Regulierung der Finanzmärkte EU will riskante Finanzwetten kontrollieren

Stand: 10.02.2012 13:11 Uhr

Mehr Kontrolle der Finanzmärkte: Die EU-Staaten und das Europaparlament haben sich auf strengere Regeln für den außerbörslichen Handel mit riskanten Finanzwetten, sogenannten Derivaten, geeinigt. Diese Geschäfte sollen künftig über eine zentrale Verrechnungsstelle abgewickelt werden.

Von Martin Bohne, MDR-Hörfunkkorrespondent Brüssel

Die EU ist erneut einen wichtigen Schritt bei der Bändigung der Finanzmärkte vorangekommen. Unterhändler des EU-Parlaments und der EU-Staaten einigten sich nach zähen Verhandlungen auf schärfere Regeln für den Handel mit Derivaten. Derivate sind Finanzprodukte, die auf die Kursschwankungen des Anlageobjekts spekulieren, egal ob Währungen, Aktien oder Rohstoffe, und die durch diese Hebelwirkung hohe Gewinne oder eben auch hohe Verluste erzielen. Der Wert dieser Termingeschäfte hat weltweit die Schwelle von 500 Billionen Euro überschritten, das Zwölffache des Weltsozialprodukts.

Strengere Regeln für riskante Finanzwetten
M. Bohne, MDR Brüssel
10.02.2012 13:34 Uhr

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Eine Ursache der Finanzkrise

Das riesige Volumen und die fehlende Transparenz dieses Marktes haben wesentlich zum Ausbruch der Weltfinanzkrise beigetragen. Der allergrößte Teil dieser risikoreichen Kontrakte wird nämlich außerhalb der Börsen gehandelt und unterliegt daher bislang keinerlei Aufsicht.

Keine Finanzwetten mehr im Verborgenen

Nun wird eine Registrierungspflicht eingeführt. Die Transaktionen müssen an eine Handelsdatenbank gemeldet werden, sodass die Aufsichtsbehörden einen besseren Überblick über das Marktgeschehen und sich aufbauende Risiken bekommen. Zudem müssen die außerbörslichen Kontrakte künftig über zentrale Clearingstellen oder Verrechnungsstellen abgewickelt werden. Das sind Mittler zwischen Käufer und Verkäufer, die gegen Gebühr das Ausfallrisiko einer der beiden Geschäftsparteien übernehmen - damit das Platzen einer Kurswette nicht zu einer gefährlichen Kettenreaktion à la Lehman Brothers führt.

Dem jetzt gefundenen Kompromiss müssen nun noch formal das Plenum des EU-Parlaments und der EU-Ministerrat zustimmen. Das Gesetz soll noch in diesem Jahr in Kraft treten. Damit löst die EU eine auf dem G20-Gipfel 2009 in Pittsbrugh gegebene Verpflichtung ein. Die USA und Japan haben ähnliche Regeln für den Derivate-Handel bereits eingeführt.

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