Logo Deutsche Bank | Bildquelle: REUTERS

Außerordentliche Aufsichtsratssitzung Deutsche Bank baut radikal um

Stand: 18.10.2015 18:09 Uhr

Die Deutsche Bank strukturiert sich grundlegend um. Im Mittelpunkt des Umbaus steht das Investmentbanking, das völlig neu geordnet wird. In der Führungsetage kommt es zu zahlreichen Personalrochaden, Top-Manager verlassen die Bank.

Mit einem grundlegenden Konzernumbau will der neue Co-Chef John Cryan die Deutsche Bank wieder auf Kurs bringen. Die Sparten werden neu zugeschnitten und die Führungsgremien neu geordnet, wie das größte deutsche Finanzinstitut nach einer außerordentlichen Aufsichtsratssitzung in Frankfurt mitteilte.

Der seit Juli amtierende neue Co-Chef Cryan hatte einen Umbau bereits angekündigt. Der ehemalige UBS-Finanzchef hatte zum 1. Juli Anshu Jain an der Führungsspitze der Bank abgelöst. Der zweite Co-Chef, Jürgen Fitschen, bleibt noch bis zur Hauptversammlung im Mai 2016 im Amt, ehe der Brite allein das Ruder übernimmt.

Investmentbanking wird aufgespalten

Leitgedanke des Aufsichtsrats beim Umbau ist es nach Konzernangaben, die "Komplexität im Management" zu verringern und damit den Kundenbedürfnissen sowie den Anforderungen der Aufsichtsbehörden besser gerecht zu werden.

Im Mittelpunkt steht das Investmentbanking, das aufgespalten wird. Der bisherige Unternehmensbereich Corporate Banking & Securities wird demnach in zwei Bereiche aufgeteilt. Weitere Veränderungen betreffen etwa die Vermögensverwaltung.

Durch den Konzernumbau kommt es zu weitreichenden Veränderungen in der Führungsstruktur. Der erweiterte Vorstand, das Group Executive Committee, werde ebenso aufgelöst wie 10 der derzeit 16 Vorstandsausschüsse, wie es hieß. Außerdem verlasse Personalvorstand Stephan Leithner die Bank. Der Co-Chef des Investmentbankings, Colin Fan, legt sein Amt nieder. Daneben gibt es zahlreiche weitere Personalrochaden im Top-Management.

Umstrukturierung bei der Deutschen Bank
tagesschau 20:00 Uhr, 19.10.2015, Sandra Scheuring, HR

Download der Videodatei

Wir bieten dieses Video in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Videodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Deutsche Bank in der Krise

Die Lage der Deutschen Bank ist schwierig. Die US-Konkurrenz ist enteilt, der Börsenkurs ist im Keller und der Ruf wegen zahlreicher Skandale beschädigt. Erst vor kurzem hatte die Deutsche Bank angekündigt, sie erwarte für das dritte Quartal einen Rekordverlust von 6,2 Milliarden Euro. Hauptgrund sind gigantische Abschreibungen vor allem auf den Wert der Tochter Postbank, von der die Deutsche Bank sich trennen will, sowie das nicht mehr so lukrative Investmentbanking. Dazu kommen weitere hohe Rückstellungen für die zahlreichen Rechtsstreitigkeiten.

Aktionäre und Mitarbeiter müssen sich auf Einbußen gefasst machen. Die Bank hatte angekündigt, die Dividende für das Geschäftsjahr 2015 zu reduzieren oder ganz ausfallen zu lassen. Es wäre das erste Jahr seit den 1950er Jahren ohne Gewinnausschüttung der Bank. Die Mitarbeiter müssen mit geringeren Boni rechnen.

Abrechnung mit Vorgängern

Cryans harter Aufräum-Kurs gilt auch als schonungslose Abrechnung mit seinen Vorgängern. Nicht nur mit dem im Juni ausgeschiedenen Anshu Jain, sondern gleich mit allen Chefs der Deutschen Bank, die seit Ende der 1990er-Jahre das Heil des Konzerns im Investmentbanking sahen. Cryan schrieb den gesamten sogenannten immateriellen Firmenwert auf die US-Bank Bankers Trust ab, durch deren Übernahme 1999 die Deutsche Bank erst eine globale Größe im Kapitalmarktgeschäft wurde.

Das Investmentbanking ließ die Gewinne der Deutschen Bank bis zur Finanzkrise in ungeahnte Höhen schießen. Doch die Erfolgsgeschichte basierte auch auf unsauberen Geschäftspraktiken - wie etwa die Milliardenstrafen im Libor-Skandal um manipulierte Zinssätze belegen. Seit Jahren reißen außerdem die Kosten für Altlasten nicht ab. Auch die Postbank-Übernahme mitten in der Finanzkrise erwies sich als teurer Fehlgriff. Das Bonner Institut sei "für mehr als den Marktwert" erworben worden, hatte Cryan kühl analysiert. Gut sechs Milliarden Euro legte die Deutsche Bank unter Josef Ackermann für die Postbank auf den Tisch. Der Plan, damit ein zweites starkes Standbein in der Heimat zu schaffen, ging aber nicht auf.

Darstellung: