Juni 2009 General Motors muss in die Insolvenz

Stand: 02.07.2009 16:47 Uhr

GM-Logo neben einem Auto des Konzerns
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General Motors hat bereits mehrere Sanierungskonzepte vorgelegt.

Trotz aller Milliardenkredite, Rettungspläne und Sanierungsversuche: Nach einer mehr als 100-jährigen Geschichte muss der US-Autobauer General Motors Insolvenz anmelden. Der Konzern hofft nun auf einen schnellen Neuanfang.

01. Juni 2009:General Motors stellt einen Insolvenzantrag. Konzernchef Henderson hat aber trotzdem Zukunftspläne für den Autobauer. Beim ebenfalls insolventen Konkurrenten Chrysler darf Fiat einsteigen. Die Karstadt-Mutter Arcandor kämpft weiter um Staatshilfen.

02. Juni 2009: Ein US-Richter gibt einen staatlichen Milliardenkredit für GM frei; außerdem verkündet der Konzern den Verkauf seiner Marke Hummer. In Deutschland wächst nach der Opel-Hilfe und der Arcandor-Diskussion die Kritik an Staatshilfen - und die Angst vor einem "Dammbruch" bei den Staatshilfen. Die Aktionäre der Hypo Real Estate stimmen nach langer Diskussion der vom Bund betriebenen Kapitalerhöhung zu.

03. Juni 2009: Laut Wirtschaftsminister Guttenberg spricht sich die EU-Kommissarin Kroes gegen Staatsbürgschaften für Arcandor aus.

04. Juni 2009: Die Metro konkretisiert ihre Übernahmepläne für Karstadt - und EU-Kommissar Verheugen dementiert, dass es bereits eine Festlegung zu Staatshilfen für den Karstadt-Mutterkonzern gibt.

05. Juni 2009:Arcandor beantragt bei der Bundesregierung eine Rettungsbeihilfe in Höhe von 437 Millionen Euro. Eine Arcandor-Pleite würde auch die Post treffen: 4000 Post-Mitarbeiter seien mit Arcandor-Aufträgen beschäftigt, rechnet ein Unternehmenssprecher vor. Fiat gibt die Hoffnung auf eine Übernahme des Rüsselsheimer Konkurrenten Opel noch nicht auf.

06. Juni 2009: Arcandor kann Zeitungsberichten zufolge die Mieten für seine Warenhäuser nicht mehr bezahlen. Bei den Arcandor-Beschäftigten wächst die Angst.

07. Juni 2009: Verhandlungen über eine mögliche Fusion von Karstadt und Kaufhof brachten keine greifbaren Ergebnisse.

08. Juni 2009: Die Regierung lehnt einen Antrag auf Hilfen aus dem Deutschlandfonds und später auch die als letzte Chance gehandelte Rettungsbeihilfe ab. Das Unternehmen dürfe aber einen neuen, verbesserten Hilfsantrag einreichen. Die Staatsanwaltschaft prüft derweil die Einleitung eines Ermittlungsverfahrens gegen Ex-Arcandor-Chef Middelhoff. Die Luftfahrtindustrie sieht sich in der schwersten Krise ihrer Geschichte. Der Mittelstand spürt einer BDI-Umfrage zufolge den Abschwung und hat das Jahr 2009 bereits abgehakt. US-Präsident Obama will in den nächsten 100 Tagen zehn Großprojekte starten, um 600.000 Arbeitsplätze zu schaffen oder zu sichern. Nach monatelangem Tauziehen um die Macht prüft Continental den Zusammenschluss mit Schaeffler - unter der Führung der Hannoveraner.

09. Juni 2009: Der angeschlagene Druckmaschinen-Hersteller Heidelberger Druck beantragt einen Kredit der bundeseigenen KfW-Bankengruppe sowie Staatsbürgschaften. Arcandor gibt seine Bemühungen um staatliche Finanzspritzen auf und stellt einen Insolvenzantrag. Nicht alle Konzernteile sind gleichermaßen betroffen. Die Reaktionen aus der Koalition fallen unterschiedlich aus.

10. Juni 2009: In der Bundesregierung gibt es Streit über die Arcandor-Insolvenz und die Entscheidung gegen Staatshilfen. Während die Metro weiter auf eine Ehe ihrer Tochter Kaufhof mit Karstadt drängt, will Arcandor erst einmal alle Optionen prüfen. Das Bundeskabinett billigt einen Gesetzentwurf, der das sogenannte Bad-Bank-Modell auch für die Landesbanken vorsieht. Der Konjunktureinbruch lässt die Zahl der Firmenpleiten in die Höhe schnellen. Nachdem das Oberste US-Gericht den Weg für Fiats Einstieg bei Chrysler frei gemacht hatte, vollzog der italienische Hersteller das geplante Geschäft und übernahm die Führung in Detroit.

11. Juni 2009: Japan, die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, beschleunigt die Talfahrt: Minus 3,8 Prozent im ersten Quartal. In Amerika haben die Großbanken das Vertrauen der Menschen verspielt, kleine Regionalbanken mit konservativen Strategien können sich dagegen profilieren. Die Europäische Zentralbank und das Institut für Weltwirtschaft in Kiel rechnen mit einer Rückkehr zum Wachstum im kommenden Jahr.

12. Juni 2009: Die Wirtschaftskrise droht Verbraucher- und Sozialverbänden zufolge immer mehr Privathaushalte in Deutschland in finanzielle Not zu treiben.

15. Juni 2009: Das ifo-Institut meldet, dass in der deutschen Industrie etwa jede zweite Firma über fehlende Aufträge klage. Das Wirtschaftsministerium zieht eine Zeischenbilanz der Kredit- und Bürgschaftsprogramme: Von den 40 Milliarden Euro Kreditvolumen aus den Konjunkturpaketen I und II seien bisher 1,3 Milliarden Euro bewilligt. Der BDI bemängelt das Krisenmanagement der Regierung. Ein Mittelständler habe kein Verständnis dafür, dass ein Opel- Arbeitsplatz mit 200.000 Euro gerettet werde, während er selbst keinen Kredit in dieser Größenordnung bekomme, sagte BDI-Präsident Hans-Peter Keitel zum Auftakt des Tages der Deutschen Wirtschaft.

16. Juni 2009: Der ZEW-Index zieht zum achten Mal in Folge an. GM verkauft seine insolvente Tochter Saab an die Edelschmiede Koenigsegg. Bundesweit demonstrieren Mitarbeiter der Kaufhauskette Hertie für ihre Arbeitsplätze.

17. Juni 2009: US-Präsident Obama stellt Pläne zur Reform der Finanzmarktaufsicht vor - Kurzgefasst soll Kontrolle nicht mehr die Ausnahme, sondern die Regel werden. Außerdem zahlen zehn US-Großbanken Milliardenkredite an den Staat zurück, um den Einfluss der US-Regierung auf die Unternehmen zurückzudrängen. Der Arcandor-Konzern stellt Insolvenzanträge für 15 weitere Tochterunternehmen.

18. Juni 2009: Korrektur nach oben für China: Nach einem durch das Konjunkturprogramm der Regierung angekurbelten "beachtlichen" Wachstum geht die Weltbank nun von einem Wirtschaftswachtum von 7,2 Prozent im laufenden Jahr aus. Karstadt steht offenbar besser da, als von vielen befürchtet: Das Weihnachtsgeschäft sei gesichert und der Juni-Umsatz liege höher als vor einem Jahr, sagte der Insolvenzverwalter. Eine andere Arcandor-Tochter, der Versandhändler Quelle, benötigt dagegen dringend Staatshilfe, damit unter anderem der Katalog gedruckt werden kann. Bayern gibt seine Zusage, sich an einer Bund-Länder-Bürgschaft zu beteiligen. Die angeschlagene Mittelstandsbank IKB benötigt nach Informationen aus Finanzkreisen weitere Milliardenhilfe vom Staat. Die EU-Staats- und Regierungschefs einigen sich bei ihrem Gipfel in Brüssel auf Grundzüge einer Reform der Finanzaufsicht.

19. Juni 2009: Nach dem US-Repräsentantenhaus verabschiedet auch der Senat eine Abwrackprämie für spritfressende Autos. Angesichts versprochener staatlicher Finanzspritzen machen die Banken Zusagen, die den Druck des Katalogs des angeschlagenen Versandhändlers Quelle ermöglichen.

21. Juni 2009: Ex-Arcandor-Chef Middelhoff weist alle gegen ihn im Zusammenhang mit der Insolvenz des Konzerns erhobenen Vorwürfe zurück. Im Gegenteil: Er habe Karstadt im Jahr 2004 sogar gerettet.

22. Juni 2009: Der Ifo-Geschäftsklimaindex steigt zum dritten Mal in Folge leicht an. Weitere Interessenten für bestimmte Karstadt-Filialen melden sich: der Betreiber von Shopping-Centern, Mfi sowie das Immobilienunternehmen Deutsche Euroshop. Bei dem insolventen Cabrio-Hersteller Karmann rollt das letzte Auto vom Band. Jetzt macht die Firma erst einmal als reiner Zulieferer weiter. Finanzaufsicht und Islands Regierung geben grünes Licht: Der Auszahlung der Sparguthaben der deutschen Kunden der isländischen Kaupthing Bank steht nichts mehr im Wege. Auf die ärmsten Länder wirkten sich die Folgen der globalen Wirtschaftskrise besonders dramatisch aus, warnt die Weltbank.

23. Juni 2009: Die globale Wirtschaftskrise trifft den Exportweltmeister Deutschland immer härter: Die deutschen Ausfuhren stürzen ab. Die Verbraucherstimmung in Deutschland zeigt nach einigen Monaten der Stagnation aber einen leichten Aufwärtstrend. Nach Einschätzung des Ifo-Instituts kommt die deutsche Wirtschaft auch im kommenden Jahr noch nicht wieder auf die Beine. GM bringt mit Überlegungen zu einer Rückkaufoption für Opel den Betriebsrat gegen sich auf.

24. Juni 2009: Angesichts der Rekord-Neuverschuldung, die das Kabinett mit dem Haushalt 2010 beschließt, kritisiert DIW-Präsident Zimmermann die Ankündigung von Steuersenkungen in einigen Wahlprogrammen. Die Wirtschaftskrise wird den Arbeitsmarkt hart treffen: Die OECD rechnet bis Ende 2010 mit 5,1 Millionen Arbeitslosen in Deutschland.

25. Juni 2009: Der Insolvenzverwalter der Warenhauskette Woolworth stellt Pläne vor, wonach sich das Unternehmen von mehr als der Hälfte seiner 311 deutschen Filialen trennen will. Betroffen ist etwa jeder zweite der 9300 Arbeitsplätze.

29. Juni 2009: Der Bürgschaftsausschuss von Bund und Ländern bewilligt der insolventen Arcandor-Tochter Quelle einen Massekredit über 50 Millionen Euro und sichert damit zunächst deren Fortbestehen.

30. Juni 2009: Die EU-Kommission genehmigt die Finanzhilfen für die baden-württembergische Landesbank LBBW.

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