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Bahnfahren wird ab Dezember teurer

Bahnfahrer zahlen ab Sonntag mehr

Sind die Preiserhöhungen gerechtfertigt?

Mit dem Fahrplanwechsel erhöht die Deutsche Bahn erneut die Preise - zum 15. Mal seit 1994. Das Unternehmen verweist auf steigende Energiekosten. Fahrgastverbände kritisieren, dass die Kunden für hausgemachte Probleme zahlen. Fest steht: Investitionen sind nötig.

Von Thorsten Wiese, tagesschau.de

Bahnfahrer kennen es. Mit dem Fahrplanwechsel im Dezember steigen bei der Deutschen Bahn die Preise - pünktlich zum Weihnachtsreiseverkehr. Das Unternehmen begründet die Preisanhebung um 2,8 Prozent - sowohl im Fern- als auch im Nahverkehr - mit gestiegenen Energiekosten.

Ein Zug des Typs ICE-T der Deutschen Bahn
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Die Bahn begründet die höheren Ticketpreise mit gestiegenen Strompreisen.

Kostentreiber seien vor allem Steuern und Abgaben, zum Beispiel Netzentgelte und die EEG-Umlage, sowie höhere Aufwendungen für den Strombezug und die Mineralölsteuer - im Personen- und Güterverkehr werden nach wie vor auch Diesel-Loks eingesetzt. Genau aufschlüsseln lässt sich der Mehraufwand laut Sprecher Jürgen Kornmann nicht. Aber auch die Personalkosten seien gestiegen, um 3,8 Prozent.

Höhere Preise, aber kein besserer Service, kritisieren Fahrgastverbände: "Die Rohstoffpreise sind gestiegen, und es hat Tarifabschlüsse gegeben, die Geld kosten", räumt Matthias Oomen von Pro Bahn ein. Dennoch sei die Preiserhöhung für Fahrgäste ärgerlich, denn sie beruhe auch auf Fehlern des Unternehmens. "Teurer Diesel muss eingekauft werden, weil die Bahn Investitionen in das Netz versäumt hat", erläutert Oomen. "Wo Oberleitungen fehlen, können Züge nicht mit Strom fahren." Und selbst der ist teurer geworden - das können Verbraucher an ihrer eigenen Stromrechnung ablesen.

Die wichtigsten Änderungen bei den Bahnpreisen im Überblick

  • Maximalpreis 2. Klasse: bisher 135 Euro, künftig 139 Euro
  • BahnCard 25 (2./1.Kl.): bisher 59/119 Euro, künftig 61/123 Euro
  • BahnCard 50 (2./1.Kl.): bisher 240/482 Euro, künftig 249/498 Euro
  • Normal- und Zeitkartenpreise steigen um 2,8 Prozent
  • Schönes-Wochenende-Ticket: bisher 40, künftig 42 Euro
  • Länder-Tickets Baden-Württemberg, Mecklenburg/Vorpommern, Niedersachsen, Rheinland-Pfalz/Saar, Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Schleswig-Holstein: plus 1 Euro; Bayern um 0,50 Euro

Preise über zehn Jahre stark gestiegen

Ist der Strom also der große Kostentreiber der Bahn? Der Grünen-Politiker Anton Hofreiter, der Vorsitzender des Verkehrsausschusses des Bundestags ist, bezweifelt das. Zuletzt sei der Strompreis an den Börsen gesunken, und als Großkunde profitiert die Bahn von Sonderkonditionen. Letzteres räumt auch Bahn-Sprecher Kornmann ein. Er macht aber geltend, die Bahn beziehe ihren Strom zum Großteil direkt über Kraftwerke und nicht über die Strombörse - von den Preissenkungen habe sie also nichts.

Tatsache ist, dass Bahn-Tickets deutlich teurer geworden sind - sowohl auf der Nah- als auch auf der Fernstrecke. Konkret verfolgen lässt sich über die Jahre nur der sogenannte Normalpreis. Seit dem Umbau des Preissystems Ende 2003 sind die Preise um rund 35 Prozent gestiegen, hat die Nachrichtenagentur dpa errechnet. Der Verbraucherpreisindex des Statistischen Bundesamtes sei im gleichen Zeitraum nur um 16,3 Prozent gestiegen. Auf der Homepage von Pro Bahn lässt sich die Entwicklung bis Ende 2011 nachvollziehen - hier ist abzulesen, dass der Preis zwischen 2003 und 2011 um 37,5 Prozent zugelegt hat. Laut Sprecher Oomen kommt der Normalpreis aber nur noch bei rund einem Drittel der gekauften Tickets zur Anwendung - die übrigen seien Käufe mit Bahncard oder anderen Vergünstigungen.

Das Bündnis "Bahn für alle" - eine Dachorganisation von Globalisierungskritikern, Umweltorganisationen, politischen Jugendverbänden und Gewerkschaften - hat die Preissteigerungen für Vielfahrer ausgerechnet. Sie mussten offenbar noch stärker drauflegen: Die Bahncard 50, mit der sich der Fahrpreis halbieren lässt, wurde in den vergangenen zehn Jahren den Angaben zufolge um 80 Prozent teurer, die Preise für Reservierungen hätten sich verdoppelt.

Die Bahn hält dem entgegen, dass ihr Preisniveau im Jahr 2003 um zwölf Prozent gesenkt worden sei. Wird das berücksichtigt, liege sie mit ihren Anhebungen unter der Inflationsrate. Außerdem liege sie mit der Preissteigerung von 2,8 Prozent unter den Werten der Bahnen in mehreren Nachbarländern.

Preiserhöhungen der Deutschen Bahn
FernverkehrNahverkehr
Dezember 2012+ 2,8 %+ 2,8 %
Dezember 2011+ 3,9 %+ 2,7 %
Dezember 2010-+ 1,9 %
Dezember 2009+ 1,8 %+ 1,8 %
Dezember 2008+ 3,9 %+ 3,9 %
Dezember 2007+ 2,9 %+ 2,9 %
Januar 2007+ 5,6 %+ 3,9 %
Dezember 2005+ 2,9 %+ 2,9 %
Dezember 2004+ 3,5 %+ 3,9 %
April 2004+ 3,4 %-
Dezember 2003-+ 4,1 %
Dezember 2002Neues Preissystem

Deutsche Bahn erhöht die Preise im Nah- und Fernverkehr
tagesschau 16:15 Uhr, 09.12.2012, Kerstin Breinig, RBB

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"Die Bahn schröpft die Kunden"

Sind die Preiserhöhungen also gerechtfertigt? Kornemann listet einige Verbesserungen für Kunden auf: Künftig gelte die sogenannte City-Funktion bei Fahrten von mehr als 100 Kilometern Entfernung mit einer Bahncard nun auch für den Startort. Fahrgäste dürfen mit dem Bahnticket auch dort den Nahverkehr nutzen. Auf einigen Fernstrecken mit hohem Fahrgastaufkommen bietet das Unternehmen künftig mehr durchgängige Verbindungen an - etwa zwischen Leipzig und Hamburg. Und am Freitag und Sonntag werde die Taktung auf einigen Strecken mit hohem Zuspruch erhöht.

"Die Bahn schröpft die Kunden", hält Winfried Wolf von "Bahn für alle" dagegen. Statt mit Gewinnen und dem Geld der Steuerzahler notwendige Verbesserungen anzuschieben, verhalte sie sich seit Jahren so, als wäre sie ein rein privates Unternehmen - dabei gehört sie zu 100 Prozent dem Bund, sagt Wolf. Auf Bahnsteigen im Nahverkehr und auf den Fernbahnhöfen werde immer mehr Personal abgebaut. Und mit dem Zukauf des Verkehrskonzerns Arriva mache sie anderen europäischen Staatsbahnen und Busunternehmen Konkurrenz, während in Deutschland notwendige Investitionen - etwa in ICE-Radachsen oder bei der krisengeschüttelten S-Bahn Berlin - nicht stattfinden.

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"Der Preis ist nicht alles"

Angesichts von Rekordgewinnen und wachsenden Passagierzahlen seien Investitionen im Ausland wenig nachvollziehbar, sagt auch Oomen vom Fahrgastverband Pro Bahn. "Die Deutsche Bahn betreibt mittlerweile über Arriva den kompletten Busverkehr auf Malta", fügt er hinzu. Dagegen werde das Inlandsgeschäft "zu zaghaft angegangen". Er findet, der Preis sei nicht alles - Bahnfahrer verdienten Qualität für ihr Geld. Und die gebe es nur mit Investitionen, und zwar den richtigen.

Nach wie vor würden zu wenig neue Züge gekauft - und zu wenig Züge bedeuteten "keine Reserve", also keinen Ersatz bei Zugausfällen wegen technischer Probleme. "Die Hälfte aller Verspätungen rührt von Weichen- oder Signalstörungen her", sagt Oomen - "und sie ließen sich nur durch bessere, neuere Technik verhindern."

Jüngst wurde auch noch bekannt, dass sich eine Lieferung von Zügen durch den Siemens-Konzern verzögert. Die Deutsche Bahn reagierte empört: Man könne Kunden deswegen wohl keine ausreichende Fahrzeugreserve in diesem Winter bieten, sagte ein Bahn-Sprecher. Bahn-Vorstandsmitglied Berthold Huber betonte aber, dass der Deutschen Bahn in diesem Winter auch nicht weniger Fahrzeuge zur Verfügung stünden als vor einem Jahr. Nach dem winterlichen Verkehrschaos im Dezember vor zwei Jahren dürfte das bei Reisenden zur Weihnachtszeit keine guten Gefühle auslösen.

ICE im Winter
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Im Winter 2010 wurde die Geduld zahlreicher Bahngäste an den Weihnachtstagen auf eine harte Probe gestellt - der Schnee sorgte auf vielen Strecken für Verspätungen.

Stand: 08.12.2012 10:33 Uhr

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