November 2009 GM will Opel doch behalten

Stand: 30.11.2009 18:24 Uhr

Logo und Fahne des Autoherstellers Opel
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GM will Opel nun doch nicht Magna verkaufen.

Beim Versandhaus Quelle beginnt der Ausverkauf von 18 Millionen Artikeln. In den USA beantragt der Mittelstandsfinanzierer CIT Gläubigerschutz und will sich in einem geordneten Insolvenzverfahren sanieren. Es ist die größte US-Bankenpleite seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers. Und GM will Opel nun doch behalten.

01. November 2009: Der US-Mittelstandsfinanzierer CIT ist zahlungsunfähig und beantragt Gläubigerschutz, um sich in einem geordneten Insolvenzverfahren zu sanieren. Das insolvente Versandhaus Quelle startet den nach eigenen Angaben größten Ausverkauf Deutschlands mit 18 Millionen Artikeln.

02. November 2009: Die teilverstaatlichte Commerzbank meldet für das dritte Quartal einen Milliardenverlust. Der US-Autokonzern Ford verbucht dagegen für das dritte Quartal überraschend einen Milliardengewinn.

03. November 2009: Der Verwaltungsrat des Autokonzerns GM gibt bekannt, dass er Opel nicht verkauft und stattdessen in Eigenregie sanieren will. Großbritannien gewährt den teilverstaatlichten Banken Lloyds und RBS weitere Milliardenhilfen, zwingt beide Institute aber zum Verkauf hunderter Filialen und einiger Geschäftsbereiche.

04. November 2009: Der deutsche Bankenrettungsfonds SoFFin bewilligt der verstaatlichten Immobilienbank Hypo Real Estate weitere drei Milliarden Euro Hilfe.

05. November 2009: Mit Arbeitsniederlegungen und Protestaktionen wenden sich Tausende Opel-Mitarbeiter an den vier deutschen Standorten gegen den Verbleib bei GM. Teile des Versandhauses Quelle einschließlich der Rechte an der Marke Quelle werden vom Konkurrenten Otto übernommen. Der insolvente Modekonzern Escada wird an die Familie des indischen Stahl-Magnaten Mittal verkauft.

06. November 2009: Der GM-Europachef Carl-Peter Forster soll vor der Opel-Sanierung das Unternehmen verlassen - parallel tauschen die Bundesländer ihren Vertreter im Opel-Treuhandbeirat aus. Nach neuerlichen Milliardenverlusten braucht der US-Hypothekenfinanzierer Fannie Mae weitere Staatshilfen in Höhe von 15 Milliarden Dollar. Die US-Arbeitslosenquote steigt infolge der Wirtschaftskrise zum ersten Mal seit 1983 wieder über die Zehn-Prozent-Marke.

07. November 2009: Die Mitarbeiter der Arcandor-Tochter Karstadt verzichten auf 150 Millionen Euro, um ihrem insolventen Unternehmen das Überleben zu sichern.

09. November 2009: In Essen treffen sich die Gläubiger des insolventen Arcandor-Konzerns. Viel Hoffnung auf eine Bezahlung ihrer Forderungen kann ihnen der Insolvenzverwalter nicht machen.

10. November 2009: Die Karstadt-Gläubiger stimmen einer Fortführung des Geschäftsbetriebs zu. Sechs Häuser werden allerdings geschlossen, elf weitere stehen auf dem Prüfstand. Nick Reilly wird Übergangschef von GM Europa; GM gerät wegen seiner Entscheidung, Opel nicht zu verkaufen, ins Visier der Kanzlerin und der gescheiterten Käufer Magna und Sberbank. Die Bayern-LB rechnet mit einem erneuten Milliardenverlust.

11. November 2009: Bei der Versammlung der Gläubiger des insolventen Versandhändlers Quelle verteidigt Insolvenzverwalter Görg seinen Kurs. Das Ende des Traditionsunternehmen ist besiegelt: Es werden keine Anträge mehr gestellt. Bundeswirtschaftsminister Brüderle kritisiert den Umgang des US-Autokonzerns General Motors mit Opel. Der verstaatlichte Immobilienfinanzierer HRE fährt im dritten Quartal einen Verlust von 574 Millionen Euro ein.

12. November 2009: Der Energieversorger RWE bekommt die Wirtschaftskrise zu spüren und verzeichnet Rückgänge bei Umsatz und Ergebnis. Der Autobauer BMW konnte selbst in der globalen Krise seinen Absatz in China steigern, jetzt will er ein weiteres Werk in dem Land errichten. Vom Weihnachtsgeschäft in der Krise erwartet der Handel in diesem Jahr ein Minus - wenn auch kein so großes, wie zunächst befürchtet. Die Klage ehemaliger HRE-Kleinaktionäre gegen die Verstaatlichung wird möglicherweise dem Europäischen Gerichtshof (EuGH) vorgelegt. Das stellte das Landgericht München in Aussicht.

13. November 2009: Die deutsche Wirtschaft erholt sich schneller als gedacht: Im dritten Quartal legte das Bruttoinlandsprodukt im Vergleich zum Vorquartal real um 0,7 Prozent zu. Die Wirtschaftsweisen sind verhalten optimistisch: In ihrem Jahresgutachten erwarten sie für 2010 ein Wachstum von 1,6 Prozent. Die Bundesagentur für Arbeit teilt mit, dass die Zahl der vermuteten Betrugsfälle beim Kurzarbeitergeld rasant ansteigt. Es gibt Verwirrung um die Pläne von GM: Während Wirtschaftsminister Brüderle erfahren haben will, dass US-Konzern die Sanierung der Tochter Opel aus eigener Kraft finanzieren will, spricht der Konzern davon, auch deutsche Staatshilfe in Anspruch nehmen zu wollen.

14. November 2009: Wirtschaftsminister Brüderle weist die Kritik der Wirtschaftsweisen an den Steuersenkungsplänen der Regierung zurück.

16. November 2009: Trotz Wirtschaftskrise gibt sich Airbus-Chef Tom Enders im Interview mit der ARD optimistisch. GM erwirtschaftet auch im ersten Quartal nach der Insolvenz einen Milliardenverlust, sieht aber dennoch eine Trendwende. Bund und Länder streiten über Staatshilfe für die deutsche GM-Konzerntochter Opel.

20. November 2009: Neue Hoffmann für Karmann: Volkswagen will Teile des insolventen Auftragsfertigers übernehmen und am Standort Osnabrück wieder 1000 Arbeitsplätze in der Autoproduktion schaffen. Bundesregierung und Bankenbranche streiten offen über die richtigen Konsequenzen aus der Finanzkrise. So warnten Spitzenpolitiker, darunter Kanzlerin Merkel, davor, leichtfertig zur Normalität zurückzukehren.

21. November 2009: Mehrere EU-Staaten haben offenbar dem Opel-Mutterkonzern GM finanzielle Unterstützung angeboten, um die Werke im jeweiligen Land zu retten, berichtet der "Spiegel".

22. November 2009: Bundesarbeitsminister Jung kündigt an, dem Kabinett eine Verlängerung der krisenbedingten Sonderregelungen zur Kurzarbeit vorzuschlagen.

23. November 2009: Die HSH Nordbank will auf weitere Staatshilfe verzichten und sich das Geld lieber auf dem Kapitalmarkt besorgen. Anders als die Großkonzerne haben die kleineren und mittleren Unternehmen trotz Krise auch 2008 ihre Investitionen insgesamt erhöht, wie aus dem KfW-Mittelstandspanel hervorgeht. Beim Opel-Gipfel in Brüssel kommen die EU-Staaten überein, künftig bei Verhandlungen mit GM mit einer Stimme zu sprechen.

24. November 2009: Noch hält GM den Opel-Sanierungsplan unter Verschluss, aber ein paar wichtige Punkte teilt GM-Europachef Reilly schon mit: Die Werke in Bochum und Kaiserlautern dürfen bleiben. Die Kurzarbeit - wichtiges Instrument gegen Arbeitslosigkeit in der Krise - soll verlängert werden. Darüber sind sich Kanzlerin, Arbeitgeber und Gewerkschaften einig. Leasing-Unternehmen verzeichnen in der Krise in diesem Jahr den größten Umsatzrückgang ihrer Geschichte.

25. November 2009: Das Bundeskabinett verlängert die Kurzarbeiter-Regelung über das Jahresende hinaus. Die zunehmende Angst vor Arbeitslosigkeit und steigende Energiepreise trüben die Verbraucherlaune im November laut GfK-Konsumklima-Index. Immer mehr Details des GM-Sanierungsplans für Opel werden bekannt: In Europa sollen knapp 9000 Stellen wegfallen, aber alle vier deutschen Werke bleiben erhalten.

26. November 2009: Ausgerechnet die Bauherren der gigantischen Palmeninsel vor der Küste Dubais haben Zahlungsschwierigkeiten. Die Geldnöte in dem einstigen Boom-Emirat erschüttern die Finanzmärkte. Seit mit der Wirtschaftskrise die Nachfrage nach chinesischen Produkten einbrach, wird die Überproduktion zum Problem.

27. November 2009: Das DIW sagt für das vierte Quartal ein Wirtschaftswachstum von 0,8 Prozent voraus.

30. November 2009: Infolge der Finanzprobleme Dubais verzeichnen die arabischen Börsen hohe Kursverluste. Das insolvente Versandhaus Quelle beendet nach einem Monat seinen Internet-Ausverkauf. Die Opel-Treuhandgesellschaft wird aufgelöst und der 65-Prozent-Anteil zurück an den US-Mutterkonzern General Motors überagen.

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