien die Zinsen auf Bundesanleihen im Januar an einem einzigen Tag um 0,3 Punkte gesunken, als sich ein Sieg der inzwischen regierenden Syriza-Partei abzeichnete. Auch die Anleihen anderer Länder - etwa die der USA, Frankreichs oder der Niederlande - hätten profitiert, "aber in einem deutlich kleineren Ausmaß".

Für seine Kalkulation der deutschen Einsparungen infolge der Krise schätzte das IWH, wie sich die Zinsen auf deutsche Staatspapiere ohne die Griechenland-Krise und die Schuldenprobleme anderer Euro-Staaten entwickelt hätten. Die Differenz zwischen diesem Szenario und den tatsächlich angefallenen Zinssätzen liege bei durchschnittlich drei Prozentpunkten. Daraus errechneten die Forscher Einsparungen des Bundes in Höhe von mindestens 100 Milliarden Euro. Diese Summe wiederum entspricht mehr als drei Prozent des deutschen Bruttoinlandsprodukts.

Studie erzeugt Widerspruch

Andere Wirtschaftswissenschaftler sehen das etwas anders. "Nicht Deutschland profitiert von den Niedrigzinsen, sondern die verschuldeten Körperschaften, also Bund, Länder und Kommunen", widersprach der Wirtschaftsweise Lars Feld der Studie in der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Was der Steuerzahler an Zinsaufwand spare, büße der Bürger als Sparer wieder ein. "Die Sparer sind deutlich mehr geschädigt, das muss man gegenrechnen", so Feld.

Auch der Präsident des Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung in Mannheim, Clemens Fuest, schliesst sich dem an. Er erklärte: "Wenn die Staatsanleihen von Inländern gehalten werden, dann ist der Zinsrückgang kein Gewinn für Deutschland, sondern lediglich eine Umverteilung von den Bürgern zum Staat."

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