Ein Arbeiter steht an einem chinesischen Schiffscontainer. | Bildquelle: dpa

Chinas Wirtschaft Optimistisch im Reformstau

Stand: 29.12.2016 11:08 Uhr

Für ausländische Firmen in China sind die Spielräume 2016 enger geworden, laut Analysten dürfte sich der Reformstau 2017 verstärken. Die Chinesen selbst sind aber guter Dinge.

Von Steffen Wurzel, ARD-Studio Shanghai

Kurz vor Jahresende haut der deutsche Botschafter in Peking, Michael Clauss, nochmal ordentlich auf den Putz. Chinas versprochener Wirtschaftsreformkurs verliere an Schwung, das Land schotte seine Märkte tendenziell weiter ab. Die Art und Weise, wie die Regierung in Peking neue Handelsregeln kommuniziere, sei häufig nicht sehr transparent. So beklagte sich Clauss vor wenigen Tagen in der "South China Morning Post".

Mit diesen Punkten fasse der deutsche Diplomat die Hauptsorgen der deutschen Wirtschaft in diesem Jahr zusammen, heißt es hinter vorgehaltener Hand. Vor dem Mikrofon will das allerdings kaum jemand sagen, im Gegenteil: Die deutsche Auslandshandelskammer zum Beispiel verbreitete noch vor rund vier Wochen gute Stimmung - die Mehrheit der deutschen Firmen in China blicke optimistisch ins neue Jahr.

Widersprüchliche Einschätzung der Lage

Ein Widerspruch, der zum zu Ende gehenden Jahr dazu gehört. Fakt ist: Der Spielraum für ausländische Firmen in China ist 2016 deutlich enger geworden. Und 2017 dürfte sich dieser Trend fortsetzen, sagt der als kritischer Geist bekannte Hongkonger Analyst Andy Xie.

Er vergleicht die Situation der Firmen in China mit einem Vogel im Käfig: "Innerhalb des Käfigs bist du so frei, wie du willst. Wie groß der Käfig aber ist, bestimme ich. Wenn es mir recht ist, lasse ich ihn größer werden. Wenn ich mich damit unwohl fühle, verkleinere ich den Käfig wieder. Chinas Marktwirtschaft ist niemals ganz offen. Überall gibt es Grenzen."

Menschen auf einer Einkaufsstraße in Peking. | Bildquelle: dpa
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Menschen auf einer Einkaufsstraße in Peking.

Das Reformtempo wird sich 2017 weiter verlangsamen, sagt Xie voraus. Und diese Prognose deckt sich mit offiziellen Verlautbarungen, die die Staatsführung kurz vor Weihnachten verkündete. Verklausuliert heißt es dort, die Prioritäten fürs nächste Jahr seien Stabilität und die Verhinderung von Finanzrisiken. Was nichts anderes bedeuten dürfte als: Mutige Reformschritte wird es 2017 nicht geben.

Erwartetes Wachstum ist niedrig

Weltweit wird man auch im neuen Jahr wieder auf die chinesischen Wachstumsstatistiken blicken - angepeilt wird eine Rate von 6,5 Prozent, eine so niedrige also, wie seit mehr als 25 Jahren nicht. Überraschungen sind hier nicht zu erwarten.

Zweitens wird man 2017 auf den Wechselkurs des chinesischen Yuan und auf die Währungsreserven der Zentralbank blicken. Um beide steht es seit einigen Monaten nicht sehr gut.

All das klingt eher pessimistisch, es ist aber nur die halbe Wahrheit. Denn im bevölkerungsreichsten Land der Welt herrscht großer Optimismus. Auch wenn sich die Situation in Sachen Bürger- und Freiheitsrechte in China 2016 nach westlichen Standards weiter verschlechtert hat, sind rund 90 Prozent der Chinesen der Meinung: "Unser Land ist auf dem richtigen Weg."

Hohe Zufriedenheit der Chinesen

So steht es in einer Studie des britischen Marktforschungsinstituts Ipsos-Mori. Damit liegt China an der Spitze der Staaten, wenn es um die Zufriedenheit der eigenen Bevölkerung geht. Zum Vergleich: In den USA und in Japan sind nur rund 40 Prozent zufrieden, in Deutschland gut 30 und in Frankreich weniger als 20 Prozent.

Der Grund, laut der Shanghaier Wirtschaftsanalystin Ye Tan: "Seit den 1980er-Jahren haben alle in China die Möglichkeit, durch Arbeit Geld zu verdienen. Wirtschaftskrisen hat es seitdem keine gegeben. Es gibt also quasi keine Altersgruppe in China, die sich an irgendwelche Krisen oder sonstige schlechte wirtschaftliche Situation erinnert. Das ist der Grund für den allgemeinen optimistischen Ausblick."

Reformstau im enger werdenden Käfig: Chinas Wirtschaft 2017
S. Wurzel, ARD Shanghai
29.12.2016 09:43 Uhr

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Über dieses Thema berichtete NDR Info am 29. Dezember 2016 um 07:41 Uhr

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