Laptops mit Code des Petya-Trojaners | Bildquelle: REUTERS

Nach internationalem Cyberangriff Schäden noch nicht absehbar

Stand: 07.07.2017 17:52 Uhr

Die Bedrohungslage durch den Cyberangriff Ende Juni ist laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik größer als bisher angenommen - und weiterhin nicht absehbar. Mehrere Firmen melden bereits Millionenschäden, darunter internationale Großkonzerne.

Die Folgen der neuen weltweiten Cyber-Attacke von Ende Juni sind nach amtlichen Angaben weit schwerwiegender als bislang bekannt. "In einigen Unternehmen in Deutschland stehen seit über einer Woche die Produktion oder andere kritische Geschäftsprozesse still", erklärte das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) in Bonn. "Hier entstehen Schäden in Millionenhöhe." Namen nannte die Behörde nicht.

Demnach haben Analysen ergeben, dass bereits seit April in mehreren Wellen verschiedene Varianten der Schadsoftware verbreitet wurden. Die Trojaner "Petya" bzw. "NotPetya" hatte sich über Updates der in der Ukraine populären Buchhaltungssoftware M.E.Doc weltweit verteilt und Daten verschlüsselt.

Weitere Attacken jederzeit möglich

Unternehmen, die dem Anschein nach nicht betroffen waren, könnten sich deshalb nicht in Sicherheit wiegen, betont das BSI. "Wir beobachten hier, ähnlich wie im Fall WannaCry, dass die Täter über die gleichen Verbreitungswege weitere Schadsoftware verteilt haben, die sich im Gegensatz zu Verschlüsselungstrojanern nicht sofort bemerkbar machen", sagte Arne Schönbohm, Präsident des BSI. "Ihr Schadenspotenzial ist dabei allerdings mindestens ebenso hoch."

Firmen sollten deshalb Cyber-Sicherheit auch ohne akuten Anlass als Voraussetzung einer erfolgreichen Digitalisierung begreifen.

Mondelez meldet Milka-Minus

Screenshot Petya-Trojaner | Bildquelle: dpa
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Die Schadsoftware "Petya" verursachte Millionenschäden.

In den USA warnte ein erstes Unternehmen vor einem Umsatzrückgang wegen des Cyber-Angriffs: Der Lebensmittelriese Mondelez erklärte, der Umsatz im zweiten Quartal werde um drei Prozent sinken. Die Schadsoftware habe in den letzten vier Tagen des zweiten Quartals Ende Juni vor allem die Auslieferung von Produkten und die Abrechnungen betroffen. Zudem seien "unerwartete Kosten" entstanden.

Das Milka-Werk von Mondelez in Lörrach an der Grenze zur Schweiz etwa hatte Medienberichten zufolge mehrere Tage lang teilweise komplett stillgestanden. Mitarbeiter seien nach Hause geschickt worden, Lieferanten erhielten keine Ware. In dem Werk werden täglich bis zu 4,5 Millionen Schokoladentafeln hergestellt. Der Berliner "Tagesspiegel" berichtete, in mehreren Berliner Filialen von Edeka und Lidl gebe es keinen Philadelphia-Frischkäse der Sorte "Klassisch" mehr - Philadelphia ist auch eine Mondelez-Marke.

Beiersdorf ebenfalls betroffen

Nivea-Creme
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Beim Nivea-Hersteller Beiersdorf musste die Produktion für mehrere Tage gestoppt werden.

Auch der Konsumgüterkonzern Beiersdorf, Hersteller etwa von Nivea, kämpft noch mit den Folgen: Die Produktion laufe noch nicht überall auf vollem Niveau, sagte eine Sprecherin dem "Tagesspiegel".

In der Ukraine und in Russland waren laut dem auf Internetsicherheit spezialisierten Unternehmen IB insgesamt rund 80 Unternehmen betroffen. In Europa berichteten auch der britische Werbekonzern WPP, der französische Industriekonzern Saint-Gobain und die dänische Großreederei Maersk von Computerproblemen. In den USA traf es den US-Pharmakonzern Merck.

Über dieses Thema berichtete NDR Info am 07. Juli 2017 um 18:15 Uhr.

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