Deutsche Bank | Bildquelle: dpa

Zahlen der Deutschen Bank Ja, sie lebt noch - und nun?

Stand: 02.02.2017 11:51 Uhr

Die Deutsche Bank - im Herbst fast totgesagt - freut sich trotz neuer Verluste von rund 1,4 Milliarden über eine Verdopplung ihres Aktienkurses und darüber, dass sie ihre größten Rechtsrisiken los ist. Eine Frage bleibt: Hat die Bank eine Strategie?

Von Heinz-Roger Dohms, tagesschau.de

Börsenkurse sind erratische Wesen, wobei man nicht einmal die vielzitierte "Trump-Rallye" bemühen muss, um einen aktuellen Beleg für diese These zu finden. Die Deutsche-Bank-Aktie tut es auch: Vier Monate ist es her, dass die Anteilsscheine des größten hiesigen Geldinstituts erstmals unter die Marke von zehn Euro rutschten. Auguren wie der angesehene US-Investor Jeff Gundlach hatten für diesen Fall nicht weniger als eine Panik vorhergesagt.

Stattdessen passierte das Gegenteil: Die Aktie erholte sich nicht nur, sondern explodierte irgendwann regelrecht. Ende Januar notierte sie schließlich bei knapp 20 Euro. Eine Verdopplung binnen 18 Wochen - Wahnsinn! Dabei liegt hinter der Deutsche Bank eigentlich das vielleicht schlimmste Jahr ihrer Nachkriegsgeschichte - schlimmer noch als das Finanzkrisenjahr 2008.

Deutsche Bank optimistisch trotz Milliarden Verlust
tagesschau 12:00 Uhr, 02.02.2017, Sandra Scheuring, HR

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14 Milliarden Dollar - das wäre kaum gegangen ...

Alles begann vor ziemlich genau zwölf Monaten, als der frisch installierte Vorstandschef John Cryan einen Horrorverlust von 6,8 Milliarden Euro vermelden musste. Es folgten bange Wochen, in denen Spekulanten offensichtlich auf den Ausfall spezieller Deutsche-Bank-Anleihen wetteten. Selbst Wolfgang Schäuble, der deutsche Finanzminister, meldete sich zu Wort, um die Investoren zu beschwichtigen.

Über den Sommer schien es dann tatsächlich, als fände das Institut ein wenig zur Ruhe. Bis die Meldung kam, das US-Justizministerium verlange von der Deutschen Bank für deren Verfehlungen auf dem amerikanischen Immobilienmarkt eine Zahlung in Höhe von 14 Milliarden Dollar. Das war nicht nur deutlich mehr Geld, als man in Frankfurt für die Beilegung dieses seit Jahren schwelenden Rechtsstreits beiseite gelegt hatte. Es war - vereinfacht ausgedrückt - sogar mehr Geld, als die Bank überhaupt zur Verfügung hatte. Das Undenkbare schien plötzlich wieder denkbar. Nämlich, dass der Bund die Deutsche Bank stützen muss. Und nun? Soll plötzlich alles wieder gut sein?

Nein, natürlich nicht - was man allein daran erkennt, dass die Deutsche Bank auch 2016 wieder einen Verlust von immerhin rund 1,4 Milliarden Euro erlitten hat, wie heute früh mitgeteilt wurde. Trotzdem kommt die Aktienrallye der vergangenen Woche nicht von ungefähr. Die im Herbst auch von seriösen Beobachtern für möglich gehaltenen Worst-Case-Szenarien sind allesamt ausgeblieben. Mag sein, dass die Deutsche Bank immer noch auf der Krankenstation liegt. In Lebensgefahr aber ist sie nicht mehr.  

... aber es wurden weniger

Das liegt vor allem an dem Vergleich, den das Geldinstitut kurz vor Weihnachten mit dem US-Justizministerium schloss. Statt der ursprünglich aufgerufenen 14 Milliarden Dollar begnügten sich die amerikanischen Behörden mit einer Zahlung von 3,1 Milliarden. Daneben musste sich die Bank zwar verpflichten, ihren Kunden in den kommenden Jahren als Wiedergutmachung für die einstigen Hypotheken-Exzesse diverse Erleichterungen einzuräumen - etwa in Form niedrigerer Zinsen. Analysten bezweifeln allerdings, dass sich daraus wirklich eine Gesamtbelastung von weiteren gut vier Milliarden Dollar ergeben wird, wie es offiziell hieß. De facto sei die Summe merklich niedriger.

In dieser Woche konnte die Deutsche Bank zudem einen weiteren Rechtsstreit zumindest teilweise zu den Akten legen. Im Gegenzug für eine Strafzahlung in Höhe von rund 600 Millionen Euro stellten Aufsichtsbehörden in Großbritannien und den USA ihre Ermittlungen in der "Russland-Affäre" ein: Es ging dabei um Geldwäsche-Aktivitäten der Moskauer Dependance des Instituts. Diese Causa galt, neben dem Skandal auf dem US-Hypothekenmarkt, als größtes verbliebenes juristisches Risiko für die Deutsche Bank. Nun hoffen sie in den Frankfurter Doppeltürmen, zumindest die schwierigsten Rechtsfälle abgearbeitet zu haben und sich wieder aufs eigentliche Bankgeschäft konzentrieren zu können.

Und plötzlich ist da ein strategisches Vakuum

John Cryan
galerie

Deutsche-Bank-Chef John Cryan

Die Sache ist nun allerdings, dass die strategischen Probleme, die angesichts der existenziell wichtigen Verhandlungen mit den Strafverfolgungsbehörden monatelang in den Hintergrund rückten, nun wieder zum Vorschein kommen - und zwar ungelöst. Zur Erinnerung: Nach der Finanzkrise hatte der zwischenzeitlich zum Vorstandschef aufgestiegene Starbanker Anshu Jain die Losung ausgegeben, die Deutsche Bank unter die fünf führenden Investmentbanken weltweit zu führen. Diese Strategie allerdings scheiterte krachend, weshalb Jain seinen Platz 2015 für den eher bodenständigen Briten John Cryan räumen musste.

Der darf nun zwar von sich behaupten, die Bank vor einer drohenden Schieflage bewahrt zu haben. Zudem hat das Institut unter Cryans Führung zumindest ein wenig Reputation zurückgewonnen - unter anderem, weil er einen teilweisen Boni-Verzicht durchsetzte, was vor allem im politischen Berlin gut ankam. Trotzdem ist auch nach mittlerweile anderthalb Jahren immer noch unklar, was der gar nicht mehr so neue Vorstandsvorsitzende mit der Bank eigentlich vorhat. Erwartungen an einen Strategiewechsel dämpfte Cryan heute: "Was wir sind, wird sich nicht grundsätzlich ändern". Die Bank werde ihren Kurs fortsetzen. "Unsere Strategie ist, eine erfolgreiche Bank zu sein", sagte er.

Das Sorgenkind Postbank

Doch was mit der Postbank passiert, ist zum Beispiel immer noch offen. Eigentlich hatte die Deutsche Bank die ungeliebte Tochter zum Verkauf angeboten, inzwischen sieht es allerdings so aus, als bleibe das in Bonn beheimatete Geldhaus - mangels Interessenten? - doch unter dem Dach der Frankfurter Mutter. Wirklich toll findet man diese Perspektive allerdings weder am Rhein noch am Main.

Dafür heißt es in letzter Zeit immer wieder, die Deutsche Bank, deren Kapitaldecke weiterhin dünn ist, wolle ihre Vermögensverwaltung abspalten und teilweise über die Börse verkaufen. Der Vorteil einer solchen Transaktion: Dank der Erlöse bliebe Cryan womöglich die Schmach erspart, die eigenen Aktionäre um frisches Kapital anpumpen zu müssen. Der Nachteil: Die Erträge aus der Vermögensverwaltung müsste man sich künftig teilen. Zu den Spekulationen sagte Konzernchef Cryan heute: "Vermögensverwaltung ist ein Kerngeschäft für uns." Und ungeachtet der politischen Turbulenzen in den USA stehe die Deutsche Bank ungemindert zu ihrem dortigen Geschäft.

So oder so: Die Aussichten bleiben vage. Gut möglich, dass die jüngste Kursrallye nicht nur sensationell war, sondern auch von kurzer Dauer.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Februar 2017 um 12:00 Uhr.

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Heinz-Roger Dohms Logo tagesschau.de

Heinz-Roger Dohms, tagesschau.de

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