EU-Fahne vor dem Parlament in Athen

Juni 2015 Verhandlungen mit Athen scheitern

Stand: 09.07.2015 17:25 Uhr

Trotz zahlloser Gipfel und Sondertreffen scheitern die Gespräche zwischen den Geldgebern und Griechenland. Ministerpräsident Tsipras brüskiert mit der Ansetzung eines Referendums die Gläubiger. Das Hilfsprogramm endet ersatzlos am Monatsende.

01. Juni: Griechenlands Ministerpräsident Tsipras sieht sein Land als Opfer des Neoliberalismus.

02. Juni: Der IWF kommt Griechenland entgegen und billigt dem Land von sich aus die sogenannte "Sambia"-Option, die Bündelung fälliger Zahlung zum Monatsende. Das würde konkret einen Aufschub anstehender Zahlungen an den IWF in Höhe von 300 Millionen um fast vier Wochen bedeuten und der Regierung in Athen mehr Zeit für eine Einigung mit den Geldgebern verschaffen. Ministerpräsident Tsipras erklärt, sein Land habe die geforderten konkreten Reformvorschläge geliefert - nun müssten die Gläubiger darüber entscheiden. Die Arbeitslosenzahl in Deutschland sinkt auf 2,762 Millionen - das ist der niedrigste Mai-Wert seit 24 Jahren.

03. Juni: Der Kettcar- und Fahrradhersteller Kettler meldet Insolvenz an.

04. Juni: Griechenlands Ministerpräsident Tsipras versichert nach einem Spitzentreffen in Brüssel die nächste fällige IWF-Rate in Höhe von 300 Millionen Euro zurückzahlen zu wollen - im Gegenzug ist davon die Rede, dass Griechenland einen niedrigeren Primärüberschuss erwirtschaften müsse als bislang gefordert. Griechenland stellt allerdings klar, dass es die angebotene "Sambia"-Option des IWF nutzen und die fälligen Gelder erst am Monatsende zurückzahlen wolle.

05. Juni: Der griechische Ministerpräsident Tsipras weist in einer Parlamentsdebatte die Reformforderungen der internationalen Gläubiger als absurd zurück und pocht darauf, dass eine Einigung einen Erlass von Schulden seines Landes einschließen müsse.

07. Juni: Die Deutsche Bank gibt einen Wechsel an der Konzernspitze bekannt: John Cryan soll ab Juli den Chefposten von den beiden bisherigen Vorstandsvorsitzenden Jürgen Fitschen und Anshu Jain übernehmen.

09. Juni: Die britische Großbank HSBC kündigt an, weltweit bis zu 50.000 Stellen zu streichen. Die Regierung in Athen legt den Geldgebern abermals eine überarbeitete Liste mit Reformvorschlägen vor.

10. Juni: Die Weltbank sieht die Konjunktur der Eurozone im Aufwind und erhöht ihre Wachstumsprognose für das laufenden Jahr deutlich.

11. Juni: Im Streit über die neueste Reformliste aus Athen bringt auch ein Spitzentreffen zwischen Kanzlerin Merkel, dem franzöischen Präsident Hollande und dem griechischen Regierungschef Tsipras keinen Durchbruch. Der IWF zieht wegen der fehlenden Fortschritte sein Griechenland-Verhandlungsteam aus Brüssel ab.

14. Juni: Die EU-Kommission bricht einen Vermittlungsversuch im Streit zwischen Griechenland und den Geldgebern wegen zu deutlicher Unterschiede zwischen den Positionen beider Seiten ab.

15. Juni: Der kanadische Handelskonzern Hudson Bay's kauft für 2,8 Milliarden Euro die Warenhauskette Kaufhof. Griechenlands Ministerpräsident Tsipras drängt die Geldgeber zu weiteren Verhandlungen im Schuldenstreit und signalisiert Kompromissbereitschaft beim geforderten Primärüberschuss.

16. Juni: Der Europäische Gerichtshof erklärt das sogenannte OMT-Programm der EZB aus dem Jahr 2012 für rechtens, mit dem die Zentralbank notfalls unbegrenzt Staatsanleihen kriselnder Euro-Mitgliedsländer kaufen wollte, um die Gemeinschaftswährung zu stützen.

17. Juni: Die USA warnen vor schwerwiegenden Folgen für die Weltwirtschaft, falls die Verhandlungen über den griechischen Schuldenstreit scheitern sollten.

18. Juni: Bundeskanzlerin Merkel betont in einer Regierungserklärung im Bundestag das Ziel einer Einigung mit der Regierung in Athen - Ziel sei weiter der Verbleib Griechenlands in der Eurozone. Am Abend endet ein weiteres Treffen der Euro-Finanzminister ohne Einigung.

19. Juni: In Athen demonstrieren Tausende Menschen für den Verbleib ihres Landes in der Eurozone. Die EZB erhöht die ELA-Notkredite für griechische Banken. Die Versteigerung von Mobilfunkfrequenzen für schnelles, mobiles Internet bringt dem deutschen Staat 5,1 Milliarden Euro ein.

21. Juni: Einen Tag vor einem Sondergipfel zum Schuldenstreit mit Griechenland legt der griechische Ministerpräsidentr Tsipras den Euro-Partnern nach eigenen Angaben eine weitere Reformliste mit neuen Zugeständnissen vor.

22. Juni: Ein Sondergipfel der Staats- und Regierungschefs der Eurozone bringt zwar Fortschritte im griechischen Schuldenstreit - die Verhandlungen sollen aber zwei Tage später von den Finanzministern fortgeführt werden. Deren Ergebnisse sollen dann dem regulären EU-Gipfel am Folgetag vorgelegt werden.

25. Juni: Das am Vortag zunächst vertagte Treffen der Euro-Finanzminister zu Griechenland endet erneut ohne Einigung im griechischen Schuldenstreit. Der Schlichterspruch im Tarifstreit der kommunalen Kitas ist gescheitert.

26. Juni: Griechenlands Ministerpräsident Tsipras kündigt nach einer Kabinettssitzung an, das Volk in einem Referendum am 5. Juli über die Reformforderungen der internationalen Geldgebern abstimmen lassen zu wollen. Das am 30. Juni auslaufende Hilfsprogramm solle zu diesem Zweck um wenige Tage verlängert werden.

27. Juni: Nach der Ankündigung eines Referendums in Griechenland lehnen die Euro-Finanzminister eine Verlängerung des auslaufenden Hilfsprogramms ab, sehen keine Grundlage für weitere Verhandlungen mehr und beginnen mit Beratungen über Schutzmaßnahmen für die Eurozone gegen die Folgen der griechischen Entscheidung.

28. Juni: Griechenlands Parlament stimmt der Abhaltung eines Referendums über die Forderungen der internationalen Gläubiger zu. Die EZB hält an der Unterstützung der griechischen Banken fest - friert aber die ELA-Notkredite auf dem bestehenden Niveau von etwa 90 Milliarden Euro ein.

29. Juni: Nach dem Scheitern der Verhandlungen mit den Geldgebern bleiben die Banken in Griechenland für mindestens eine Woche geschlossen - die Kunden können maximal 60 Euro pro Tag an den Geldautomaten abheben.

30. Juni: Das Hilfsprogramm für Griechenland läuft ersatzlos aus. Die verbliebenen, noch nicht ausgezahlten Hilfsgelder verfallen. Das Land steht damit unmittelbar vor der Zahlungsunfähigkeit.

Darstellung: