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Eine Serie von Selbstmorden erschüttert den weltgrößten Elektronikhersteller. Foxconn produziert in China auch für Dell, Nokia, Hewlett-Packard, Apple oder Media Markt. Konzernchef Gou reiste an und bat um Verzeihung. Kurz darauf sprang wieder ein Arbeiter in den Tod. Es war der zehnte Selbstmord innerhalb weniger Wochen, zwei Arbeiter überlebten einen Versuch.
Astrid Freyeisen, ARD-Hörfunkstudio Schanghai
Der weltgrößte Elektronikhersteller Foxconn ist eine Festung, hohe Mauern und Sicherheitskräfte schotten sie von der Außenwelt ab. Mehr als 400.000 Menschen arbeiten in zwei Fabrikstädten allein im südchinesischen Shenzhen. Doch die Serie von Selbstmorden junger Arbeiter trieb Konzernchef Terry Gou zu einer für ihn unerhörten Inspektion, er reiste eigens aus Taiwan an.
[Bildunterschrift: Eine Familie trauert um ihren Sohn und Bruder, der sich auf dem Foxconn-Gelände das Leben nahm. ]
Überraschte Reporter durften in Shenzhen beobachten, wie der Chef seine Manager anschrie. In einer Pressekonferenz verbeugte sich Gou tief, sichtlich mitgenommen: "In meinem Namen und für meine Firma möchte ich in aller Höflichkeit um Verzeihung bitten: gegenüber der Öffentlichkeit, gegenüber allen meinen Mitarbeitern und den Familien der Opfer. Wir haben versagt. Wir haben jenen nicht geholfen, die psychische Probleme bekamen, weil sie sich bei uns schlecht behandelt fühlten."
Gou versprach, alles zu tun, um die Selbstmordserie zu stoppen. Ein junger Arbeiter sagte in einem Fernsehinterview, was ihn bei Foxconn am meisten mitnimmt: "Die Vorarbeiter sind sehr unfreundlich. Sie beschimpfen uns ständig und schreien uns an, wir könnten ja gehen, wenn wir nicht gehorchten. Einer sagte zu mir, dass ich nur eines tun könne: Hart zu arbeiten, denn Foxconn habe genug Geld und Arbeiter. Auf einen weniger käme es da nicht an."
Diesen Stil legte das Management auch an den Tag, als der Skandal immer weitere Kreise zog: Sie schickten den Arbeitern einen Brief, in dem diese sich verpflichten mussten, keinen Selbstmord zu begehen. Als Konzernchef Gou davon erfuhr, zog er den Brief voller Wut aus dem Verkehr.
Foxconn ist eines der 500 größten Unternehmen der Welt und produziert für Giganten wie Dell, Nokia, Hewlett-Packard oder Apple. Apple ließ verkünden, man werde prüfen, ob Foxconn ausreichend für seine Arbeiter sorge. Foxconn ist auch Partner von Media Markt bei dessen bevorstehendem Markteintritt in China. Das verkündete Media Markt erst in der vergangenen Woche.
"Die Kunden von Foxconn sind direkt mitverantwortlich für das Problem, das wir gerade sehen", sagt der Arbeiterrechtler Liu Kaiming. "Ihr Reichtum stammt auch von diesen Arbeitern. Also tragen sie Verantwortung. Sie müssen Foxconn darin unterstützen, die Management-Kultur zu ändern und die Arbeitsbedingungen zu verbessern."
Liu ist einer der international renommiertesten Experten für Arbeiterrechte in China. Foxconn ist für ihn ein typisches Beispiel dafür, was passiert, wenn junge Leute in Maschinen verwandelt werden, für die es nur Essen und Arbeiten geben soll: "Es ist schwer vorstellbar, dass in einer solchen Fabrik 400.000 Menschen auf vier Quadratkilometern leben, ohne das soziale Netz einer Stadt. 90 Prozent dieser Arbeiter leben getrennt von ihren Familien."
"Sie kamen mit Träumen nach Shenzhen, aber trotz harter täglicher Arbeit mussten sie erkennen, dass sie nur durch Überstunden mehr verdienten, als den Mindestlohn: umgerechnet etwas mehr als 100 Euro", sagt Liu. "Selbst wenn sie täglich über zehn Stunden schuften und drei Tage im Monat ausruhen, kommen sie nicht mal auf 240 Euro." Das reiche in einer teuren Stadt wie Shenzhen kaum für die Grundbedürfnisse, sagt Liu. Diese grausame Realität habe die Träume der jungen Leute sofort zerstört."
Ihre Eltern seien noch als Bauern aufgewachsen, sagt Liu, gewöhnt an Hunger und Arbeit bis zur Erschöpfung: Anders als die aktuellen Wanderarbeiter aus der Ein-Kind-Generation, für die Handy und Internet normal seien.
Alle Opfer der Selbstmordserie waren zwischen 18 und 25 Jahren alt. Obwohl Hundertschaften von Polizisten auf das Foxconn-Gelände geschickt wurden, brachte sich ein weiterer Arbeiter um. Das Wichtigste sei nun, betont Liu, dass den Arbeitern das Recht gegeben werde, unabhängige Gewerkschaften zu gründen und selbst zu verhandeln. "Hier geht es nicht mehr um Gesetze, hier geht es um politische Reformen. Solange die Arbeiter keine Möglichkeit haben, sich zu organisieren, werden sie immer am kürzeren Hebel sitzen."
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