Co-Chef der Deutschen Bank räumt Fehler ein

Co-Chef der Deutschen Bank räumt Fehler ein

"Wir stehen in der Kritik - zurecht"

Jürgen Fitschen (Bildquelle: dpa)
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Bank-Chef Fitschen will die Vergangenheit nun "abarbeiten".

Der Co-Chef der Deutschen Bank, Jürgen Fitschen, hat nach einer Steuer-Razzia der Staatsanwaltschaft und harscher Kritik aus der Politik Fehler eingeräumt. "Wir stehen in der Kritik - zurecht", sagte Fitschen bei einer Veranstaltung in Essen. Die Vergangenheit wolle Deutschlands größtes Geldhaus nun "abarbeiten". Kein Bankgeschäft sei gut, wenn es das Vertrauen in das Institut erschüttere. Letztlich entschieden die Kunden, welche Banken überleben würden.

Es war Fitschens erster öffentlicher Auftritt nach der Großrazzia bei der Deutschen Bank vergangene Woche und nachdem bekannt geworden war, dass er sich darüber bei Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier telefonisch beschwert hatte. Zu dem Telefonat nahm Fitschen nicht direkt Stellung. Er entschuldigte sich zum Auftakt der Veranstaltung lediglich für seine heisere Stimme. In den letzten Tagen habe er "zu viel telefoniert".

Das Vorgehen der Chefetage in der wohl schwersten Krise der Deutschen Bank war auf heftige Kritik gestoßen - auch deshalb, weil Fitschen und Co-Chef Anshu Jain bei ihrem Amtsantritt im Juni versprochen hatten, die Kultur in Deutschlands größtem Bankhaus ändern zu wollen. Doch die Bank muss noch eine ganze Reihe von Skandalen aus der Vergangenheit aufarbeiten, die sehr teuer werden könnten: Hypothekenklagen in den USA gehören ebenso dazu wie die Verstrickung in die Manipulation von Referenz-Zinssätzen und der Steuerbetrug beim Handel mit CO2-Zertifikaten. Eben wegen dieser Affäre waren am vergangenen Mittwoch rund 500 bewaffnete Polizisten sowie Steuerfahnder am Hauptsitz der Deutschen Bank eingerückt. Daraufhin griff Fitschen zum Telefon.

Fraktionsübergreifende Kritik an Fitschen

Hessens Vize-Ministerpräsident Jörg-Uwe Hahn erneuerte in der "Bild"-Zeitung seine Kritik: "Ich finde es unglaublich, dass ein gestandener Banker wie Herr Fitschen auf die Idee kommt, sich bei der Politik über das Vorgehen der Ermittlungsbehörden zu beschweren", sagte der FDP-Politiker. DDeutschland sei ein Rechtsstaat. Hier steht das Recht auch über einem Herrn Fitschen und der Deutschen Bank". Die Staatskanzlei in Wiesbaden teilte am Montag mit: "Die Ermittlungen sind Sache der zuständigen Behörden." Weitere Gespräche zwischen Fitschen und dem CDU-Politiker Bouffier seien zu dem Thema nicht angesetzt.

Auch Unions-Vizefraktionschef Michael Meister und der stellvertretende SPD-Fraktionschef Joachim Poß reagierten entrüstet: "Die Banken schreien geradezu jeden Tag mit ihrem Verhalten nach einer strikteren Regulierung", sagte Poß der Nachrichtenagentur Reuters. Meister sagte dem "Handelsblatt": "Niemand steht in Deutschland über dem Rechtsstaat."

Auch Fitschen im Visier der Ermittler

Schwer wiegt, dass neben Finanzvorstand Stefan Krause auch Fitschen selbst zu den 25 Mitarbeitern der Deutschen Bank gehört, gegen die in der CO2-Affäre ermittelt wird. Sie hatten Ende 2010 die fragliche Umsatzsteuererklärung für das Jahr 2009 unterschrieben. Diese enthielt nach Erkenntnissen der Ermittler zu Unrecht erstattete Umsatzsteuer aus illegalen Handelsgeschäften mit Emissionsrechten.

Intern bemüht sich Fitschen um Schadensbegrenzung: Gegenüber seinen Mitarbeitern habe er versucht, "ein Signal nach innen" zu senden, um die Belegschaft zusammenzuhalten, heiß es nach einer Mitarbeiterversammlung. Man könne nach wie vor stolz sein, für die Deutsche Bank zu arbeiten, habe Fitschen erklärt. Wie Co-Chef Jain mit der derzeitigen Krise umgeht, ist unklar. Er hat sich in den vergangenen Tagen nicht öffentlich geäußert.

Über dieses Thema berichteten die tagesthemen am 17. Dezember 2012 um 22:15 Uhr.

Stand: 18.12.2012 09:50 Uhr

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