Deutsche-Bank-Chef John Cryan | Bildquelle: dpa

Aufsichtsrat berät Entscheidung über Deutsche-Bank-Chef

Stand: 08.04.2018 03:56 Uhr

Seit Wochen kursieren Gerüchte, dass Deutsche-Bank-Chef Cryan vor der Ablösung steht. Nun bestätigte das Geldhaus, dass der Aufsichtsrat noch heute über den Vorstandsvorsitz entscheiden wird.

Die Deutsche Bank hat mitgeteilt, dass der Aufsichtsrat noch heute über die Zukunft des Konzernchef John Cryan entscheiden wird. Am Abend soll "über den Vorstandsvorsitz beraten" werden, schrieb die Bank in einer kurzen Pflichtveröffentlichung. Es sei vorgesehen, noch am selben Tag eine Entscheidung in dieser Frage zu treffen.

Möglicher Nachfolger offen

Deutsche-Bank-Aufsichtratschef Paul Achleitner | Bildquelle: REUTERS
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Aufsichtratschef Achleitner steht unter Druck, die Führungsfrage schnell zu klären.

Mit der Mitteilung am späten Samstagabend bestätigte die Deutsche Bank mehrere Medienberichte über die bevorstehende Sitzung des Aufsichtsrates. Es wird vermutet, dass Aufsichtratschef Paul Achleitner in dem "Update-Call" die weiteren Mitglieder des Kontrollgremiums über eine mögliche Ablösung Cryan informieren will, der seit 2015 an der Spitze des größten deutschen Kreditinstituts steht. Dessen Vertrag läuft noch bis zum Jahr 2020. Wer die mögliche Nachfolge des Briten antreten könnte, ist unklar.

Cryan selbst hatte zuletzt klar gemacht, dass er an seiner Position festhalten wolle. "Ich möchte Ihnen versichern, dass ich mich weiterhin mit all meiner Kraft für die Bank einsetze und gemeinsam mit Ihnen den Weg weiter gehen möchte, den wir vor rund drei Jahren angetreten haben", schrieb er.

Anhaltende Verluste seit Amtsantritt

Seit Amtsantritt war es Cryan nicht gelungen, das schwächelnde Kapitalmarktgeschäft anzukurbeln. Drei Jahre hintereinander verbuchte die Deutsche Bank Verluste. 2017 trug insbesondere die US-Steuerreform zum abermaligen Jahresabschluss mit roten Zahlen bei. Doch auch das operative Geschäft im Anleihehandel und im Investmentbanking läuft nicht wunschgemäß. Investoren warfen Cryan vor, er sei zwar ein Kostensparer, habe aber keine Vision, wie die Deutsche Bank wieder Geld verdienen könne. Zumindest einen Teil der problematischen Themen arbeitete Cryan aber mittlerweile ab, allen voran kostspielige Rechtsstreitigkeiten.

Angesichts dieser Entwicklung war vor zwei Wochen durchgesickert, dass Aufsichtsratschef Achleitner mit der Suche nach einem Nachfolger für den Briten begonnen habe. Der Druck auf Achleitner ist groß, in der Führungsdebatte rasch für Klarheit zu sorgen.

Über dieses Thema berichtete Deutschlandfunk am 08. April 2018 um 04:00 Uhr.

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