Maschinen von Delta und Northwest | Bildquelle: REUTERS

Delta und Northwest vor Zusammenschluss Fusion kommt - Probleme bleiben

Stand: 15.04.2008 17:38 Uhr

Von der ersten "wirklich globalen Airline" schwärmen die Bosse von Delta und Northwest. Doch die geplante Fusion löst kaum Probleme, sondern schafft sogar neue: Die unterschiedliche Bezahlung in den Gesellschaften ist noch genauso strittig wie der geplanten Jobabbau.

Von Thomas Schmidt, ARD-Hörfunkstudio New York

Maschinen von Delta und Northwest | Bildquelle: REUTERS
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Vor einer Fusion: Delta und Northwest wollen gemeinsam "die erste globale Airline" werden.

Die beiden Bosse – Richard Anderson für Delta und Douglas Steenland für Northwest – bemühten sich um Rückenwind für ihren Deal: Der Zusammenschluss beider Gesellschaften könne doch nur im Interesse der Fluggäste liegen, sagt Anderson. Verbindungen in mehr als 400 Städte in 67 Ländern stünden für die "erste wirklich globale Airline" der Welt.

Global vielleicht, aber auch automatisch erfolgreich? Delta und Northwest sind nach der Fusion zwar Weltspitze bei den Passagierzahlen. Lufthansa fliegt dagegen weniger Fluggäste, aber mit deutlich mehr Profit - und das Bündnis aus Air France und KLM ist beim Umsatz ganz weit vorn.

Piloten kündigen bereits Proteste an

Aber die neue Super-Airline hat nicht nur bei der Wirtschaftlichkeit Probleme. Bislang gibt es keine Einigung über einheitliche Pilotengehälter – ein Konfliktpotenzial, dass das junge Gespann schwer belasten könnte. Denn die schlechter gestellten Northwest-Kapitäne kündigten bereits ihren Protest an. Northwest-Chef Steenland gab sich allerdings zuversichtlich, dass eine Einigung mit harter Arbeit doch noch vor Inkrafttreten der Fusion erreicht werden kann. Aber selbst dann bleiben soziale Probleme: Die Beschäftigtenzahl beider Unternehmen soll 75.000 nicht überschreiten, rund 2.000 weniger als zurzeit unter Vertrag sind. Northwest-Chef Steenland machte allerdings klar, dass es "keine Entlassungen" geben werde.

Infografik: Passagierzahlen 2006
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Infografik: Passagierzahlen 2006

"Den Gürtel enger schnallen"

Der Kostendruck lastet auf der neuen Kombi-Airline genau so drückend wie zuvor auf den Einzelgesellschaften. Neue Sicherheitsvorschriften, scharfer Wettbewerb und ein Preisanstieg bei Rohöl auf 112 Dollar pro Barrel zwingen dazu, "den Gürtel enger zu schnallen", so Northwest-Chef Steenland.

Delta als drittgrößte US-Airline wird die kleinere Nummer fünf Northwest für gut drei Milliarden US-Dollar per Aktientausch schlucken. Pro Jahr soll dies eine Milliarde Dollar einsparen. Wie drängend das Gebot zur Sparsamkeit ist, zeigen aktuelle Zahlen des US-Luftverkehrsverbands: Während die Kerosin-Kosten in den ersten beiden Monaten dieses Jahres um 55 Prozent kletterten, gab es bei den Ticketpreisen nur magere fünf Prozent Zuwachs. Niemand weiß, wie sich der Rohölpreis in den nächsten Monaten entwickelt – die fusionsbedingte Kostenersparnis bei Delta-Northwest zahlt sich indessen frühestens Anfang kommenden Jahres aus. Beobachter gehen daher davon aus, dass Kunden künftig zwar mit einer "globalen Airline" fliegen werden, aber wohl kaum zu günstigeren Ticketpreisen.

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