Juli 2009 Startschuss für die Bad Banks

Stand: 31.07.2009 16:54 Uhr

Bundesadler mit Schriftzug Bad Bank
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Im Fall der Pleite einer Bad Bank haftet der Staat.

Nach langen Verhandlungen macht die Große Koalition im Bundestag den Weg für die Bad Banks frei. Sie sollen die Banken von ihren Schrottpapieren befreien. Unterdessen mehren sich die Hinweise, dass die deutsche Wirtschaft den Tiefpunkt der Rezession hinter sich gelassen hat. Doch bei einigen angeschlagenen Konzernen geht der Überlebenskampf weiter.

01. Juli 2009: Der deutsche Maschinenbau meldet für Juni erneut einen drastischen Auftragseinbruch: Das Minus gegenüber dem Vorjahresmonat liegt bei 48 Prozent.

02. Juli 2009: Dank der Abwrackprämie setzen die Autohersteller im Juni 40 Prozent mehr Pkw in Deutschland ab als ein Jahr zuvor und heben ihre Prognose für die Neuzulassungen 2009 auf 3,5 Millionen Fahrzeuge an.

03. Juli 2009: Der Bundestag beschließt das Bad-Bank-Gesetz. Beim insolventen Versandhaus Quelle plant der Insolvenzverwalter einen Stellenabbau. Wegen Finanzierungsproblemen wird auch der Druck des Katalogs gestoppt.

06. Juli 2009: Ein US-Konkursgericht erlaubt den geplanten Umbau des Autokonzerns General Motors mit dem Verkauf der profitabelsten Konzernteile an ein neues Unternehmen, das mehrheitlich in Staatsbesitz sein soll.

07. Juli 2009: Die deutsche Industrie vermeldet für Mai ein überraschend hohes Auftragsplus von 4,4 Prozent. Auch die Stahlbranche verzeichnet wieder Zuwachsraten. Die EU-Finanzminister lehnen den Vorstoß der Bundesregierung ab, die Eigenkapitalvorschriften für Banken zu lockern, um damit die Kreditvergabe zu erleichtern.

08. Juli 2009: Die deutsche Industrie meldet für Mai den stärksten Produktionszuwachs seit 1991. Der Internationale Währungsfonds korrigiert seine Wachstumsprognosen für 2010 nach oben.

09. Juli 2009: Die deutschen Exporte legen im Mai minimal gegenüber April zu. Der Internationale Währungsfonds gewährt Bosnien-Herzegowina einen Milliardenkredit, um die Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise zu bewältigen.

10. Juli 2009: GM beendet das Insolvenzverfahren und gründet einen neuen Konzern. Nachdem alle Verträge ausgearbeitet und unterzeichnet sind, geben die Banken den Massekredit für Quelle frei. Wegen der anhaltenden Flaute im Lkw-Geschäft weitet der MAN-Konzern im zweiten Halbjahr die Kurzarbeit massiv aus. Die Verhandlungen über die Zukunft von Opel sind verworren: Der Deal mit Magna ist noch nicht unter Dach und Fach, und auch andere Interessenten lassen nicht locker. Nach Einschätzung des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) hat sich die Rezession deutlich abgeschwächt.

12. Juli 2009: Der Poker um Opel geht weiter: Bei GM heißt es, der Konzer sei mit allen drei Bietern im Gespräch. Die Arbeitgeber bemängeln, dass die deutschen Banken die günstigen Zinsen der Notenbanken nicht an die Firmen weitergeben würden.

13. Juli 2009: In der Wirtschaftskrise schmilzt das Finanzpolster der Bundesagentur für Arbeit schneller dahin als erwartet: Reserven von 16,7 Milliarden Euro werden am Ende dieses Jahres fast aufgebraucht sein. Nachdem die Finanzierung gesichert scheint, nehmen die Druckerein nach fast zweiwöchiger Unterbrechung Druck und Auslieferung des Quelle-Katalogs wieder auf.

14. Juli 2009: Der ZEW-Index fällt überraschend. Im Bieterkampf um Opel fahren die Arbeitnehmervertreter schwere Geschütze auf und wehren sich lautstark gegen den Interessenten RHJ. Die Investmentbanker von Goldman Sachs stehen längst wieder glänzend da und warten im zweiten Quartal mit einem Gewinn von 2,7 Milliarden Dollar auf. Nach monatelanger Kurzarbeit will der Autohersteller BMW die Produktion in seinen deutschen Werken zum Start neuer Modelle wieder hochfahren.

16. Juli 2009: Trotz der weltweiten Krise wächst Chinas Wirtschaft im zweiten Quartal um 7,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahreszeitraum - vor allem dank eines staatlichen Konjunkturprogramms. Nach Goldman Sachs legt auch J.P. Morgan Chase gute Zahlen vor und schließt das zweite Quartal mit einem überraschend hohen Gewinn ab. Die Lufthansa will sich mit einem Sparprogramm, das unter anderem den Abbau von rund 400 Stellen vorsieht, vor Milliarden-Verlusten retten. Der vor gut vier Wochen angetretene Arcandor-Sanierer Horst Piepenburg wirft das Handtuch.

17. Juli 2009: Der belgische Finanzinvestor RHJ präzisiert seine Pläne für eine Opel-Übernahme und wehrt sich gegen den Vorwurf, lediglich als Strohmann für GM zu fungieren. Die guten Nachrichen aus der Bankenbranche reißen nicht ab: Nach Goldman Sachs und J.P. Morgan melden jetzt die Bank of America und die Citigroup jeweils einen Milliardengewinn im abgelaufenen Quartal.

18. Juli 2009: Einem "Spiegel"-Bericht zufolge prüfen die Banken beim insolventen Handels- und Touristikkonzern Arcandor nun auch eine Zerschlagung.

20. Juli 2009: Die vom Mutterkonzern GM gesetzte Frist für die Abgabe von Geboten für die Konzerntochter Opel läuft ab. Der insolvente Porzellanhersteller Rosenthal findet einen Investor, der die verbliebenen Standorte und Arbeitsplätze erhalten will.

21. Juli 2009: Die Mitarbeiter der insolventen Warenhauskette Hertie erhalten ihre Kündigungen - und wahrscheinlich kein Geld. Die Krise lässt die Urlaubspreise fallen - und auch französische Edelweine sind deutlich billiger geworden.

22. Juli 2009: Nach Angaben der Bundesagentur für Arbeit werden Jüngere besonders hart von der Krise getroffen - die Zahl der Arbeitslosen in dieser Gruppe steigt deutlich. Goldman Sachs kauft sich aus dem US-Bankenrettungspaket frei.

23. Juli 2009:Entscheidung im Machtkampf um Porsche: Wiedeking geht, Porsche wird in den VW-Konzern integriert. Nachwehen einer Beinah-Pleite: HRE-Aktionäre ziehen vor Gericht und verklagen die frühere Führung auf Schadenersatz.

24. Juli 2009: Der ifo-Geschäftsklimaindex steigt zum vierten Mal in Folge - und erstmals seit langem sehen die befragten Unternehmen auch die aktuelle Lage wieder etwas optimistischer. Microsoft beschließt sein Geschäftsjahr mit einem kräftigen Minus bei Umsatz und Gewinn.

25. Juli 2009: In den USA zeichnet sich eine weitere große Bankenpleite ab. Diesmal ist die texanische Guaranty Financial Group betroffen.

27. Juli 2009: Die EU-Außenminister leiten - trotz Bedenken einiger Mitgliedsländer - das Beitrittsgesuchs Islands an die EU-Kommission zur Prüfung weiter. Das ifo-Institut kommt in einer Studie zu dem Schluss, dass viele Unternehmen, die Kunden bei Geschäfts- oder Landesbanken sind, schwer an Kredite kommen. Leichter haben es demnach die Kunden der Genossenschaftsbanken. Der HRE-Untersuchungsausschuss hört - obwohl Sommerpause ist - in dieser Woche zahlreiche Zeugen, unter ihnen Deutsche-Bank-Chef Ackermann und Bafin-Chef Sanio.

28. Juli 2009: Angesichts neuer Milliardengewinne bei der Deutschen Bank bekommt die Diskussion über das Risiko des Investmentbankings neue Nahrung.

29. Juli 2009: Einige Aktionäre der fast komplett verstaatlichten Hypo Real Estate streben eine Schadesersatzklage von mindesten 200 Millionen Euro an. Bundesfinanzminister Steinbrpück ist nicht erfreut. Die Preise in Deutschland sind vorläufigen Zahlen des Statistischen Bundesamtes zufolge erstmals seit 22 Jahren ins Minus gerutscht. Rund um die Welt schreiben Autohersteller Verluste - unter ihnen ist auch Daimler. Der Internationale Währungsfonds weitet Kredite für arme Länder aus.

30. Juli 2009: Im Juli klettert die Arbeitslosigkeit um 0,1 Prozentpunkte auf 8,2 Prozent. Der Bankendienstleister Schufa berichtet, dass die Finanzkrise sich bei den Verbraucherkrediten nicht bemerkbar mache.

31. Juli 2009:Die Fluggesellschaften leiden dagegen unter der Wirtschaftkrise und legen negative Quartalszahlen vor.

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