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Falls die Euro-Strategen auf die Chinesen als Krisenhelfer gehofft haben, haben sie sich gründlich verkalkuliert. Denn diese haben kein Interesse an EU-Staatsanleihen, obwohl sie weiter in Europa investieren. Die neue Strategie der Chinesen lässt sich in Bedburg bei Köln in Glas und Plastik besichtigen.
Von Kirsten Rulf, WDR
Hätte mal jemand Herrn Koerdt gefragt! Der Bürgermeister von Bedburg bei Köln hätte den Brüsseler Euro-Rettern sagen können, warum die Chinesen sie auf ihren Staatsanleihen wohl sitzen lassen. Denn nur ein paar hundert Meter von Gunnar Koerdts Büro entfernt, im Bedburger Industriegebiet, kann man sich die Zukunft, die die Chinesen in Deutschland verfolgen, schon ansehen: Der chinesische Baumaschinen-Hersteller Sany hat in den vergangenen zwei Jahren hier ein riesiges Werk hochgezogen.
"Das größte Direktinvestment, das China bisher in Europa getätigt hat", sagt Koerdt stolz. Seiner 25.000-Einwohner-Stadt soll es in den kommenden fünf Jahren 600 Arbeitsplätze bringen - und wahrscheinlich einige Millionen für den kommunalen Haushalt. Den chinesischen Investoren hat es einen direkten Zugang zum europäischen Markt und deutsches Know-How durch die dort beschäftigten Ingenieure und anderen Mitarbeiter gebracht "Das ist doch eine Win-Win-Situation für beide Seiten!" betont Bürgermeister Koerdt zufrieden. "Eine echte Erfolgsgeschichte!" Eine, die den Euro-Rettern um Angela Merkel und Nicolas Sarkozy eine Warnung hätte sein können.
[Bildunterschrift: Eine Delegation mit dem stellvertretenden chinesischen Handelsministers besichtigt das Werk in Bedburg. ]Denn das Werk von Sany ist ein mit Glas und Plastik gebauter Vorbote für den Paradigmen-Wechsel der Chinesen bei künftigen Investitionen in Europa: Weg von Staatsanleihen, hin zum Kauf und Bau von Firmen und Infrastruktur, heißt die neue Marschrichtung, die Peking verstärkt seit Anfang des Jahres vorgibt. "Was die europäische Wirtschaft braucht, ist Geld als eine Art frisches Blut“, sagt Wang Yiming von der Entwicklungs- und Reformkommission, die Chinas Regime in Wirtschaftsfragen berät. "Aber wir wollen nicht Geld gleichsam wie bei einer Bluttransfusion übertragen, sondern selbst welches erzeugen, durch Investitionen."
Was das heißt, sieht man vor allem in Osteuropa: In Bulgarien wird noch in diesem Jahr eine chinesische Auto-Fabrik eröffnet, die 50.000 Autos im Jahr auf den europäischen Markt bringen soll - mindestens. Den Ungarn hat der chinesische Premier Wen Jiabao persönlich erst im Juni 400 Millionen Euro versprochen, unter anderem für den Bau eines Flughafens als Logistik-Stützpunkt für den Vertrieb chinesischer Waren in Europa. Eine chinesische Airline will im großen Stil Anteile an der staatlichen ungarischen Fluggesellschaft kaufen. Auch eine der modernsten Chemie-Fabriken der Welt wollen die Chinesen in Ungarn noch in diesem Jahr bauen.
Das Interesse beschränkt sich aber nicht auf Osteuropa allein: Wie viele chinesische Direkt-Investitionen in Deutschland schon getätigt wurden, lässt sich schwer beziffern. Dass die Investoren aus Fernost Deutschland aber äußerst attraktiv finden, zeigt unter anderem das Beispiel Sany. "Die haben schon angekündigt, dass sie im kommenden Jahr den Standort kräftig ausbauen wollen", sagt Bedburgs Bürgermeister.
Auch Großbritannien brauche mehr Investitionen in die Infrastruktur, erklärte Lou Jiwei, der Chef des mächtigen Staatsfonds China Investment Corporation (CIC), im November der Londoner "Financial Times". In chinesischen Medien konnte man solche Äußerungen schon viel früher lesen.
Der CIC mischt bei vielen Plänen für Investitionen in Europa kräftig mit. Er wird quasi direkt von der Pekinger Regierung gesteuert und tätigt langfristige Anlagen für das Regime. Dessen Billionen wollten eigentlich die Euro-Staaten für ihren Rettungsschirm EFSF anzapfen. Dem erteilte Peking eine deutliche Absage. Stattdessen ist ein neuer Fonds für direkte Investitionen in Europa und den USA scheint geplant. "Die vorsichtige Herangehensweise, Investitionen in Europa eher indirekt und unbemerkt über Partner zu tätigen, ist spätestens seit Anfang 2011 vorbei", erläutert ein Pekinger Regierungsberater.
Peking hat zwar kein Interesse an einem schwachen Euro. Doch fast könnte man sagen: Je länger die Euro-Krise dauert, desto besser für China. Politisch erlangt es international ohnehin durch die europäische Krise mehr Gewicht, durch die langfristigen Investitionen des CIC und anderer kommt auch noch ein größerer Einfluss auf den europäischen Märkten dazu.
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