Oktober 2008 Der Monat der Rettungspakete

Stand: 21.11.2008 16:18 Uhr

Mit Möbeln vor dem Fannie-Mae-Gebäude in Washington fordern Demonstranten Hilfestellungen von der Bank (Archiv 29.10.08).
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Mit Möbeln vor dem Fannie-Mae-Gebäude in Washington fordern Demonstranten Hilfestellungen von der Bank (Archiv 29.10.08).

Nach und nach stellen die Regierungen weltweit bis dahin für unvorstellbar gehaltene Summen zur Rettung der Banken bereit. Insgesamt geht es um Billionenbeträge, von denen ein Großteil für Bürgschaften zur Verfügung gestellt wird. Allein das deutsche Paket umfasst 480 Milliarden Euro.

01. Oktober 2008: Der US-Senat stimmt dem überarbeiteten Rettungsplan für die Banken zu, der zusätzliche 100 Milliarden Dollar für Hausbesitzer und Unternehmen vorsieht. Die EU-Kommission legt Pläne für eine Beschränkung von Kreditverkäufen und eine stärkere Bankenregulierung vor.

03. Oktober 2008: Nach dem Senat stimmt auch das US-Repräsentantenhaus dem geänderten Rettungsplan für die Banken zu. US-Präsident George W. Bush macht kurz darauf mit seiner Unterschrift den Weg für das Inkrafttreten frei. Die Niederlande übernehmen Teile des Finanzkonzerns Fortis für 16,8 Milliarden Euro.

04. Oktober 2008: Das DAX-Unternehmen Hypo Real Estate gibt bekannt, dass an dem mit der Bundesregierung ausgehandelten Rettungspaket beteiligte Banken ihre Zusagen zurückgezogen haben. Das Unternehmen kämpfe ums Überleben.

05. Oktober 2008: Die Bundesregierung und die Finanzbranche einigen sich auf ein erweitertes Rettungspaket für die Hypo Real Estate, wonach zusätzlich zum vereinbarten Bürgschaftsrahmen von 35 Milliarden Euro die Banken einen Kredit in Höhe von 15 Milliarden Euro gewähren. Zudem stellt die Bundesregierung eine staatliche Garantie für alle privaten Spareinlagen in Aussicht.

06. Oktober 2008: Der Deutsche Aktienindex DAX stürzt um mehr als sieben Prozent ab, der Dow Jones Index verliert zwischenzeitlich mehr als 800 Punkte - so viel wie nie zuvor. Trotz späterer Erholung schließt der Leitindex unter 10.000 Punkten. Island stellt aus Angst vor einem Staatsbankrott das Bankenwesen unter staatliche Kontrolle.

07. Oktober 2008: Die EU-Finanzminister beschließen, "systemrelevante Finanzinstitute" zu unterstützen und europaweit Spareinlagen von mindestens 50.000 Euro zu garantieren.

08. Oktober 2008: Großbritannien beschließt eine Teilverstaatlichung der größten Banken des Landes und ein Hilfspaket mit einem Gesamtvolumen von 500 Milliarden Pfund für die angeschlagenen Institute. Viele internationale Notenbanken senken in einer konzertierten Aktion ihre Leitzinsen.

09. Oktober 2008: Trotz der Leitzinssenkungen setzt sich die Talfahrt an den internationalen Börsen fort. Der Dow Jones Index schließt nach einem Minus von mehr als sieben Prozent zum ersten Mal seit 2003 wieder unter 9000 Punkten. Der Deutsche Aktienindex DAX rutscht zum Handelsschluss deutlich unter die Marke von 5000 Punkten.

10. Oktober 2008: Die Finanzminister der sieben führenden Industrienationen (G7) beschließen einen gemeinsamen Aktionsplan zur Überwindung der globalen Finanzkrise. Die Börsen setzen ihre rasante Talfahrt fort, der DAX liegt zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent im Minus.

12. Oktober 2008: Die Mitgliedsländer der Eurozone einigen sich auf einem Sondergipfel auf gemeinsame Regeln für nationale Rettungspläne zugunsten des Finanzsektors. Sie erklären das gemeinsame Ziel, Banken vor dem Zusammenbruch zu bewahren.

13. Oktober 2008: Die Bundesregierung einigt sich auf ein Banken-Rettungspaket mit einem Volumen von 480 Milliarden Euro. Mit bis zu 400 Milliarden Euro bürgt der Staat für Kredite von Banken untereinander, weitere 80 Milliarden Euro werden für eine Beteiligung des Staates am Eigenkapital der Kreditinstitute bereitgestellt. Auch Frankreich, die Niederlande, Österreich und Spanien beschließen milliardenschwere Rettungs- und Stützungspakete für den Finanzsektor.

14. Oktober 2008: Die US-Regierung gibt bekannt, dass sich der Staat mit bis zu 250 Milliarden Dollar an den Banken beteiligt. Außerdem garantiert die Einlagensicherung FDIC für Kredite zwischen den Banken. In Deutschland können sich die Länder nicht mit dem Bund über ihre Beteiligung am Banken-Rettungspaket einigen. Die führenden Wirtschaftsforschungsinstitute senken ihre Wachstumsprognose wegen der Krise von 1,4 auf 0,2 Protent und sehen "Deutschland am Rande einer Rezession".

15. Oktober 2008: Die USA geben das größte Haushaltsdefizit der Geschichte bekannt. Die Bundesregierung verteidigt ihr 480-Milliarden-Rettungspaket im Bundestag. Die EU-Kommission lockert die Bilanzierungsregeln für Banken und erhöht die Garantien für die Konteninhaber. Der EU-Gipfel billigt den Plan der Euro-Länder gegen die Krise.

16. Oktober 2008: Der EU-Gipfel kündigt nun auch Hilfe für die Industrie an - in welcher Form und Höhe, bleibt allerdings unklar. Die Bundesregierung korrigiert ihre Wachstumsprognose für 2009 von 1,2 Prozent auf nur noch 0,2 Prozent. Bund und Länder einigen sich über die Details des Banken-Rettungsplans.

17. Oktober 2008: Bundespräsident Horst Köhler unterschreibt das Gesetz für das 480-Milliarden-Rettungspaket. Zuvor hatten Bundestag und Bundesrat zugestimmt.

18. Oktober 2008: Commerzbank-Chef Martin Blessing räumt Versäumnisse der Bankenbranche ein. Man habe sich "wahrlich nicht mit Ruhm bekleckert", auch die Commerzbank habe Fehler gemacht. Deutsche-Bank-Chef Josef Ackermann sieht das anders. US-Präsident Georg W. Bush, EU-Kommissionspräsident Jose Manuel Barroso und der französische Präsident Nicolas Sarkozy vereinbaren mehrere Gipfeltreffen zur Finanzmarktkrise.

19. Oktober 2008: Die BayernLB kündigt als erste Bank, sie wolle Hilfe aus dem Banken-Rettungspaket in Anspruch nehmen. Kurt Viermetz tritt als Aufsichtsratschef der Deutschen Börse AG zurück. Zuvor hatte er bereits seinen Posten als Aufseher bei der angeschlagenen Hypo Real Estate aufgegeben.

20. Oktober 2008: Die Bundesregierung beschließt die Rechtsverordnung zur Umsetzung der Banken-Rettungspakets und knüpft die Gewährung von Hilfen dabei an eine Reihe von Bedingungen. Die Finanzmarktstabilisierungsanstalt, die den Fonds verwaltet, nimmt ihre Arbeit auf. Die Bundesregierung gibt bekannt, dass der frühere Chefvolkswirt der Bundesbank, Otmar Issing, die Expertenkommission zur Reform der internationalen Finanzmärkte leiten soll. Die deutschen Finanzkonzerne zeigen bisher wenig Interesse an staatlicher Unterstützung. Auch Schweden kündigt ein Bankenrettungspaket an - es umfasst eine Summe von rund 150 Milliarden Euro.

21. Oktober 2008: Die BayernLB nimmt als erste deutsche Bank die Unterstützung aus dem Rettungspaket in Anspruch. 5,4 Milliarden Euro sollen als Kapitalspritze fließen. Der Freistaat Bayern und die bayerischen Sparkassen sollen mit einer weiteren Milliarde Euro zur Kapitalerhöhung beitragen.

22. Oktober 2008: Nach Bekanntgabe des Milliardenlochs bei der BayernLB kündigt Bayerns Finanzminister Erwin Huber seinen Rückzug aus dem Kabinett an. Infolge einer Millionenüberweisung an die damals bereits insolvente US-Bank Lehman Brothers durchsuchen Staatsanwaltschaft und Bundeskriminalamt Geschäftsräume der staalichen Förderbank KfW. Gegen deren Vorstände wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt.

24. Oktober 2008: 13 asiatische Staaten einigen sich auf ein gemeinsames Rettungspaket mit einem Volumen von 80 Milliarden US-Dollar. Der Internationale Währungsfonds gewährt dem von Bankrott bedrohten Island einen Kredit von zwei Milliarden Dollar.

26. Oktober 2008: In der Berliner Regierungskoalition ist ein Streit darüber entbrannt, ob und wie der Wirtschaft mit Konjunkturprogrammen geholfen werden sollte.

27. Oktober 2008: Die von der Finanzmarktkrise schwer getroffenen Länder Ungarn und Ukraine erhalten Hilfen des IWF. Der Rettungsfonds der Bundesregierung nimmt offiziell seine Arbeit auf. Fast zeitgleich kündigt die Postbank nach Millionenverlusten eine Kapitalerhöhung an - und schlägt damit staatliche Hilfe aus.

28. Oktober 2008: Die BaFin stellt den Entschädigungsfall für die deutsche Tochter der insolventen US-Bank Lehman Brothers fest.

29. Oktober 2008: Die Hypo Real Estate beansprucht als erste Privatbank Mittel aus dem staatlichen Rettungsfonds. Zwei deutsche Immobilienfonds stoppen ihre Auszahlungen. Die US-Notenbank senkt erneut den Leitzins auf jetzt nur noch 1,0 Prozent.

30. Oktober 2008: Laut Finanzminister Steinbrück wollen weitere Geschäftsbanken Mittel aus dem Rettungspaket abrufen. Die Deutsche Bank wendet erstmals die neuen Bilanzierungsregeln an - und verbucht deswegen noch einen kleinen Gewinn. Die US-Wirtschaft schrumpft im dritten Quartal. Schuld daran ist vor allem die Kaufzurückhaltung der Verbraucher. Die Bundesregeirung plant Erleichterungen bei der Kfz-Steuer, um den Autoabsatz anzukurbeln.

31. Oktober 2008: Die Finanzmarktkrise erwischt immer mehr offene Immobilienfonds, seit Wochenbeginn haben elf Immobilienfonds aus Liquiditätsmangel vorläufig geschlossen. Der Bankenrettungsfonds der Bundesregierung bewilligt der Hypo Real Estate die beantragte Finanzspritze von 15 Milliarden Euro. Die isländische Finanzaufsicht stellt den Entschädigungsfall für die Kaupthing-Bank fest.

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