Ein Mitarbeiter mit einem weißen Baumwollhandschuh befestigt einen Mercedes-Stern. | Bildquelle: picture alliance / dpa

Daimler legt Zahlen vor Totalschaden durch Trumponomics?

Stand: 01.02.2017 13:59 Uhr

Etwa jeder sechste Mercedes wird in den USA verkauft. Trumps Abschottungspolitik könnte Daimler entsprechend teuer zu stehen kommen. Bislang duckte sich der Konzern weg, Kritik gab es kaum. Muss Daimler seine Strategie grundlegend ändern?

Von Daniel Hechler, SWR

Am Tag nach dem Wahlsieg von Donald Trump übte sich Dieter Zetsche noch in Zweckoptimismus: "Das, was sich im Wahlkampf abspielt, beschreibt nur begrenzt, was man anschließend zu erwarten hat", so der Vorstandschef der Daimler AG in der ARD.

Die Hoffnung, dass alles halb so schlimm kommt, hat sich seit dem 9. November allerdings weitgehend verflüchtigt. Die Hiobsbotschaften aus Washington wollen nicht abreißen. Noch vor seiner Amtseinführung kündigte Trump Zölle von 35 Prozent auf jedes Fahrzeug an, das Deutschlands Autobauer in Mexiko herstellen. Und das sind Hunderttausende. Freihandel war gestern.

Die Branche geht in Deckung

Am Horizont zieht ein Handelskrieg mit der Weltmacht auf. Und nun auch noch Einreiseverbote für Bürger und damit auch Spezialisten aus sieben muslimisch geprägten Ländern. Die deutsche Autobranche ist im Alarmzustand und duckt sich weg - Daimler ebenso wie all die anderen Autohersteller. Das Motto: Bloß kein Öl ins Feuer gießen.

Schriftlich teilt die Daimler AG mit, dass sie auf einen "positiven, konstruktiven Dialog mit der amerikanischen Regierung" setze. Trumps Politik wolle man nicht kommentieren. "Daimler tut gut daran abzuwarten und hinter den Kulissen das Gespräch zu suchen", meint Stefan Bratzel, Direktor der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach. "Eine offene Konfrontation könnte bei Trump zu weiteren Schnellschüssen führen mit weitreichenden Folgen für das Geschäft", so der Autoexperte.

Mercedes-Cabrio der S-Klasse | Bildquelle: AP
galerie

Luxus-Cabrios von Mercedes sind auch in den USA ein Statussymbol. Werden sie nun noch teurer?

Hoffen auf Vernunft und Einsicht

Vor die Mikrophone schicken Deutschlands Autobosse lieber Verbandschef Matthias Wissmann. Der betet seit Wochen die immer gleichen Zahlen herunter. So habe sich die Produktion deutscher Autos in den USA seit 2009 auf 850.000 Einheiten vervierfacht. 110.000 Mitarbeiter beschäftige die deutsche Automobilindustrie in den USA. Die Botschaft: Wir sind in den USA längst zu Hause und ein vorbildlicher Arbeitgeber.

Warnend fügt Wissmann gerne an, dass Abschottung ein Eigentor werden könnte. Hohe Zölle könnten gerade die Preise für Kleinwagen verteuern und damit Trumps Wähler treffen. Überhaupt sei der Marktanteil deutscher Autos in den USA mit 7,6 Prozent nur halb so hoch wie der von GM und Ford in Deutschland. Solche Fakten versucht die Branche auch über Gouverneure und Senatoren aus den Südstaaten der USA, in denen etliche deutsche Autowerke stehen, nach Washington zu kanalisieren. Doch anscheinend dringen sie damit nicht wirklich durch.

Mercedes-Cabrio, der früher Ivana Trump gehörte | Bildquelle: dpa
galerie

Übrigens: Trumps Ex-Frau Ivana fuhr früher selbst diesen flotten Mercedes. Damals war das aber noch kein Thema.

Einfuhrzölle könnten Daimler besonders hart treffen

Gerade Daimler könnten hohe Einfuhrzölle teuer zu stehen kommen. Zwar produziert der Konzern seit 1997 in Alabama SUVs und die C-Klasse. In Charleston soll künftig der Sprinter vom Band rollen. Fast eine halbe Milliarde Euro hat der Konzern für das Werk in die Hand genommen.

Allerdings sollen mehr als ein Drittel der in den USA verkauften Daimler-Lastwagen ausgerechnet aus Mexiko stammen. Zusammen mit Renault-Nissan ziehen die Schwaben dort gerade eine neue Fabrik im großen Stil hoch. 230.000 Kompaktfahrzeuge sollen in dem Werk ab 2017 jährlich vom Band rollen. Schlechtes Timing. Einfuhrzölle von 35 Prozent könnten den Import in die USA unwirtschaftlich machen, das Geschäftsmodell auf den Kopf stellen. "Das wäre ein harter Schlag für Daimler", so Autoexperte Bratzel.

Droht ein Totalschaden des alten Geschäftsmodells?

Anders als bei VW hinterließ Dieselgate bei Daimler bestenfalls ein paar Schrammen. Der Brexit könnte für die Stuttgarter durchaus ein teurer Blechschaden werden. "Trumponomics" aber, wie Trumps Wirtschaftspolitik mittlerweile gerne genannt wird, könnte zum Totalschaden des bisherigen Geschäftsmodells führen.

Stefan Bratzel empfiehlt als Antwort auf den neuen Kurs in Washington eine globale Neuaufstellung: "Mehr denn je ist eine ausbalancierte Markt- und Produktpositionierung notwendig. Es wird noch mehr in den Ländern produziert werden müssen, in denen man die Autos auch verkauft." Das heißt nichts anderes, als noch mehr Werke in den USA zu bauen und möglichst wenig dorthin zu exportieren.

Morgen nun wird Daimler-Chef Zetsche Farbe bekennen müssen. Bei der Jahrespressekonferenz des Konzerns wird er zu all den heiklen Fragen nicht mehr schweigen können. Klare Ansagen, gar eine Kampfansage an Trump, sind allerdings kaum zu erwarten. Für die Daimler AG steht zu viel auf dem Spiel.

Über dieses Thema berichtete die tagesschau am 02. Februar 2017 um 14:00 Uhr.

Darstellung: