Ein Aufsteller auf der Technologiemesse AHK-Innovation Hub Shenzhen in China | Bildquelle: dpa

Neue Technologien China - Freund oder Feind?

Stand: 25.05.2018 13:01 Uhr

China arbeitet mit Hochdruck an neuen Technologien - und die deutsche Industrie will dabei sein. Wie sie verhindern kann, dass wertvolles Wissen abfließt, erklärt China-Experte Huotari vom Mercator Institute for China Studies bei tagesschau24.

tagesschau24: Innovationsland Deutschland - Werkbank China. Stimmt diese Vorstellung noch?

Mikko Huotari: Diese Zeiten sind ganz klar vorbei. Es ist natürlich offensichtlich, dass wir in vielen Bereichen noch einen Technologievorsprung haben. Dementsprechend müssen wir nicht damit rechnen, dass über alle Industrien hinweg China zu einem Wettbewerber wird. Aber mit Blick auf zentrale Zukunftsindustrien - künstliche Intelligenz,  Telekommunikationsinfrastruktur, Biotechnologie - ist mit China zu rechnen. Und deshalb ist es völlig richtig, dass Merkel das Augenmerk darauf richtet.

tagesschau24: Überwiegen die Chancen oder die Risiken für Deutschland in diesem Verhältnis?

Mikko Huotari: Das muss von Industrie zu Industrie unterschiedlich bewertet werden. Aber es ist klar, dass wir im Bereich künstliche Intelligenz beispielsweise mit der deutschen Industrie nicht so aufgestellt sind, wie es China mit der Datensammelwut und der Datenmacht letztendlich vorantreiben kann. Dementsprechend ist klar, dass wir in manchen Bereichen mit China als Partner operieren müssen.

tagesschau24: Das heißt, in diesem Bereich haben wir eigentlich gar keine Chance gegen China?

Mikko Huotari: Wir haben Stärken im Bereich der Umsetzung und der Anwendung von Daten und bei Industrieprozessen. SAP und andere Anbieter sind da weltweit führend. Aber es ist klar, dass natürlich in so einem Innovationshub wie Shenzhen oder auch in anderen Städten Chinas Innovation vorangetrieben wird in einer Geschwindigkeit, in der Deutschland potentiell abgehängt wird.

Mikko Huotari, Mercator Institute for China Studies, zur politischen und wirtschaftlichen Weltmacht Chinas
tagesschau24 11:00 Uhr, 25.05.2018

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tagesschau24: Chinesische Unternehmen und Staatfonds investieren in großem Maße auch in deutsche und europäische Unternehmen. Was will China mit diesen Investments erreichen?

Mikko Huotari: Es ist ganz klar, dass aus Sicht Pekings die industriepolitische und technologische Aufholjagd oberste Priorität hat. Da geht es darum, die eigenen Wachstumsressourcen dauerhaft zu sichern und dementsprechend auch international aktiv zu werden und Technologien, die man noch nicht hat, zu akquirieren. Investitionen spielen hier eine zentrale Rolle. Hier geht es um Kerntechnologien, in denen die deutsche Industrie extrem gut aufgestellt ist.

tagesschau24: Ist die politische und unternehmerische Seite in Deutschland vielleicht auch etwas zu blauäugig, weil man häufig Technologiekonzepte bereitwillig liefert?

Mikko Huotari: Es ist richtig, am Prinzip der Offenheit festzuhalten. Aber gleichzeitig ist völlig klar: Wenn dieser Wettbewerb nicht mit fairen Mitteln geführt wird, das heißt, wenn es beispielsweise Marktverzerrungen durch staatliche Unterstützung gibt, dann ist das etwas, wo auch die politische Seite reagieren muss. Denn nur unter fairen Wettbewerbsbedingungen kann Innovation global funktionieren.

tagesschau24: Wer droht denn der Verlierer zu werden - die Unternehmen, die Arbeitnehmer in Deutschland, das weltpolitische Gewicht?

Mikko Huotari: Aus Unternehmensperspektive ist klar, dass eine chinesische Investition erst einmal massive Vorteile bringen kann: Marktzugang in China, neue Entwicklungschancen. Aus Arbeitnehmersicht haben wir bislang auch nicht wirklich größere Probleme gesehen. Das bedeutet aber nicht, dass wir die Frage nach der Technologieführerschaft Deutschlands in vielen Bereichen aus dem Blick verlieren dürfen. Hier gilt es, auch politisch nachzusteuern.

tagesschau24: Welche Optionen haben deutsche Unternehmen vor diesem Hintergrund ganz individuell?

Mikko Huotari: Individuell ist hier wenig zu tun. Es geht darum, auf Industrie- und Verbandsebene, auf politischer Seite und insbesondere auch auf EU-Seite durch Regulierung dafür zu sorgen, dass die Stellen in der Bundesregierung und im europäischen System Handhabe haben. Sie müssen im Einzelfall darauf reagieren können, wenn bestimmte kritische Technologien aufgekauft werden.

Das Interview führte Constantin Schreiber, tagesschau24.

Mikko Huotari vom Mercator Institute for China Studies

Mikko Huotari leitet das Programm Internationale Beziehungen beim Mercator Institute for China Studies. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Chinas Außenpolitik, chinesisch-europäische Beziehungen sowie die regionale Ordnung in Asien. Er hat zahlreiche Beiträge zu Chinas globaler Investitionsstrategie und Chinas Wirtschaftsbeziehungen mit Europa veröffentlicht.

Huotari lehrte und forschte zuvor am Lehrstuhl für Internationale Politik an der Universität Freiburg und verantwortete dort die Methodenausbildung in einem BMBF-geförderten Projekt zur Südostasienforschung.

Über dieses Thema berichtete tagesschau24 am 25. Mai 2018 um 11:00 Uhr.

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