Commerzbank-Chef Martin Blessing  | Bildquelle: picture alliance / dpa

Keine Vertragsverlängerung Commerzbank-Chef Blessing gibt Posten ab

Stand: 01.11.2015 18:04 Uhr

Commerzbank-Chef Blessing hört auf. Er werde seinen Vertrag bis Ende Oktober 2016 zwar erfüllen, aber nicht mehr verlängern, teilte die Bank mit. Blessing steht seit 2009 an der Spitze des zweitgrößten deutschen Geldhauses.

Der Chef der Commerzbank, Martin Blessing, hat überraschend seinen Rücktritt angekündigt. Der 52-Jährige habe bekundet, dass er seinen noch ein Jahr laufenden Vertrag zwar erfüllen, aber nicht verlängern wolle, teilte die zweitgrößte deutsche Bank mit. Aufsichtsratschef Klaus-Peter Müller hatte Blessing Finanzkreisen zufolge bereits im Sommer einen neuen Vertrag angeboten.

Er habe sich über das Vertrauen, das ihm durch das Angebot einer Vertragsverlängerung entgegengegracht werde, sehr gefreut, sagte Blessing. Die Entscheidung, es abzulehnen sei ihm schwergefallen: "Denn die Bank und meine Kollegen sind mir ans Herz gewachsen." Doch nach 15 Jahren im Vorstand des Bankinstitutes wolle er nun ein "neues Kapitel in meinem beruflichen Leben aufschlagen" und 2016 sehe er als guten Zeitpunkt.

Commerzbank-Chef Blessing hört 2016 auf
Brigitte Scholtes, DLF
02.11.2015 15:31 Uhr

Download der Audiodatei

Wir bieten dieses Audio in folgenden Formaten zum Download an:

Hinweis: Falls die Audiodatei beim Klicken nicht automatisch gespeichert wird, können Sie mit der rechten Maustaste klicken und "Ziel speichern unter ..." auswählen.

Herausforderungen der Finanzkrise bewältigt

"Der Weg zurück zu einer nachhaltig erfolgreichen Bank ist klar erkennbar", begründete Blessing seinen Optimismus über den richtigen Zeitpunkt für einen Führungswechsel. Die durch die Finanzkrise an die Commerzbank gestellten Herausforderungen seien bereits bewältigt oder würden in den nächsten Monaten gemeistert werden können.

Aufsichtsratschef Müller habe nun Blessings Entscheidung "mit großem Bedauern zur Kenntnis genommen, aber seinen Respekt für diese Entscheidung und seine hohe Wertschätzung für die erfolgreiche Arbeit von Martin Blessing bekundet", hieß es in der Mitteilung. Blessings Zusage, seinen derzeitigen Vertrag noch zu erfüllen, gewähre der Bank genügend Zeit, um "einen geordneten Nachfolgeprozess zu gestalten".

Übernahme mitten in Krisenzeiten

Blessing führt die Commerzbank seit Mai 2009. Die Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008 hatte die Commerzbank schwer getroffen. Kurz zuvor hatte das Geldhaus die Dresdner Bank übernommen, in deren Bilanzen sich durch die Pleite große Risiken offenbarten.

Um durch die Finanzkrise zu kommen, erhielt die Bank damals mehr als 18 Milliarden Euro vom Staat und begann daraufhin ein striktes Sparprogramm. Tausende Mitarbeiter wurden entlassen. Inzwischen hat die Commerzbank aber den größten Teil der Staatshilfen zurückgezahlt. Am Montag legt die Commerzbank neue Quartalszahlen vor.

Dieser Beitrag lief am 02. November 2015 um 13:36 Uhr im Deutschlandfunk.

Darstellung: